Untote und mehr, Teil 2
Alla, der angedrohte zweite Teil des DVD-Gemurmels. In medias res:
...und mehr
Klassiker
Citizen Cane
Regelmäßig toppt "Citizen Cane" Kritikerlisten, aber zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich ihn erst vor kurzem zum ersten Mal gesehen habe.
Für eine wirkliche filmhistorische Einordnung oder Ähnliches bin ich überfordert, glaube aber nachvollziehen zu können, warum Orson Welles 1941er Werk angesehen ist: auch für den Laien ist die expressive, abwechslungsreiche Schwarzweiss-Bildsprache, die immer noch ungewöhnliche episodische Rückblendenstruktur, das schließlich so banale zentrale Geheimnis rund um Rosebud, die immer noch (oder gerade heute) aktuelle Beleuchtung der Folgen konzentrierter Medienmacht, Welles' schauspielerische Leistung bei der Darstellung einer Figur über einen Zeitraum von fast 60 Jahren, technische Kniffe wie nie die Gesichter der Reporter zu zeigen, die das Charles-Foster-Kane-Puzzle zusammensetzen, und vieles mehr.
SciFi, Fantasy, Horror
The Texas Chain Saw Massacre
Der Titel klingt natürlich grausam, aber das Texas Chain Saw Massacre läuft (auf der Leinwand) gar nicht so blutig ab, wie man erwarten sollte. Stattdessen gibt es einen spannenden Früh-Slasherfilm, in dem eine Gruppe ahnungsloser Jugendlicher nach klassischem Schema - das hier eben mitbegründet wurde - von einer sehr seltsamen Killerfamilie der Reihe nach gemetzelt wird. Überzeugend ist dabei vor allem der grobkörnige, pseudodokumentarische Charme, der durch die Behauptung, dass es sich um die Wiedergabe wahrer Ereignisse handle, bestärkt wird. Hier gibt es jedenfalls mehr Horror als Gore.
Alien (Director's Cut)
Zu "Alien" muss man nicht viel sagen. Zusammen mit "Blade Runner" revolutionierte Ridley Scott damit das Aussehen des Science-Fiction-Films, auch wenn andere Filme wie Planet der Vampire inhaltlich schon früher schon ähnliches Terrain beackerten: Schweiss, Staub und Schmieröl statt strahlend-antiseptischer Utopie und versank später leider im Pathos (siehe etwa den Totalschaden "White Squall"). Aber "Alien" fasziniert heute noch mit seiner stimmungsvollen Langsamkeit, auch wenn ich persönlich den actionlastigeren Nachfolger "Aliens" sogar spannender finde.
Der Herr der Ringe - Die Gefährten
Schwierig, schwierig. Schon damals im Kino war ich mit Peter Jacksons Herr-der-Ringe-Verfilmung nicht sonderlich glücklich, und diese Bedenken sind auch bei der DVD-Sitzung nicht verschwunden. Dabei geht es weniger um die größeren inhaltlichen Anpassungen, die zumindest teilweise durch die Umsetzung in ein komplett anderes Medium gerechtfertigt sind, sondern um die m.E. teilweise katastrophal falsch gezeichneten Charaktere. Gandalf etwa mutiert im Film zu einem zögerlichen Nichtskönner, der bei jeder sich bietenden Gelegenheit Entscheidungen auf andere abschiebt. Ebenfalls komplett daneben sind die Zeichnungen der Elbenfürsten: Elrond als fieser Arroganzling, Galadriel als komplett zugedröhnte Schlafwandlerin - keine Spur von Weisheit und Anmut. Die albtraumhafte Atmosphäre im Herzen Lothlóriens ist ebenfalls unverständlich.
Eine bezeichnende Illustration der Tatsache, dass der Ton Tolkiens in der Verfilmung nur sehr bedingt und teilweise umgesetzt wurde, ist etwa das alberne Zauberduell, zu dem sich der Buch-Gandalf und -Saruman nie herabgelassen hätten. Ein anderes Beispiel ergibt der Vergleich von Aragorns Worten, als er, Gimli und Legolas sich auf die Verfolgung der Orks machen:
Film: "Let's go hunt some orc"
Buch: "With hope or without hope we will follow the trail of our enemies. And woe to them if we prove the swifter! We will make such a shase as shall be accounted a marvel among the Three Kindreds: Elves, Dwarves, and Men. Forth the Three Hunters!"
Ich will nicht behaupten, dass Tolkien'sche Geschwurbel sei notwendigerweise hochwertiger als der Hollywood-Jargon im Film, aber solches Pathos ist nunmal grosse Teile des Romans der angeschlagene Ton und damit stimmungsbestimmend. Wenn schon notwendigerweise die eigentliche Geschichte nicht eins zu eins umgesetzt werden kann oder soll, dann doch wenigstens das grundlegende Gefühl. So aber nicht.
