05.09.2004

Wie ich beim Karmakanic-Konzert vielleicht das nächste Eclipsed beeinflusste

Der unermüdliche Impresario Charly Heidenreich ludt gestern wieder einmal nach Würzburg ein: die Schweden von Karmakanic rund um die Flower Kings Bassisten Jonas Reingold gaben dort eines ihrer wenigen Deutschland-Konzerte. Als Vorgruppe konnte die hervorragende Münchner "Fusion-Metal"-Band 7for4 von Ex-Sieges Even-Mitglied Wolfgang Zenk engagiert werden.

7for4 legten einen überzeugenden Auftritt hin. Gitarrist Zenk ist zwar ein Frickler vor der Herrn, aber was für einer! Seine Mitmusiker standen ihm darin kaum nach. Atemberaubende technische Fähigkeiten wurden in flott-komplexen Kompositionen mit Metalpower, gelegentlichen Latin-Anklängen und jazziger Improvisationsfreude verknüpft. Vielleicht war das Ganze auf die Dauer eines Konzertes etwas zu viel des Guten, aber insgesamt war es eindrucksvoll und mitreissend. Wenn die Jungs im Dezember (wahrscheinlich am 15.12.) hier in München im Feierwerk spielen werden, werde ich auf jeden Fall versuchen, wieder dabei zu sein.

Nach dem es anfangs nach einem Konzert in sehr intimem Rahmen aussah, war das Cafe Kairo zu Beginn des Karmakanic-Sets doch ordentlich gefüllt. Karmakanic begannen stark mit Songs vom ersten Album, die Power und Souveränität in ihrer Mischung aus RetroProg mit Metal-Einschlägen versprühten. Zwischendrin kam es immer wieder zu jazzigen Jampassagen, bei denen Reingold und Schlagzeuger Zoltan Czorsz wie in den besten Live-Momenten ihrer Stammband Flower Kings die 6-köpfige Karmakanic-Live-Besetzung mit heftig treibendem Swing vorantrieben. Sänger Goran Edman war, trotz anfänglicher Sound-Probleme, die - etwa durch leichtes Feedback - den ganzen Auftritt plagten - makellos und eindrucksvoll: man könnte ihn als eine gereifte Version von Rituals Patick Lundström bezeichnen, wenn man nicht eher davon ausgehen müsste, dass Lundström von Edman beeinflusst ist und nicht umgekehrt. Gegen Ende verlor das Konzert durch die balladesken Schlusssongs ein wenig an Fahrt, insgesamt war es aber trotzdem sehr unterhaltsam.

Während des 7for4-Auftritts hatte Marcus Wicker, Eclipsed-Meister und -Hans-Dampf-in-allen-Gassen, mich in einer seiner unnachahmlichen überfallartigen Aktionen angesprochen, dass ich mir bis zu Pause die aus meiner persönlichen Sicht 5 besten Prog-Livealben überlegen solle.

OK. Ich bin kein grosser Freund von Live-Alben. Ein sorgfältig ausgearbeiteter Studio-Sound und detailreiche Arrangements geben mir in der Regel mehr als ein Live-Mitschnitt, insbesondere, da die Qualitäten, die ein Live-Konzert ausmachen, in einer Aufnahme nur in den seltensten Fällen transportiert werden. Es gibt etliche hervorragende Live-Bands, die keine wirklich gute Live-Platte gemacht haben. Nach längerer Überlegung fielen mir in der Tat genau 5 Live-Alben ein, die ich als wirklich gross bezeichnen würde (allerdings hätte man von der ein oder anderen Band auch andere Live-Alben zur Wahl gehabt. Ich wollte mich aber auf ein Album pro Band beschränken). Alle anderen Live-Scheiben, die mir in den Sinne kamen, waren im ein oder anderen Sinne unzureichend. Ein Beispiel: Yes' "Yessongs" ist musikalisch grossartig, aber der Sound ist so indiskutabel schlecht, dass ich "Yessongs" nicht wirklich geniessen kann und auch nicht empfehlen würde.

Meine Wahl (grob chronologisch angeordnet) war:

King Crimson - The Night Watch
Frank Zappa - Roxy & Elsewhere
Gentle Giant - Playing The Fool
Isildurs Bane - MIND Vol. 2
Magma - Theusz Hamtaahk Trilogie

In der Umbau-Pause klärte mich Marcus auf: das Eclipsed plant für die nächste Ausgabe eine der beliebten "Die besten 50 Rock-Live-Alben"-Listen, zusätzlich wird es eine Prog Top 10 für Alben geben, die es nicht in die breiter angelegte Gesamt-Top-50 geschafft haben. Es stellte sich heraus, dass ein Grossteil meiner Wahl bereits in der ein oder anderen Liste vertreten war, aber in zwei Fällen eventuell durch mein Votum die Liste verändert werden könnte. Ich werde natürlich nicht verraten, was wie wo warum, da ich erstens nicht weiss, ob es tatsächlich so kommt, und zweitens den Eclipsed-Lesern unter uns nicht den Spass verderben möchte.

Solange man sie nicht allzu ernst nimmt, finde ich solche Listen spassig. Natürlich ist eine Auswahl immer willkürlich und kann nie objektiv sein, aber darum sollte es nicht gehen: es sollte darum gehen, sich als Macher ein bisschen den Kopf zu zerbrechen, wie das Eclipsed-Team es anscheinend getan hat, und als Leser die Ergebnisse dieses Kopfzerbrechens eventuell zum Anlass zu nehmen, neue Hörempfehlungen zu finden, auch wenn man nicht bis ins letzte Detail mit Auswahl und Platzierung der Redaktion übereinstimmt. Schaunmer also mal, was die Eclipsedler da verbrochen haben ;-)

Kommentare

Udos Eclipsed Ambitionen brachten mich auf die Idee, selbst eine solche Liste zu erstellen. Anders als Udo, habe ich nicht prinzipielle Ressentiments gegen Live-Alven. Freilich, die meisten Live-Alben sind lieblos zusammengestückelte Filler in der Diskogr

Ja... "The Night Watch" ist wirklich unfassbar. So vieles stimmte in dieser Band gar nicht mehr... und dann gehen die Juns raus und spielen sich die Seele aus dem Leibe. Unfassbare Musik. Unübertroffen.

sofort mußte ich nachsehen, was Du genannt hattest...
ach gut.
the nightwatch hat mir heute früh schon wieder tränen in die augen getrieben. glücklich, wer einmal in seinem leben so etwas erleben darf, ich würde weiß gott was drum geben.

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.

Weitere aktuelle Beiträge

Audio-Beiträge

Bildergalerien