02.11.2006

Ys

Holla die Waldfee: Ein SPIEGEL-Hype mit 10/10 Punkten für eine Platte mit nur 5 Stücken mit Laufzeiten zwischen 7 und 17 Minuten, die nur für Stimme, Harfe und Streichorchester arrangiert ist und obendrein wie ein klassisches Album von "Il Balletto di Bronzo" heißt: Da muss man als Proggie ja hellhörig werden. Waldfee ist übrigens kein schlechtes Stichwort: Der sehr idiosynkratische, etwas quäkige Gesang von Joanna Newsom auf "Ys" würde auch einem Naturgeist gut stehen, insbesondere im Zusammenhang mit dem allgegenwärtigen Harfengezupfe (das allerdings in vielen Passagen von der Spielweise her auch sehr gut von einer akustischen Gitarre stammen könnte, wenn auch der etwas glockigere Harfenklang unüberhörbar ist).

Die Idee des Mischers von "Ys", das Album nur mit einem Photo der Künstlerin und dem Slogan "Music... is back" zu bewerben, führt allerdings für meine Begriffe in die Irre. Denn dafür wird zuviel - nämlich so gut wie ständig - gesungen, und dementsprechend müsste man sich viel stärker mit den Texten beschäftigen als ein solcher Spruch suggeriert, um das Album rundum zu würdigen.

Trotzdem ist "Ys" auch musikalisch sicherlich interessant, denn die langen Nummern mäandern soundtechnisch sehr eigenständig an klassischen Songstrukturen durchaus elegant und sehr, sehr schön vorbei. Allerdings stellt sich auf die Dauer bei allen raffinierten und eleganten Arrangements des alten Recken Van Dyke Parks ein gewisser Gleichklang ein, der sich wahrscheinlich nur durch viele, viele Hördurchläufe abfangen lässt. Den Reiz dafür kann man "Ys" aber durchaus abgewinnen.

Kommentare

Nicht nur im Spiegel ein Hype, sondern auch bei plattentests.de:

http://www.plattentests.de/rezi.php?show=4375

Immerhin das erste 10/10-Punkte-Album dort seit mehr als zwei Jahren ;-)

Ciao, ThomK

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