Equilibrium
Dieser Science-Fiction-Film scheint an der Kinokasse ziemlich untergegangen zu sein. Die Grundidee von "Equilibrium" ist eine Kreuzung aus den Dystopien "1984" und Fahrenheit 451". Der "Große Bruder" heißt hier "Vater", und es werden nicht nur Bücher, sondern Kunstwerke aller Art vernichtet. Denn Emotionen und alles, was sie schürt, sind als die Quelle menschlichen Übels verpönt, und zu ihrer Unterdrückung muss jeder regelmäßig das Medikament "Prozium II" einnehmen. Dieser Doktrin zuwiderhandelnde werden von den sogenannten "Clerics" verfolgt, die ganz in der "Matrix"-Nachfolge (an deren Ästhetik sich "Equilibrium" stark orientiert) in schwarze Mäntel gewandet sind und in den Actionszenen für die "Gun Fu"-Einlagen sorgen, die sich mit meditativ-philosphischen Passagen abwechseln.
Ein Problem wirft die Grundidee aber auf: Warum sollten eigentlich die Regierungsangestellten ihrer Arbeit nachgehen, wenn Leidenschaft unterdrückt wird?
Hellboy
"Hellboy" ist eine nette, actionreiche, humorige Comic-Verfilmung mit einem sympathischen Hauptcharakter (dargestellt von Ron Perlman): der ewig pubertierenden, transdimensionälen Höllengeburt, die von den US-Soldaten auf den Namen "Hellboy" getauft wurde, als sie ihn im zweiten Weltkrieg bei der Vereitelung eines esoterischen Nazi-Plans auffanden und in den Schoß der Zivilisation aufnahmen. Die Bösewichte von damals - u.a. Rasputin - sind aber keineswegs endgültig besiegt, und Hellboy muss sich ihnen und ihren Schergen entgegenstellen, was Gelegenheit für viel gut gefilmte Action und coole Sprüche gibt.
Martial Arts
Fist of Fury
"Fist of Fury" ist ein klassischer, purer Kung-Fu-Film: er ist im Kampfkunst-Milieu angesiedelt und bietet eine Variation der "bester Schüler rächt von rivalisierender Schule getötenden Meister"-Geschichte, nur dass hier diese Idee relativ unverhüllt eine Umsetzung chinesischer anti-japanischer Ressentiments ist (die "Bösen" stammen aus einer japanischen Karateschule, die ihrerseits die Chinesen in Shanghai als als eine Art Untermenschen ansehen), was "Fist of Fury" eine eher unschöne politische Dimension gibt. Bruce Lees Kampfkunst ist trotzdem auch hier bewundernswert: im Gegensatz zu den ballettartigen, aufwändig choreographierten Kämpfen wie etwa in "Drunken Master 2" (siehe unten) gibt es hier Bruce Lees ungemein schnellen, auf Effizienz und tatsächliche Kampfkraft bedachten Stil zu sehen.
Drunken Master 2
Jackie Chans Meisterwerk, so ist zu "Drunken Master 2" oft zu lesen. In der Tat: die abschliessende Action- und Kampf-Sequenz in einer Fabrik beeindruckt durch eine seltene Kombination von Rasanz, und ausgefeilt-wahnwitziger Choreographie mit Intensität und Brutalität. Hier spürt man als Zuschauer gleichzeitig die Schmerzen der Protagonisten, während man mit offenem Mund die Bewegungsabläufe verfolgt. Oft findet man in Martial-Arts-Filmen eben nur das eine oder das andere, aber selten eine so gut gelungene Kombination beider Elemente.
Kebab Connection
OK, "Kebab Connection" kein Kampfkunst-Film als solcher, sondern eine gelungene, witzige Multikulti-Komödie um einen Deutschtürken, der Schwierigkeiten mit seiner Familie bekommt, als seine deutsche Freundin schwanger wird und außerdem - jetzt aber - davon träumt, den ersten deutschen Martial Arts-Film zu drehen, was er in Werbespots für den Dönerladen seines Onkels auslebt. Diese Idee wurde übrigens von der Wirklichkeit überholt: mit "Kampfansage - Der letzte Schüler" gibt es inzwischen den wohl ersten abendfüllenden Martial-Arts-Spielfilm aus deutschen Lande, den ich beim letztjährigen Fantasy Filmfest leider verpasst habe, der aber im Frühjahr auf DVD erscheinen wird.
Weitere aktuelle Beiträge
- 08.02.2009 - 13:36
- 04.02.2009 - 10:11
- 20.01.2009 - 16:49
- 14.01.2009 - 14:21
- 11.01.2009 - 16:42
Audio-Beiträge
- 24.11.2008
- 24.10.2008
- 23.07.2008
- 01.06.2008
- 08.04.2008
Bildergalerien
- 11.01.2009
- 12.11.2008
- 16.10.2008
- 30.09.2008
- 15.09.2008
Kommentare
Interessanter Beitrag! Ich sollte mal mehr Filme anschauen. Hellboy, Equilibrium und Kebap Connection stehen auf der Liste. Gun-Fu netter Begriff.
Kommentar hinzufügen