22.01.2006

Untote und mehr, Teil 3

Noch ein paar short cuts:

Untote

Bride of Re-Animator

Bei dieser Fortsetzung des Klassikers Re-Animator übernahm der damalige Produzent Brian Yuzna die Regie, und auch die Hauptdarsteller Jeffrey Combs, Bruce Abbott und David Gale sind wieder dabei (dass deren Figuren in vorhergehenden Teil verstorben sind, darf bei einem Film mit "Re-Animator" im Titel dafür natürlich kein Hinderungsgrund sein). Die generelle Stimmung ist die gleiche wie beim Vorgänger, nur dass dieses Mal nicht die Wiederbelebung Toter im Vordergrund steht, sondern nur als Technik den Weg weist, um ein nach Franksteinmanier aus Leichenteilen zusammengebasteltes Frauenwesen zu erschaffen.

Aber ähnlich wie "Re-Animator" dauert es mir auch hier zu lange, bis in der mehr als bizarren, surrealen Schluss-Szene - wenn sich Wests monströse Geschöpfe gegen ihn wenden - der eher zähe Mittelteil mit eindrucksvollen Bildern überwunden wird.

Dellamorte Dellamore

Ich hätte es vor einiger selbst noch nicht geglaubt, aber dieser Zombie-Film gehört zu den am schönsten photographierten Filmen, die ich überhaupt kenne. Eine fantastische, poetische Einstellung jagt in Dellamorte Dellamore vom Argento-Schüler Michele Soavi die nächste. Die wirre Geschichte, die eher eine mit viel schwarzem Humor versehene Meditation über Leben, Tod und Liebe ist, tritt dabei in den Hintergrund. Das ist wohl der Zombie-Film, den man cinemaphil veranlagten Freunden zeigen sollte, die sonst naserümpfend auf's Genre herabschauen. Auch David-Lynch-Fans sollten mal ein Auge oder zwei wagen, wenn ihnen "Lost Highway" nicht zu wirr war. Starke Empfehlung.

Shadow of the Vampire

Schon immer gab es rund um Murnaus Nosferatu Gerüchte um Hauptdarsteller Max Schreck, der er-schreck-end realistisch den Grafen Orlok gibt. "Shadow of the Vampire" nimmt diese zum Ausgangspunkt: Regisseur Murnau verpflichtet in seinem Wahn, den perfekten Vampirefilm zu schaffen, einen echten Vampir und verspricht ihm als Lohn das Blut der Hauptdarstellerin. Natürlich gerät Schreck ausser Kontrolle und beginnt die Filmcrew zu dezimieren, was Murnau in seinem Perfektionswahn und Opiumrausch aber nicht davon abhält, bis zum bitteren Ende zu drehen.

Diese Idee gäbe jedenfalls einen tollen Film her, und "Shadow of the Vampire" hat auch einige hervorragende Kritiken bekommen. Ich finde ihn dennoch halbgar: die zweifellos vorhandene Situations- und Sprach-Komik ist zum einen zu zurückhaltend, die Horror-Elemente aber ebenso. Interessant, aber nicht so gut, wie er sein könnte.

Dawn of the Dead (2004)

Ein Remake kann man "Dawn of the Dead" kaum nennen: Bis auf die Tatsache, dass beide Filme zu großen Teilen in einem Einkaufszentrum spielen, gibt es kaum Gemeinsamkeiten, sogar die Zombies (bei Romero traditionellerweise langsame Wanker) können plötzlich rennen. Der neue "Dawn of the Dead" ist eher ein vergleichsweise blutiger Actionfilm mit ein paar humorigen Schlenkern als sowohl Horror als auch Sozialsatire. Aber sympathische Figuren, gute Bilder und ein paar nette Ideen sorgen für einen unterhaltsamen Film. Auf der Director's Cut-DVD findet sich übrigens einiges an durchaus interessantem Bonus-Material: nicht nur die üblichen Featurettes oder Making-Ofs, sondern zusätzliches (gespieltes) Material, das die Geschehnisse im Film aus anderen Perspektiven beleuchtet.

Martial Arts


Snake in the monkey's shadow

Snake in the monkey's shadow, ein vergleichsweise traditioneller Kung-Fu-Film, ist vor allem insofern interessant, dass die Protagonisten der zahlreichen Kämpfe fast immer in ihren angestammten Stilen verbleiben, die sich dadurch gut unterscheidbar studieren lassen: Snake style, Monkey style, Drunken style. Und die Moral von der Geschicht': erst als der John Cheung, der Held des Stücks, das beste von Drunke- und Monkey-Stil kombiniert, gelingt es ihm, die Snake-Style-Fieslinge endgültig zu besiegen: Isolationismus tut nicht gut.

