Vernon Reid's Masque, Bayerischer Hof Night Club, München, 2.2.2006
"This is a nice place... posh."
Da hat er Recht, der Herr Reid. Nicht zuletzt zeigte sich die Vornehmheit an den Getränkepreisen: 5,- Euro für ein 0.3er Pils: net schlecht, Herr Specht. Darüber trösteten auch die allenthalben aufgestellten Becher mit kostenlosen Erdnüssen kaum hinweg. Zugegeben, vom Ambiente ist der Night Club des Bayerischen Hofs sehr angenehm: dunkles Holz. Backsteinoptik, zwei Ebenen, zwei Bars mit akzeptabel bequemen Barhockern. Denn an der Bar - bei den Preisen übrigens kein strategisch günstiger Platz - ließen wir uns nieder, da alle Tische reserviert seien. Waren sie am Ende aber nicht. Der Club war zwar gut gefüllt (ca. 100 Gäste, schätze ich), aber hier und da waren noch ganze Tische leer. Nun, gut, wenn man einmal an der Bar sitzt - nebenbei: neben Bass-Legende Wolfgang Schmid - ist es auch schwer, wieder wegzukommen.
Mit akzeptabler Verspätung begannen Vernon Reid und seine drei Begleiter gegen 21:20 ihren Auftritt. Anfangs etwas zurückhaltend und holprig, gewann ihr spaciger Funk-Fusion-Hard-Jazz zunehmend an Fahrt. Erfrischend lockeres Ensemblespiel mit rumpelnder Rhythmusgruppe, teils futuristischen Blubber- und Fiep-Klängen, teils klassischen Retro-Farben von den Keyboards und dazwischen und darüber Reids virtuos-krachige Gitarre über zwei Sets von jeweils ca. 45 Minuten Dauer. Gelegentlich erinnerte dies in den "härteren" Passagen an Reids bekanntes Projekt, Living Colour, war aber im Großen und Ganzen ein durchaus eigenständiger Stilmix, der durch einige eigenwillige Cover-Versionen (etwa Stücke von Radiohead, Depeche Mode, Thelonious Monk und Tony Williams) aufgelockert wurde. Gut war's. Aber die Nebenkosten eines Konzertbesuchs in diesem Rahmen zusätzlich zu 25,- Euro Eintrittspreis sind nicht mehr vernachlässigbar - wenn man sich nicht den ganzen Abend an einer Cola festhalten will. Deshalb wird wohl Larry Coryell nächste Woche auf meine Anwesenheit verzichten müssen.
Aber wer weiß, ob man dann überhaupt bis zum Club vordringen kann: schon gestern nacht begann die Polizei die Absperrungsmaßnahmen anläßlich der aktuellen Münchner Konferenz für Sicherheitspolitik im Bayerischen Hof oder dem "Gefängnis DeLuxe", wie der freundliche Barmann es nannte. (Heißt es jetzt eigentlich korrekterweise "Münchner" oder "Münchener"? Der Publikumsjoker unter den Online-Recherchen, der Googlefight - hier nur über deutschsprachige Websites - ist mit 2.740.000 vs. 2.350.000 nicht sehr aussagekräftig.)
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