Wallace & Gromit - The Curse Of The Were-Rabbit
Filme, die heutzutage die althergebrachte Technik der Knete-/Lehm-Animation benutzen, haben ähnlich wie handgezeichnete Trickfilme angesichts der scheinbar übermächtigen Konkurrenz durch digitale Animation von vorneherein einen Sympathiebonus. Nicht immer zurecht, ich sach nur "James und der Riesenpfirsich", der eines von vielen meiner traumatischen Sneak Preview-Erlebnisse verursachte.
Aber Entwarnung: "Wallace & Gromit" lösen den Bonus ein und werden auch den hohen Erwartungen großteils gerecht, die mit jedem Aardman-Produkt verbunden sind.
Ein wenig Trauma gab's im Kino aber dennoch: gut 40 Minuten Werbung nerven. Und waren vor allem deutlich zu viel für die in hoher Zahl vorhandenen kleineren Kinder, die sich mit ihren Familien dank Herbstferien in der normalerweise eher Erwachsenen vorbehaltenen Abendvorstellung eingefunden hatten und immer quengeliger wurden. Gottseidank ging der Kelch des als Werbefilm getarnten, unsäglichen, nicht enden wollenden H&M-Grubenunglücks an uns vorbei und es wurde nur eine Kurzfassung gezeigt, die schon vorbei war, als ich noch nicht ausgestöhnt hatte.
Weiterhin vorweg: Warum zur Hölle "Wallace & Gromit: Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen"? Was spricht gegen die wörtliche Übersetzung des englischen Originaltitels "Der Fluch des Wer-Kaninchens"? Dieser trifft nämlich viel eher den Ton und Inhalt der Geschichte. Schließlich handelt es sich um eine liebevolle Paradie auf klassische Horrorfilme, die verschiedene Motive aus Frankenstein-, Werwolf-, King Kong-, Vampir-Filme aufnimmt, nur dass der verrückte Wissenschaftler hier der zwar geniale, aber sympathische Trottel Wallace und sein Assistent kein buckliger Igor, sondern sein patenter stummer Hund Gromit ist.
Zwei der Stärken der bisherigen Wallace & Gromit Kurzfilme gab es auch hier in voller Fahrt: vor allem im ersten Teil der Geschichte Wallace' bizarre, detailreich umgesetzte Erfindungen und - den ganzen Film über - liebenswerte Nebenfiguren in Form der Kaninchen, die das Erbe der Schafe aus "A close shave" antreten. Dass der Hauptplot vorhersehbar war, tritt angesichts dessen und der beeindruckenden Bilder, bei denen die Regisseure Nick Park und Steve Box alle Möglichkeiten ausnutzen, die die Stopmotion-Technik anbietet (vor allem sehr verspielte Kamerafahren, die im Realfilm nur unter großem Aufwand realisierbar wären und in computeranimierten Produktionen bisher jedenfalls nicht "echt" und dermaßen organisch wirken), in den Hintergrund.
Ein paar störende Kleinigkeiten gab's dennoch. Manche der Gags, vor allem einige direkte Anspielungen an filmhistorische Vorbilder und Klischees, wirkten ein wenig gezwungen, traten zu sehr aus der erzählerischen Ebene des Films mit einem direkten Augenzwinkern in Richtung Publikum heraus. Diese Technik kann zwar auch witzig sein, wirkt aber vergleichsweise billig, sich zu leicht gemacht. Und - Achtung, Spoiler für die, die den Film noch nicht gesehen haben und planen, reinzugehen -: ich hätte die Geschichte anrührender, bewegender und möglicherweise tiefer (Handlungen haben auch einmal nicht revidierbare Konsequenzen; davon ist in Wallace & Gromits Welt eben nichts zu spüren) gefunden, wenn Wallace am Ende tatsächlich gestorben wäre, statt mit einem billigen Trick zum wieder zum Leben erweckt zu werden und ein unvermeidliches Happy End zu ermöglichen. Und schließlich wäre ein Tod kein Hinderungsgrund für eine mögliche, nein sichere Fortsetzung.
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