18.04.2005

WikiReader: Internet

Unter dem Obertitel WikiReader bietet der deutschsprachige Teil der Wikipedia Sammlungen von Artikeln zu bestimmten Themenbereichen gebündelt an, neben dem gewohnten Wiki-Website-Format auch als druckfertig aufbereitete PDF-Daten zum Download sowie einige gegen einen geringen Unkostenbeitrag als eigentliches Druckerzeugnis unter wikireader.de.

Den WikiReader: Internet habe ich mir in der Druckversion für 7,90 Euro bestellt, teils aus reiner Neugier bezüglich der Aufbereitung, teils um mein über Jahre fragmentarisch über unterschiedlichste Quellen angelesenes Internetwissen anhand des Readers in kompakter Form noch einmal durchgehen und überprüfen zu können. Das Papier und die Bindung (Broschur? Ich habe noch nie ganz den anscheinenden Unterschied, der in Katalogen zwischen "Taschenbuch" und "Broschiert" gemacht wird verstanden: ist jedes Taschenbuch broschiert, nur das Format ist ein spezifisches? Ich sollte in der Wikipedia nachlesen) des Readers wirken halbwegs solide, wenn auch der Druck etwas nahe an die Seitenränder reicht, so dass ich Angst habe, den Reader zu weit aufzuklappen.

Inhaltlich geht der Reader (mit dem Stand vom Mai 2004 noch recht aktuell) mit einem recht langen Abschnitt von Wikipedia-Artikeln zur Netztechnik, Internetprotokollen und -diensten los, die zwar allesamt recht technisch gehalten sind, aber eigentlich nicht sehr in die Tiefe gehen. Hier zeigen sich auch schon die ersten Probleme, die aus dem Prinzip stammen, dass ursprünglich als Hypertext konzipierte Einzel-Texte in Druckform überführt wurden: zum einen werden immer wieder unerklärte (Fach-)Begriffe benutzt, zu denen ich vor dem geistigen Auge klar den Link zum weiterführenden Artikel sehe, der im Heft aber eben an dieser Stelle nicht kommt, zum anderen gibt es immer wieder redundante Informationen, die daher rühren, dass im Prinzip voneinander unabhängige, aber eben verwandte Artikel gesammelt wurden. Manchen Themen würde auch die ein oder andere wirksame Illustration mehr gut tun. Außerdem vermisse ich einen Index; es gibt zwar ein Inhaltsverzeichnis, aber eine Möglichkeit, alphabetisch nach erklärten und erwähnten Begriffen zu suchen, fehlt leider.

Ebenfalls schade und dem Unterhaltungswert - vor allem von Themeneinsteigern - abträglich ist, dass Themen zu den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen des Internets, zur Netzkultur und -subkultur einen recht geringen Teil des Readers ausmachen und erst gegen Ende aufgegriffen werden.

Trotz des ganzen Gemeckers: ich finde die Idee der WikiReader prinzipiell sehr gut und gerade für mein Vorhaben, bereits vorhandenes (Halb)Wissen aufzufrischen und teilweise zu ergänzen eine brauchbare Stütze. Für Einsteiger ist der Reader aber zu trocken und knapp, für Bereits-Experten nicht tiefängig genug, und etwas mehr Redigieren würde zumindest dem Internet-Reader gut tun.

Kommentare

Für alle Prog- und Wikipedia-Fans:

Der Artikel "Progressive Rock" befindet sich derzeit im Reviewprozess und sucht noch tatkräftige Mitstreiter auf dem Weg zum exzellenten Artikel.

Mitmachen kann man unter:

http://de.wikipedia.org/wiki/Progressive_Rock

Zur "Broschur" habe ich folgendes im Kopf:

Früher war es nicht üblich, dass Bücher mit einem Einband ausgeliefert wurden. Es waren in der Regel noch nicht mal die Falzen der Druckbögen aufgeschnitten, so dass man das Buch zunächst nur in kleinen "Seitenpaketen" umblättern konnte.

Das Aufschneiden bzw. das Beschneiden des Buchblocks und die Hinzufügung eines Einbandes machte der Buchbinder erst nach den Wünschen des Kunden. Daher war das Buch im Auslieferungszustand nur mit einem provisorischen, flexiblen Umschlag geschützt. Dieses Provisorium war die Broschur. Eine solche Broschur war in der Regel fadengeheftet und nicht geklebt.

Das moderne Taschenbuch ist "gelumbeckt", d.h. durch eine Klebebindung gekennzeichnet, die ihren Namen dem Erfinder Erich Lumbeck verdankt.

Ergo: Broschur bedeutet eigentlich "nicht vollgültig bzw. nur mit einfachen Mitteln eingebunden". Das kann geheftet *oder* geklebt sein. Das Taschenbuch ist hingegen in aller Regel fadenlos geklebt.

Diese ganzen Unterscheidungen sind längst durcheinander geraten, weil es auch billige Fadentechniken gibt, die für sog. "gebundene" Bücher verwendet werden (typisch für Bestseller). Die sind oft weniger haltbar als "broschierte" Bände, die eine reguläre Fadenheftung haben, es soll dem Kunden bloß was Solides vorgegaukelt werden.

Ein richtig geheftetes Buch erkennt man daran, dass es sich eben aus vielen kleinen Heften zusammensetzt, die auch durchnummeriert sind. Da tauchen dann in Abständen die kleinen Bemerkungen unten am Rand auf wie etwa "3 Gerhards, Progrock". Man sieht die Hefte auch, wenn man den Buchschnitt von oben anguckt. Aber bei vielen heutigen Büchern mit festem Einband gibts diese Hefte nicht mehr, der ganze Buchblock ist bloß hinten angefräst und in eine Klebepampe sind da auch Fäden oder Gewebebänder eingelegt, die das Buch aber nicht wirklich "heften". Und bei gelumbeckten Taschenbüchern gibts eh keine Hefte.

Bei vielen alten Büchern aus dem späten 19. und frühen 20. Jh. hat man übrigens bei der Heftung den Faden durch Heftklammern aus Metall ersetzt. Das war natürlich auch eine Sparmethode - die zu dem seltsamen Effekt führt, dass in solchen Büchern das Papier an den Heftstellen anfängt zu "rosten".

Im übrigen würde ich auch denken, dass ein Taschenbch nicht gerade einen halben Meter hoch sein darf, wenn es seinen Namen zu Recht tragen soll.

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