Unleashed - Entfesselt
Hierzulande gibt es immer wieder eine Diskussion über die deutschen Titel ausländischer Filme. Mal geht es um die anscheinend albernen oder unsinnigen Übersetzungen, mal darum, warum ein Titel überhaupt nicht übersetzt wird. "Unleashed - Entfesselt" ist in dieser Hinsicht ein guter Kompromiss: den englischen Originaltitel und einen deutschen Titel nebeneinander zu setzen, wirkt zwar seltsam, aber die Mehrfachbedeutungen von "Unleashed" im Deutschen wiederzugeben, ist schwierig bis unmöglich. "Leash" ist die Hundeleine (ursprünglich sollte der Film sowieso "Danny the dog" heißen), und "unleashed" bedeutet damit nicht nur "entfesselt" wie "losbrechen gelassen" und "von der Leine gelassen", sondern auch "von der Leine befreit", was beides im Film thematisiert wird.
Der Film ist zwar eine Hollywood-Produktion, aber nach einem Drehbuch von Luc Besson, unter der Regie des des Franzosen Louis Leterrier mit einem chinesischen Hauptdarsteller (Jet Li) und spielt in Glasgow. Daher ist die düstere Optik dreckiger und schattiger, als man es von einem US-Film normalweiser erwarten würde, was auch durch die Musik von "Massive Attack" mit ihren vorwiegend elektronischen, melancholischen Klanglandschaften kongenial unterstützt wird.
Danny (Jet Li) ist eine vom Kredithai Bart (Bob Hoskins) seit Kindheitstagen wie ein Hund abgerichtete Kampfmaschine, deren Signal zum Losschlagen das Lösen seines Halsbands ist, die er zum Eintreiben von Schulden einsetzt ("You don't pay: the collar comes off"). Eines Tages rächt sich ein von Bart blamierter Kunde brutal, Bart fällt ins Koma, Danny flieht und kommt beim blinden Klavierstimmer Sam (Morgan Freeman) und dessen leicht skurriler Stieftocher Victoria unter, die ihn mit Hilfe von Musik, Normalität und Zuwendung seiner eigenen Menschlichkeit bewusst machen. Bart hat Danny, nachdem er aus dem Koma erwacht, natürlich nicht als Einnahmequelle aufgegeben, und natürlich will es der filmische Zufall, dass Bart ihn findet und wieder einspannt und Danny sich ein letztes Mal aus Barts Fängen befreien muss.
Diese Geschichte bedingt eine deutliche Dreiteilung des Films. Erster und dritter Abschnitt bieten entsprechend das, weshalb Jet Li bekannt wurde: Kampfkunst, die zwar von Jet Li akrobatisch und technisch eindrucksvoll bestritten werden, aber erstaunlich realistisch und brutal inszeniert wurden, ohne Rückgriffe auf Computertricks und allzu deutliche technische Hilfsmittel: Das ist kein stilisiertes Ballett, sondern tut weh. Hier macht sich vielleicht der Einfluss von Ong-Bak bemerkbar.
Der Mittelteil beschäftigt sich mit Dannys Aufenthalt bei Sam und Victoria, die ihn mit Hilfe des Alltäglichen von Musik aus seiner geistigen Isolation holen. Dieser Teil ist wohl der schauspielerisch und inszenatorisch anspruchsvolleste der drei, weil diese durchaus für Danny drastische Entwicklung glaubwürdig und nachvollziehbar gemacht werden muss. Und eben dies ging mir vielleicht ein bisschen zu leicht: Dannys Rückkehr zum Menschsein wird zwar motiviert, geht aber schmerzloser und glatter von statten, als ich es mir vorstellen würde, auch wenn er am Ende die letzte Kurve erst durch tatkräftige Intervention seiner neuen Familie bekommt. Dieses Unbehagen wird verdeutlicht an einer Szene, die etwas plump und hilflos wirkte: ein kurzes abendliches Gespräch zwischen Sam und Victoria, das nur den Zweck zu erfüllen schien, die Absichten des Regisseurs klar auszusprechen, aber vom sonstigen Verhalten der Charaktere her nicht motiviert wirkte.
Trotz dieser kleinen Mäkel: von Look, Stimmung und Musik her ist "Danny The Dog" eine schöne Abwechslung zu den meisten Hollywood-Produktionen und mit seiner Verbindung von spektakulären, aber nicht aufdringlichen oder aufgesetzten Martial Arts und Charakter-Drama durchaus lohnenswert und obendrein unterhaltsam. Schauspielerisch überzeugt vor allem Bob Hoskins als Überekel Bart, der trotz aller Fiesheit und scheinbaren Überzogenheit seine Figur nicht in eine Karikatur abrutschen lässt, weshalb Dannys Situation umso beklemmender wirkt.
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Kommentare
Bäh, jetzt kann ich den Fehler gar nicht mehr unauffällig korrigieren... Na gut, dann bleibt er stehen. :-)
Plural von Makel ist auch Makel, nicht Mäkel, aber hübsche und lautmalerische Schöpfung;-)
Ich fand auch bob hoskins besodners herausragend darstellierisch... gut dass du´s erwähnst, wollte ich nämlich auch schon sagen. der
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