8 Diagram Pole Fighter

Ich hätte geschworen, dass "Eight Diagram Pole Fighter" von Mitte der Siebziger Jahre stammen müsse: der ganze Look mit opulenten, aber dennoch künstlich wirkenden Kulissen, stark gesättigten Farben, umtriebigen Massenkampfszenen deutete darauf hin. Naja, so weit ist 1983 von den 70ern nicht weg. Kampfkunsttechnisch geht es hier, wie der Titel schon klar macht, fast ausschließlich um spektakuläre Kämpfe mit Stangen und Lanzen, und wie bei so vielen Kung-Fu-Filmen steigert sich das Actiongeschehen nach einem Knall am Anfang zum Ende hin immer mehr, bis so richtig die Post abgeht, auch wenn die Geschichte als solche - wenig unerwartet - nicht unbedingt immer lochfrei vorangeht.

Fist of Legend

Ähnlich wie oben beschrieben Dawn of the Dead kein echtes Remake ist, so ist Fist of Legend kein Remake von Bruce Lees Fist of Fury, erzählt aber eine Variation der gleichen Geschichte. Allerdings sind hier die anti-japanischen Untertöne stark zurückgeschraubt. Stattdessen werden auch (manche) Japaner als Ehrenmänner dargestellt und Rassismus sowohl auf japanischer als auch chinesischer Seite beschrieben. Ob "Fist of Fury" wirklich - wie oft behauptet - Jet Lis bester Film ist, kann ich nicht beurteilen. Die Lis Kämpfe hier bieten jedenfalls eine ansprechende Mischung aus Bruce Lees explosiver Geschwindigkeit und zielorientierter Gradlinigkeit mit eher akrobatischen Elementen.

Banlieu 13

"Banlieu 13" von Luc Besson produzierten französischen Film von 2004 habe ich des öfteren als Martial-Arts-Film beschrieben gesehen. Tatsächlich gibt es einige Kung-Fu-Einlagen, aber alles in allem handelt es sich eher um einen leicht futuristischen Actionfilm, da die Kampfkunst nur eine vergleichsweise geringe Rolle spielt. Tatsächlich beeindruckend und auch zahlreicher sind allerdings die "Parkour"-Passagen ("Parkour"-Miterfinder David Belle spielt eine der Hauptrollen in "Banlieu 13"): "Parkour" ist ein recht junger, in Frankreich erfundener Extremsport, bei dem es darum geht, in der Stadtlandschaft einfach so schnell und elegant wie möglich von A nach B zu kommen.

Klingt einfach und albern, kann aber im Video-Ergebnis atemberaubend sein, insbesondere wenn das ganze so überstilisiert in Videoclip-Optik wie hier inszeniert ist.

Die Grundlage von "Banlieu 13" wirkt übrigens angesichts der vor kurzem erst vergangenen tatsächlichen Unruhen in Frankreich beinah zu nahe am Leben: im Jahr 2010 hat die französische Regierung gewisse, nicht mehr kontrollierbare Bezirke (unter anderem den Distrik 13, eben "Banlieu 13" einfach mit hohen Mauern umschlossen und sich selbst überlassen.

Horror?

Cabin Fever

Cabin Fever interessierte mich vor allem als das Debüt von Regisseur Eli Roth, dessen neuer Film Hostel momentan in Amerika gute Kritiken bekommt und auch an der Filmkasse reüssiert. Auch "Cabin Fever" ist eine Art Teenie-Horror-Film, eine Mischung als Slasher- und Virus-Horror, aber mit komödiantischen Elementen. Leider gelingt diese Verquickung verschiedener Genres nur zum Teil: zu unmotiviert erscheinen manche Aktionen der Figuren, und man merkt, dass einige der Gags nur deshalb im Drehbuch sind, weil sie Gags sind (ein Beispiel: die eigentlich nette Idee mit dem Gewehr für die "Nigger"), aber nicht, weil sie für die Geschichte wichtig sind. So wirkt "Cabin Fever" trotz guter Ideen sowie einiger schöner Regiemomente eher zusammengestöpselt und nicht so konsequent, wie er als Film sein könnte.

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