Voreiliges Unken
In seiner aktuellen Ausgabe unkt der SPIEGEL das kommende Ende von Fernsehen mit Drehbuch, speziell von Erzählserien herbei ("Triumph der Selbstdarsteller", S. 92). Was ich aus mehrerlei Gründen für eine Fehlkalkulation halte.
Ganz abgesehen davon, dass selbst die Geschichten des scheinbar direkt aus dem Leben gegriffenen (obwohl: Glaubt daran überhaupt noch jemand?) Reality-Fernsehens von Redakteuren und Regisseuren so stark manipuliert sind, dass man bei den Akteuren kaum noch von "Selbstdarstellern" sprechen kann: Wer guckt sich Zeug wie "Big Brother", "Let's Dance", "Deutschland sucht den Superstar", sämtliche momentan grassierenden Zoo- und Koch-Sendungen, die Super- und Hunde-Nanny etc. ein zweites Mal an?
Damit ist nämlich jetzt schon und in Zukunft das echte Geld verdient: Mit der kostenpflichtigen Zweitverwertung auf DVD oder meinetwegen als Stream im Internet. Dass man sich gut Geschriebenes auch zweimal, dreimal oder viermal angucken kann und will, liegt daran, dass - um es mit Joss Whedon zu sagen - eine gute Serie dem Zuschauer nicht gib, was er will, sondern das, was er braucht.
Eine Reality-Sendung, die das leistet, habe ich noch nicht gesehen.
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