Untote und mehr, Teil 1
In letzter Zeit habe ich mir eine Menge Filme angeschaut, die es aus dem ein oder anderen Grund nicht zu einem eigenen Eintrag hier gebracht haben - und schließlich soll progblog.de nicht vollends zu dvdblog.de mutieren. Zum ein oder anderen Streifen kann und will ich aber dennoch ein paar Bemerkungen absondern, die ich nun gebündelt (wenn auch in zwei Teilen) nachreiche.
Untote...
Ein großer Teil der von mir in letzter Zeit genossenen Filme haben sich in der ein oder anderen Form mit Untoten beschäftigt - wie man auch schon an den Detaileinträgen in letzter Zeit ablesen konnte. Mit Zombie- und Vampir-Mythologien kann man eben hübsch spielen und, wie an anderer Stelle schon angemerkt, viele Genre-Filme haben einen mehr oder weniger deutlichen Subtext, der über reinen Sensationalismus hinausreicht, wenn man nur nicht nur mit offenen Augen, sondern auch mit (holpernde Metapher für Anspielung an Splatter-Klischee in Kauf genommen) "offenem Hirn" hinschaut.
Dracula (1958)
Der Hammer-Movies-Klassiker mit den jeweils eindrucksvollen Hauptdarstellern Christopher Lee und Peter Cushing in karriere-definierenden Rollen. Wenn man ehrlich ist, hat diese vom Plot her gegenüber der Romanvorlage ziemlich vereinfachte Version außer ihrem historischen Status neben ein paar schönen Bildern und eben den routiniert-charismatischen Schauspielern nicht soooo viel zu bieten. Die Nachgeburt Legend of the 7 Golden Vampires macht wegen des wesentlich höheren Camp-Faktors jedenfalls mehr Spaß.
Tanz der Vampire
Polanskis Vampirfilm-Parodie ist nicht nur als solche auf eben jene Filme wie den 58er Dracula gemünzt, sondern auch eine liebevolle Hommage an die Stummfilmzeit. Nicht nur, dass Polanskis Graf Krolock wohl wegen Nosferatus Graf Orlok so heißen dürfte: "Tanz der Vampire" ist selbst fast ein Stummfilm, der lange Teile ohne jeden Dialog auskommt, sondern mit zurückhaltendem Slapstick und mehr als feinen, sehr detailreichen Kulissen und stimmungsvollen Bildern punktet.
Und wenn doch einmal geredet wird, kommt das Synchronisations-Problem wieder einmal voll zum Tragen. Nicht nur, dass die pittoreskten Akzente fast aller Hauptdarsteller in der deutschen Version verschwunden sind, sondern auch mindestens ein Gag geht verloren: als der jüdische Wirtsmann als Vampir seine Serviererin anknabbern möchte, versucht diese, ihn mit dem Kruzifix abzuwehren, wozu er im Original - aus dem Gedächtnis übersetzt - nur trocken meint: "Dafür hast Du den falschen Vampir erwischt". Gemeint dürfte sein: bei jüdischen Vampiren funktioniert das Kruzifix nicht. Im Deutschen wird daraus: "Das klappt doch nur bei den alten Vampiren". Ob dies allerdings an einer schlechten Übersetzung liegt oder man sich 1967 einfach nicht traute, in der deutschen Version einen Witz mit Bezug auf's Judentum zu lassen, ist eine andere Frage.
George A. Romeros Night of the Living Dead, Dawn of the Dead, Day of the Dead
Romeros ursprüngliche Zombie-Trilogie, die vor kurzem mit Land of the Dead fortgesetzt wurde, legte vor allem mit ihrem Beginn "Night of the Living Dead" die Regeln für moderne Zombie-Filme fest: Zombies nicht nur als via Voodoo wiederbelebte Sklaven der Lebenden, sondern als schauerlich-verrottende, agressive Unwesen, denen nach lebendigem Fleisch gelüstet, die durch ihren Biss Lebende infizieren und nur durch Zerstören ihres Hirns endgültig umgebracht werden können.
Romeros Filme sind exzellente Beispiele dafür, dass ein Zombiefilm nicht nur ein mehr oder weniger hirnloses (SCNR) Gemetzel sein muss. Jeder der drei Filme hat sozialkritische Untertöne. Es dürfte etwa kein Zufall sein, dass Ben - der letzte Überlebende der Flüchtlinge in dem Haus, in dem "Night of the Living Dead" zum größten Teil spielt, und die einzige Hauptfigur mit Entschlossenheit und Common-Sense - ein Farbiger ist, der schließlich von einem Haufen weißer Rednecks umgebracht wird. Natürlich Romero war subtiler, als einen Lynchmord zu inszenieren: im Film wird Ben irrtümlich von der Miliz erschossen, da man sich nicht die Mühe machte, wirklich zu überprüfen, ob der Schatten hinter dem Fenster tatsächlich ein Zombie ist.
