Zatôichi
Gestern waren wir in Takeshi Kitanos Zatôichi ("Der blinde Samurai"). Takeshi (ich habe immer noch nicht ganz verstanden, wie das in Japan mit Vor- und Nachname funktioniert. Ich glaube, in der Regel wird der Familienname vor dem Rufnamen angegeben, aber ich habe das Gefühl, im Umgang mit "Westlern" wird die Reihenfolge manchmal westlichen Geflogenheiten angepasst. Pervers ist, dass ich hingegen sicher bin, dass bei Bajoranern der Rufname nach dem Nachnamen genannt wird: "Kira Narris" => Familienname "Kira", Rufname "Narris". Nerd-Alarm...) ist in Japan ein grosser Star, nicht nur wegen seiner Kinofilm, sondern mehrerer Fernseh-Shows. Eine davon, "Takeshis Castle", eine Art japanisches "Spiel ohne Grenzen" lief auch eine Weile im Nachmittagsprogramm des DSF... Takeshis Kinoarbeit ist hierzulande eher eingefleischten Cineasten ein Begriff. Für mich war jedenfalls Zatôichi die ersten Begegnung mit Takeshis Filmschaffen.
Der Film hat mich ein bisschen ratlos zurückgelassen. Das heisst nicht, dass er mir nicht gefallen hat, denn unterhaltsam und anregend war er in jedem Fall. Ich weiss nur noch nicht genau, was ich davon halten soll... Die Mischung aus verhältnismässig langatmigen Passagen - gerade zu Beginn -, in denen nicht viel passierte, episodischen Rückblenden zu den Vorgeschichten der Hauptpersonen, rasanten Kampfszenen, viel spritzendem Blut und Slapstick-Elementen war gewöhnungsbedürftig. Die Kampfszenen legten dabei weniger Wert auf akrobatische Technik, als auf die übermenschlichen Reflexe der Meisterkämpfer, die den entscheidenen Vorteil gegenüber den dutzendweise gemeuchelten Kanonenfutter-Vasallen ausmachten.
Wegen meiner Ratlosigkeit werde ich nur auf ein paar einzelne Punkte direkt eingehen. Das sind fast alles Negativa, die aber niemanden vom Film abhalten sollen, denn - wie gesagt - insgesamt hat es mir gefallen.
1.Die Synchronisation: ürgsel. Im Laufe des Film hat man sich dran gewöhnt, aber gerade am Anfang wirkten die Stimmen unpassend und die Lippensynchronizität mangelhaft.
2.Schlechte CG-Effekte: das Computer-generierte Blutgespritze wirkte stellenweise ziemlich künstlich. Vielleicht absichtlich? Wer weiss? Wenn es so wäre, würde es zum nächsten Punkt passen:
3.Der Soundtrack: komplett aus der japanischen Dose und ebenfalls sehr gewöhnungsbedürftig. Dünne Synthesizer-Timbres und Plastik-Drums. Seltsam.
4.Die abschliessende Stepptanz-Szene: äh, WTF? Japaner sind seltsam.
Bei alledem habe ich aber trotzdem den Eindruck, dass Zatôichi ein Film ist, den man sich mehreremale anschauen kann, um ihn ganz aufzunehmen und alle Facetten erfassen zu können. Wenn er mal als DVD billig irgendwo rumliegt, werde ich ihn mir sicher mitnehmen.
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Kommentare
Tja, da waren wir erstmal im falschen Film. Nein, nicht Zatoichi... der kam später. Zunächst, wieso auch immer, (die Kartenabreißerin hat offenbar nicht interessiert, was wir ihr unter die Nase hielten...)waren wir tatsächlich im falschen Film. Ich wunderte mich schon, _dieser_ Trailer ist aber arg lang... und so kam es zu eeiner persönlichen Premiere: als die dort statthabende Lovestory beginnen sollte, mußten Gerhards und ich mal kurz die Leinwand verdecken, sorry Leute. Weiter gings, nochmal Werbung, nochmal Vorhang auf und zu und dann endlich kam das japanische Gemetzel... Begann aber erstmal ruhig wie eigentlich der ganze Film.
In Bezug auf Tempo muß man sich erst an den asiatischen way of living
gewöhnen... schwerlastende statische Situationen, kanns nicht besser
sagen, könnte eine art kulturelle Eigenheit Asiens sein (ist ja auch ein Kulturkreis, wo man über zeit und die uns so sehr gewohnte Kausalität ganz anders denkt und fühlt).
Der Film wechselt die Stimmungen: von tiefernst zu Slapstick, dann wieder von
Comicartigem zu einer sehr, sehr lyrischen (und schönen) Bildsprache. Auch die sehr extravagante Tonschiene ist zT skuril (wie schreibt man das denn nun wieder?).
Brüche wie die Steppeinlage am ende finde ich gut, es war eine
fröhliche fuck-off-geste somehow.
Der Schluß war wieder comicartig-stilisiert und von der Umsetzung einer der genialen
Momente des Films, aber auch die lyrischen Parts waren grandios, zB der Regen, das
Dach, der rote schirm, alles fats abstrakt in dem Moment, einfach Farben, Strukturen, Bilder, schön. Das hat mir sehr gefallen.
Einzelne Passagen sind nichts weniger als genial, aber es paßt letztlich alles nicht
zusammen, die Wechsel ergeben sich nicht leicht und natürlich, zumindestens nicht so, wie wir es in Westen gewohnt sein mögen.
Dann fehlt mir persönlich der archetypische Heldenmythos; für diesen gibt Zatoichi
einfach nichts her, er ist unspektakulär wie das richtige Leben. Ist aber kein
Fehler, aber ich mag normalerweise eher die Coolness und Rotzigkeit der black mamba
(Uma Th. in Kill Bill)Man hat übrigens das Gefühl, Tarantino und Kitano könnten Interesse aneinander finden... In Bezug auf Identifikation haut Kitano einem auf die
Schnauze, aber das mag eher kulturell begründet als Absicht sein? Eine
der Fragen, die sehr wichtig zu klären wären, um den Film wirklich
verstehen zu können. Ebenso wäre das Original unabdingbar, da die
Syncro glaube ich ziemlich übel die Sache verzerrt, es tut fast weh,
diese Sprache kann so nicht gemeint gewesen sein.
Mein Fazit:
Geniale Ansätze, aber nicht aus einem Guß... man vermißt Leichte und
Tempo, ein sperriges Stück Film, das sich aber nicht in eins ausloten
läßt.
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