Vampire Circus
Klassenkonflikte sind ein typisches Betätigungsfeld für Horrorfilme, die dort auf verklausulierte Art und Weise behandelt werden - dies reicht von Klassikern wie "The Vampire Bat" hin zum letztjährigen Land of the Dead oder meinetwegen auch zu "Hostel", in dem Schwerreiche ihre brutalen Gewalt-Phantasien in Osteuropa an geköderten Rucksack-Touristen ausleben. Auch der Hammer-Klassiker "Vampire Circus" spielt mit einer ähnlichen Idee, wobei allerdings hier eher ein Konflikt zwischen den bürgerlichen und bäuerlichen Einwohner eines kleinen osteuropäischen Städtchen und der von diesen als bedrohlich empfundenen Bohème thematisiert wird.
Zwar ist zuerst der örtliche Graf der Bösewicht: Dieser saugt - ganz Adeliger - die Kinder der Dorfbevölkerung aus und verführt deren Frauen. Als sich das Volk schließlich Herz und Brandscheite fasst, belegt er den Ort mit einem Fluch, der zu einer Seuche und der Isolierung der Gemeinde durch die umliegenden Ortschaften führt. Trotzdem findet eines Tages ein fahrender Zirkus den Weg nach "Schtettel" (das in der deutschen Synchro zu "Schettel" und nach England verlegt wird - unwahrscheinlich, wenn im englischen Original obendrein immer vom "Burgermeister" die Rede ist). Aber anstatt dringend gebrauchte Ablenkung von den Leiden des Alltags zu bringen, entpuppten sich die Schausteller und Akrobaten als Gestaltwandler und Untote, die die Wiederauferstehung des Grafen im Schilde führen.
Vorher gibt es freilich einige bizarre Zirkus-Szenen, in denen die Künstler sich im Flug in Vögel verwandeln (die Frage, was bei solchen Verwandlungen mit der Kleidung passiert, stellt sich übrigens großteils nicht - so waren's, die frühen Siebziger), der mitgeführte Panther in einen dunkelhaarigen Schönling mit stechendem Blick und zurück, das ganze garniert durch einen maulfaulen Kraftmeier und einen kleinwüchsigen Clown, und angeführt durch eine geheimnisvolle Zigeunerschönheit.
Diese surrealen, seltsamen, eindrucksvoll-stimmungsvollen Szenen machen den Großteil des Charmes von "Vampire Circus" aus. Leider wird dies verdrehte, traumartige Stimmung nicht im Rest des Films beibehalten, der dadurch im Kontrast eher brav und wie konventioneller, traditionell - d.h. für auf jeden Fall für heutige Augen - weniger fürchtenswerter Hammer-Horror wirkt. Mit noch mehr Mut zu Seltsamheit hätte man aus dem Material noch mehr rausholen können; so bleibt es bei einem teilweise sehr stimmungsvollen und daher immer noch sehenswerten späten Hammer-Film.
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