Ebenso ist Dawn of the Dead eigentlich kein Horrorfilm: hier flüchten sich die Hauptfiguren in ein riesiges Einkaufszentrum amerikanischer Machart, das allerdings auch die Zombies der Umgebung aus alter Gewohnheit anzieht, und bauen sich dort eine Art neuer Heimat auf. Allerdings weicht der anfänglich beinahe kindliche Übermut angesichts des scheinbaren Schlaraffenlands bald Routine, Langeweile - und damit dem Desaster.
Day of the Dead schließlich beleuchtet den militärisch-wissenschaftlichen Bereich, inklusive eines Forschers, der an Zombies bizarre Experimente vollführt, um sie nach Möglichkeit zu domestizieren. Diese ansich hübsche Idee sowie der gegen Ende hochgeschraubte Gore-Faktor wird allerdings durch die hölzernen Schauspieler, die verhindern, das man Sympathie gegenüber den Hauptfiguren entwickelt, und den üblen 80er-Jahre-Elektro-Soundtrack in der Durchführung behindert. Immerhin gibt es hier mit dem Star-Zombie "Bub" den Vorläufer der lernfähigen Zombies in "Land of the Dead", was diesen halbwegs nahtlos an "Day of the Dead" anschließen lässt.
Lucio Fulci: Ein Zombie hing am Glockenseil (a.k.a. Gates of Hell, City of the Living Dead), Woodoo - Schreckensinsel der Zombies (a.k.a. Zombie Flesh Eaters, Zombi[e] 2)
Bei den ebenfalls inzwischen klassischen Zombie-Filmen von Lucio Fulci fällt es schon schwerer, einen Subtext zu entdecken. Dafür punkten diese - neben dem ebenfalls eher etwas höheren, aber immer noch erträglichen Ekelfaktor - stärker mit surreal-phantastischen Bildern.
Dies gilt vor allem - trotz des albernen deutschen Titels - für "Ein Zombie hing am Glockenseil", siehe etwa die Passage, die unter einem Friedhof spielt, und bei der die Toten sich windend von der Decke zu hängen scheinen. oder mit eindringlichen Horror-Momenten: Fulci zeigt immer wieder das Geschehen aus der Perspektive eines Zombies, filmt durch "Hindernesse" wie Gestrüpp, Fenster, Gatter und Gitter, und ständig windet's sichtbar via durch's Bild peitschenden Nebel oder Sand. Hier gilt eher Albtraum-Logik: das, was die Hauptfiguren tun, wäre unter anderen Umständen vielleicht das Normalste - nur eben nicht, wenn man von fleischessenden Untoten verfolgt wird.
"Woodoo" ist nicht so atmosphärisch wie "City of the Living Dead", hat aber mit dem Unterwasserkampf zwischen einem Zombie und einem (offensichtlich echten!) Hai eine der - von den mir bekannten - coolsten und "eier-haftigsten" auf Film gebannten Szenen überhaupt zu bieten.
Die Blade-Trilogie (Blade, Blade II, Blade: Trinity)
Diese Filmreihe ist eigentlich eine Enttäuschung, die fast nie das Versprechen einlöst, das die Prämisse einer übercoolen Halb-Vampire-Halb-Mensch- Hauptfigur hergibt. Halbgare Martial-Arts, halbgarer Horror, halbgarer Humor, halbgarer Gegner. Insbesondere "Blade: Trinity", der einige nette Sidekicks und einfallsreiche technische Gimmicks einführt, wie sie Teil 1 und 2 hätten gebrauchen können, leidet dann unter einem löchrigen Plot und vor allem einer üblen Dracula-Variante (ein steifnackiger Wrestling-Typ, der die für Dracula eigentlich so unverzichtbare sexuelle Energie nicht einmal in Spurenelementen ausstrahlt). Vielleicht macht es die momentan in der Entwicklung befindliche "Blade"-Fernsehserie besser; Potential genug - auch für längere und damit vielleicht besser ausgearbeitete Handlungsbögen - wäre da.
Underworld
"Romeo und Julia" mit Vampiren und Werwölfen statt Mantagues und Capulets: das muss klasse werden. Leider nicht so sehr. Neben einer sehr ansehnlichen Hauptdarstellerin (Kate Beckinsale), einer guten Grundidee und stilvollen Bildern in der Matrix-Nachfolge hat "Underworld" leider Längen und vor allem einen großen Mangel: die Vampire werden im Film kaum als solche eingesetzt, sondern ballern zwar action-, aber nur wenig einfallsreich im Dunkeln mit automatischen Waffen durch die Gegend - und sehen dabei zugegebenermaßen cool aus. Immerhin reicht das für einen ordentlichen Action-Film - und dafür, dass ich mir die Fortsetzung "Underworld: Evolution", die demnächst in die Kinos kommen wird, auch anschauen werde.
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