Ultraviolet
Regisseur Kurt Wimmer hatte mit "Equilibrium" ein beachtliches, wenn auch nicht makelloses Debüt zwischen "Matrix" und "Fahrenheit 451" vorgelegt, das bewies, dass man auch mit einem vergleichsweise kleinen Budget einen ansprechenden modernen Science-Fiction-Film schaffen kann. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen an das Nachfolgewerk "Ultraviolet" - und wurden fast allen Rezensionen zufolge, die ich gelesen habe, schwer enttäuscht. In der Tat, "Ultraviolet" ist ein Film, den man im Prinzip nur auf einer einzigen Ebene - der visuellen - genießen kann; darauf muss man sich einlassen können.
Visuell ist "Ultraviolet" ein unglaubliches Fest: Durchstilisiert bis zum Anschlag, mit jeder Menge unwirklicher Einstellungen und kanlligen Farben, abgedrehten, komplett überzogenen Action-Sequenzen, quasi ein futuristisches Computerspiel, das mit Kinobudget produziert wurde.
Womit man auch gleichzeitig beim Kern des Problem angelangt wäre: "Ultraviolet" ist auch etwa so aufregend, wie jemand anderem bei Spielen eines Computer- oder Konsolen-Spiels zuzusehen. Nämlich kaum.
Nicht nur, dass hier mit der Hauptdarstellerin Milla Jovovich ein weiterer Eintrag ins ungebrochen populäre Beautiful-chick-kicks-ass-Genre geboten wird, auch inhaltlich hält sich der Film zwischen den Koordinaten auf, die in letzter Zeit durch ähnlich gelagerten "Underworld" (dort mit Kate Beckinsale) und "Æon Flux" (dort mit Charlize Theron) ausgelotet wurden:
In naher Zukunft taucht eine Seuche auf, die die Erkrankten mit übermenschlichen Fähigkeiten ausstattet, was Körperkraft, Schnelligkeit der Reflexe, Regenerationsfähigkeit etc. angeht. Gleichzeitig wachsen ihnen ungewöhnlich lange Eckzähne und sie brauchen regelmäßige Bluttransfusionen; kein Wunder, dass sie vom Volksmund "Vampire" getauft werden (dieses Vampirismus-Motiv ist aber überflüssig, da es in der eigentlichen Geschichte keinerlei Rolle spielt. Man könnte es genauso gut weglassen und hätte ansonsten den gleichen Film drehen können).
Leider ist die Lebenserwartung eines solcherart Erkrankten ab dem Zeitpunkt der Infektion maximal 10 Jahre - und die Seuche ist hoch ansteckend. Also werden die Erkrankten verfolgt und interniert, bis nur noch eine kleine Widerstands-Gruppe übrig ist. Als der unbeschränkte Herrscher der zukünftigen Welt anscheinend eine endgültige Lösung in Form eines Gegenvirus findet, der im Körper eines kleinen Jungen steckt, wird die Titelfigur losgeschickt, diesen ansich zu bringen und schließlich unschädlich zu machen. Aber ersten kommt es anders, zweitens als man nicht denkt, und Ultraviolet gerät natürlich zwischen die Fronten und muss schließlich nicht nur gegen die Häscher des Diktators kämpfen, sondern auch gegen ihre ehemaligen Kameraden.
Wie gesagt: Dies alles ist nur ein Vorwand, um Milla Jovovich in enganliegenden und/oder freizügigen Klamotten von einem rasant choreographierten, spektakulären Kampf gegen eine Übermacht an Gegnern in den nächsten zu schicken, um knallbunte, futuristische, teilweise fast abstrakte Kulissen und Effekte zur Schau zu stellen. Die erste dreiviertel Stunde des Films ist eine einzige Verfolgungsjagd mit Kampfszenen, die letzte dreiviertel Stunde ebenfalls. Und die wenigen ruhigen Momente dazwischen wirken verkrampft-unecht bis peinlich. Über Drehbuchfinessen oder schauspielerische Leistungen braucht man nicht zu reden beginnen. Immerhin nimmt man Jovovich die taffe, athletisch-akrobatisch-lakonische Kämpferin eher ab als Theron die Æon Flux - was aber kein Kunststück ist.
Fast alle Rezensionen, die ich zu "Ultraviolet" gelesen habe, waren bitter und negativ, und eigentlich auf den Inhalt des Films bezogen nicht zu unrecht. Die Verpackung dessen ist aber beeindruckend. Wenn man sich gut anderthalb Stunden ausnahmsweise darauf einlassen kann, Form nicht Funktion folgen zu lassen, sondern die Form zur Funktion zu machen, dann kann man "Ultraviolet" aber dennoch als den ultimativen Popcorn-Film genießen.
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