04.11.2005

Tower of Power, Muffathalle, München, 3.11.2005

Immer wieder fällt bei Diskussionen über Musik der unschöne, vorwurfsvoll verwendete Begriff "Musikerpolizei". Damit sind Mitmenschen gemeint, die selbst gelegentlich selbst ein Instrument bedienen, aber an den vermeintlich mangelhaften Leistungen anderer Musiker herumkritteln, meist anhand eines Live-Eindrucks. Oft erwehren sich Fanboys mit dem Ausdruck der Angriffe auf ihre Lieblinge. Da Tonmischer selten Fans haben, ist deshalb wohl der Ausdruck "Mixerpolizei" weniger verbreitet - mir ist er jedenfalls noch nicht untergekommen. Schade eigentlich, denn das gestrige Tower of Power-Konzert wäre ein klarer Fall für die Mixerpolizei gewesen:

Wie zur dreimal verfluchten Hölle kann man bei einem Soul-/Funk-Konzert den E-Bass und die Bassdrum so abmischen, dass von beiden während des ganzen verdammten Auftritts nur ein komplett undefinierbares Wummern und Brummen zu hören ist? Bass und Schlagzeug sind bei Rock- und Pop-Konzerten so gut wie immer ungemein wichtig, erst recht in diesem Genre. Wenn man sie aber kaum hören, geschweige denn differenziert wahrnehmen kann, ist das Ziel einer stark auf Groove basierenden Musik schlicht verfehlt.

Naja. Im Fall des Schlagzeugers - Achtung, jetzt spiele ich Musikerpolizei - war's vielleicht nicht so schlimm, denn ein Groovemonster schien er mir nicht gerade zu sein. Einige der Fills wirkten holprig und seine Rhythmik viel zu geradeaus. Keine Spur von zurückgelehntem Groove. Stattdessen trieb er wie Sau, sprich: wurde ständig schneller. Es besteht eben doch ein feiner, wichtiger Unterschied zwischen "etwas vor der Zeit spielen, um das Stück voranzutreiben" und "schneller werden".

Genug gemosert. Der schlechte Hallensound (sehr gut abgemischt waren zwar Bläser und Gesang, aber auch Gitarrist und Keyboarder konnte man nur während ihrer Soli gut hören) und mittelprächtige Schlagzeuger änderten aber nichts daran, dass es ein kurzweiliges Konzert war. Live lasse ich mir diese Art von Power Soul mit fettem Bläsersatz (fünf Mann: 2x Trompete, wovon einer gelegentlich Ventilposaune spielte, 3x Saxophon, nämlich Bariton, Tenor und Alt) gerne gefallen. Überhaupt: eine dermaßen exakte Blasabteilung hab ich live noch kaum gehört. Jeder der schneidenden Einwürfe saß bombensicher, exakt, dynamisch und mitreißend, und auch die jeweiligen Soli waren ordentlich. Auch über den souligen, ebenso tonsicheren wie stimmgewaltigen Gesang kann ich nichts Schlechtes sagen.

Insofern hat sich der Besuch in der mehr als gut gefüllten Muffathalle doch gelohnt. Bemerkenswert auch: die altersmäßige Durchmischung des Publikums. Jede Menge Jungvolk neben den älteren Semestern, die ich hauptsächlich erwartet hatte (und alle Abstufungen zwischendrin), schließlich sind Tower of Power schon seit mehr als 35 Jahren aktiv. Mit besserem Sound und Schlagzeuger hätte das Konzert aber sicherlich noch mehr Spaß gemacht; ich hatte doch den Eindruck, dass - womöglich auch wegen der Größe der Halle - weder der Funke noch der Schweissdampf, den eine Funkband versprühen müsste, wirklich übersprang. Aber auch ein einfach nur unterhaltsamer, wenn auch nicht brillanter Konzertabend ist nicht zu verachten und nicht garantiert.

Kommentare

Der Schlagzeuger heisst David Garibaldi und spielt hier garantiert jeden unter den Tisch. War auch auf dem Konzert und kann mich in der von dir geäussert hinsicht nicht beklagen...

bei deinem gelaber kommt mir ganz einfach da kotzen

TOP FTW!

lol

Guten Tag,
habe Tower of Power am 6.11 in Leverkusen gesehen! Und ich kann nur sagen, ich habe noch NIE eine so gut gemixte Band gesehen!

Und ich schaue 40-50 hochwertieg Konzerte pro Jahr! Und David Garibaldi am Drumsegehört in der Soulsektion zur absoluten A-Klasse er Drummer!

Hallo,

da sieht man mal wieder, dass es Klugscheisser gibt, die von nix eine Ahnung haben und irgendwelche blogs vollkrizeln.

Einen besseren Schlagzeuger zu fordern, wenn man gerade David Garibaldi vor Ohr und Auge hatte finde ich echt bemerkenswert - da gilt der alte Satz "wenn man keine Ahnung hat einfach mal die Klappe halten"!

Glückwunsch!

Bambam

Ich spiele seit 20 Jahren in div. Funkbands Schlagzeug. Ich habe noch nie einen besseren Drummer als David Garibaldi gehört, habe alle seine Bücher. Einen solchen SCHEISS wie hier zu lesen tut mir körperlich weh!

A) Ich war auch auf dem Konzert, auf das ich mich tierisch gefreut hatte.
B) Ich fand auch, dass Schlagzeug und Bass im Vergleich zum Rest der Band sehr schlecht gemischt waren (die Umstehenden fanden das auch!). Die Hörner dagegen waren erste Sahne!
C) Ich - der auch länger in einer Funkband gespielt hat - liebe Mr. Garibaldi und seinen Style. Aber gestern hatte ich leider auch den Eindruck, er sei nicht ganz auf der Höhe seiner Schaffenskraft.
D) Mic Gilette spielte meines Wissens keine Ventil- sondern eine Zugposaune.
E) Mr. Castillo wird immer als 2nd Tenor Saxophone geführt...und wenn ich so auf die Bühne der Muffat schaute, kam mir sein Horn auch nicht kleiner als das von Tom Politzer vor.
F) Ich denke, dass ich TOP sechs oder sieben Mal live gesehen habe. Ich kann mich nicht erinnern, dass es das Publikum bei einem dieser Auftritte geschafft hat, die Band - waren es? - vier Mal auf die Bühne zurückzuholen. Soviel zum Thema "Funke übergesprungen".
Des Weiteren war Larry Braggs noch lange nach dem Gig auf der Bühne, hat Hände geschüttelt und sich mit den Besuchern (waren das "Fans" - sic!) unterhalten. Das, denke ich, macht man ja nicht gerade, wenn man einen schlechten Abend On Stage hatte, oder?

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil!

Jetzt habe ich doch glatt auf eine Kritik aus dem Jahre 2005 geantwortet. Ist das Euch anderen auch passiert?

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.

Weitere aktuelle Beiträge

Audio-Beiträge

Bildergalerien