04.08.2006

Transzendente Momente

Ich glaube (ich hoffe), jeder Musikfreund kennt dies: Auf einer Platte gibt es einen Moment, sei es ein Riff, eine Harmoniefolge, eine Gesangspassage, eine Phrase eines Solos, der solche Verzückung hervor ruft, dass man sich wünscht, dass er niemals aufhöre, einen Moment, bei dem man wieder spürt, warum man Musik liebt, der Kraft und Magie hat, der die Zeit stillstehen läßt - leider nur scheinbar. Denn irgendwann ist auch die schönste Stelle vorrüber gezogen. Eventuell handelt es sich nur um ein paar Sekunden, vielleicht sogar nur einen Bruchteil einer Sekunde. Wenn man Glück hat, dann um eine ausgedehnte Passage (doch auch hier steckt das unvermeidliche "Vorrübergehen" schon im Begriff).

Einer dieser langen Momente ist Gongs Spacerock-Klassiker "Master Builder", eine treibende, ekstatische Nummer, die selbst mit gut sechs Minuten Laufzeit viel zu kurz geraten ist. Das muss sich auch Kawabata Makoto gesagt haben, und als Musiker ist er in der Lage, sich solche Momente mit ein bisschen Glück selbst schaffen zu können. Und so nahm er letztes Jahr mit seinem japanischen "Acid Mothers Temple and the Cosmic Inferno"-Ensemble eine 51minütige Variation des Om-Riffs auf: "Om Riff from the Cosmic Inferno" auf "IAO Chant from the Cosmic Inferno". Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder handelt es sich dabei um ein Langeweile-Desaster von - nomen est omen - kosmischen Ausmaßen oder einen der längsten musikalischen Orgasmen aller Zeiten.

Ich weiß es nicht. Denn leider zählt für mich im Moment nur eine ganz andere kleine Ewigkeit - nämlich die, bis der freundliche Amazonas-Kaiman mir den "IAO Chant from the Cosmic Inferno" endlich ins Haus lierfert...

Kommentare

Deine Ausführungen erinnerten mich sofort an die Symptome, die bei mir beim Genuss folgender musikalischer Passage auftreten:

Focus - "Hamburger Concerto"
(Minute 17:44 bis 18:14)

Eigentlich ist das einer der langweiligsten Longtracks, die ich kenne, aber diese wenigen Sekunden kurz vor dem Ende des Songs sind für mich der absolute Ohrgasmus!

Der Zauber solcher Momente liegt meines Erachtens aber genau in der Tatsache, dass sie so kurz sind.
Man wünscht sich zwar im Augenblick (oder besser: Ohrenhör) des Erlebens, sie mögen nie aufhören; aber wäre dies tatsächlich so, würde man sie nicht mehr als besonders empfinden.
Bei täglichem Kaviargenuss stellt sich ja auch kein "besonderes" Gefühl mehr ein, vermute ich. ;)

Ich bin gespannt, ob Herr Makoto den Zauber "deines Moments" erhalten kann.

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