21.08.2006

Wolfmother / Gods of Blitz, Elserhallen, München, 20.8.2006

"Welcome to the Wolfmother stage-diving contest."

Wer auch immer die momentan schwer angesagten Retrorocker Wolfmother ursprünglich ins winzige Atomic Café gebucht hatte, hat sich ziemlich verkalkuliert. So wurde deren Konzert in München zuerst in die kleine, schließlich sogar in die große Elserhalle verlegt, wobei dankenswerterweise der freundliche Eintrittspreis von 12,- Euro plus Vorverkaufsgebühr beibeihalten wurde. Aber wahrscheinlich wären die um die tausend, tendenziell für den anachronistischen, mehr als deutlich aus den tiefsten 70er Jahren abgekupferten Hardrock-Sound (à la MC5, Led Zeppelin, Black Sabbath) des australischen Power-Trios viel zu jungen und zappeligen Besucher, die gestern abend die Elserhalle bevölkerten, auch zum doppelten Eintrittspreis aufgetaucht.

Da die Zuhörer ganz offensichtlich auf Party eingestimmt waren, wurde auch die Vorgruppe "Gods of Blitz" freundlich empfangen, deren Schrammelrock zwischen Punk und Britpop allerdings nur wenige erinnerungswürdige Momente hatte, darunter insbesondere ein kurzes Pink-Floyd-Zitat in einer Überleitung zwischen zwei Stücken, das aber das anwesende Jungvolk kaum erkannt haben dürfte, jedenfalls habe ich keine dementsprechenden Regungen feststellen können.

Der anschließende Auftritt von Wolfmother war dann eine Demonstration dessen, was einen Hauptact von einer Vorband unterscheiden muss. Obschon ein Mann weniger auf der Bühne hatten Wolfmother deutlich mehr Druck, mehr Groove und einen prägnanten Sänger (auch wenn das hohe quäkige Organ von Andrew Stockdale Geschmackssache sein dürfte). Den bei Wolfmother deutlich besseren Sound kann man den Gods of Blitz nicht vorhalten: Vorgruppen werden in aller Regel und wahrscheinlich absichtsvoll schlechte gemischt als die "Stars" des Abends. Schon eher kann man ihnen vorhalten, dass im Gegensatz zu Wolfmother, die zwar auch härtere, schnelle Gangarten bevorzugen, bei ihnen die Dramaturgie des Auftritts schwächer war. Man kann ja wie diese auch mal das Tempo für ansatzweise Psychedelik herausnehmen oder ein kleines Gitarrensolo bringen.

Trotzdem war es gut, dass auch Wolfmother nach einer guten Stunde, wenn auch ergänzt durch eine viertelstündige Zugabe, den Hauptteil des Konzerts hinter sich gebracht hatten, denn letztenendes ist auch ihr Sound trotz gelegentlichen Orgel-Einsatzes durch Bassist Chris Ross auf die Dauer zu eintönig.

Kommentare

Wenn es Möchtegern-Musikkritiker gibt, gibt es auch Möchtegern-Leser: Ich glaube nämlich im Gegenteil, dass eine Kritik in *Ihren* Augen von Haus aus größtenteils negativ ist, wenn sie nicht euphorisch und überschwänglich ihr eigenes Konzerterlebnis spiegelt.

Aber setzen Sie sich mal hin, nehmen ein gutes Glas Wein und lesen sich Sie den Eintrag mal in Ruhe und intensiv durch. Dann werden Sie merken, dass der obige Beitrag bis zum letzten Absatz den Wolfmother-Auftritt durchgehend lobt.

Nur ein paar weitere inhaltliche Anmerkungen: Doch, ich kannte das Album vor dem Konzert; find ich OK, aber nicht begeisternd. Aber gut genug, um's mir live als spaßig vorstellen zu können, inbesondere da Bands live oft besser als im Studio kommen (manchmal auch umgekehrt), und das auch bei Wolfmother gut hätte sein können. Dass Wolfmothers Musik, wie sie selbst zugeben, zumindest schwer durch die 70er Jahre beeinflusst ist, was ich eben "abgekupfert" nenne, stört mich gar nicht (im Gegenteil: besser gut abgekupfert als schlecht neu erfunden), und nichts Gegenteiliges steht oben. Und ich *mag* den Gesang (wieder: nichts Gegenteiliges steht oben). Aber er ist nun mal vom Timbre her das, was ich quäkig nennen würde, ob *ich*'s mag oder nicht, und ich kenne einige Leute, die er nervt.

Trotzdem war das sonntägliche Konzert von Wolfmother und natürlich auch von Gods of Blitz bei weitem nicht eines der Besten und Kraftvollsten, die ich die letzten Jahre gesehen habe, und glauben Sie mir... Es waren zumindest einige ;-)

Hallo Herr Gerhards,
waren sie der Kerl, der neben uns eine Stunde lang starr dagestanden hat und nicht mal den kleinen Zeh bewegt hat?
Ich glaube, eine Kiritk ist in Ihren Augen größtenteils von Haus aus negativ und darf niemals positiv sein, denn nicht nur meiner Meinung nach, war das sonntägliche Konzert von Wolfmother und natürlich auch von Gods of Blitz eines der Besten und Kraftvollsten, die ich die letzten Jahre gesehen habe und glauben Sie mir...es waren viele. Warum waren Sie auf dem Konzert, wenn Sie, glaub ich, die Band noch nie gehört haben? Auch wenn sich ihr Sound sehr 70er Jahre-mäßig anhört, ist es keinesfalls von LedZep o.ä. angekupfert, sondern ein sehr eigener Stil. Falls Sie die momentante Bewegung im Alternative-Rock verfolgen würden, würden Sie merken, dass der Trend wieder in den 70er Jahre-Sound geht. Falls Ihnen die Stimme von Andrew Stockdale auf die Nerven geht, rate ich Ihnen, mal eine Stunde lang so zu singen; dann würden Sie merken, was der gute Herr für eine Leistung bringt. Und das mit 20 Jahren. Eintönig ist der Sound von Wolfmother niemals. Setzen Sie sich mal hin, nehmen ein gutes Glas Wein und hören Sie sich mal das Album in Ruhe und intensiv an. Dann werden Sie merken, dass die Band Wolfmother in der obersten Liga spielt.
Was Gods of Blitz angeht: Bands wie diese haben normalerweise ihren eigenen Mischer dabei. Der einzige Nachteil, den Vorbands haben ist, dass sie die Lichtanlage nicht komplett ausnutzen dürfen und Ihr Equipment vor dem der Haupt-Band aufbauen müssen.
Aber Leute, wie sie, die regungslos dastehen und auf alles Negative achten, rate ich mal....genießt einfach mal die Musik und zerpflügt sie nicht!
Das einzige Nervige wirklich an diesem Konzert waren die ZU vielen Stagediver.
Bis zum nächsten mal!
Ein NICHT-Stagediver und Möchtegern-Musikkritiker, aber dafür ein goßer Musikgenießer!!!

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