Tom Yum Goong - Revenge of the Warrior
War wohl doch keine so gute Idee, einen Kinofilm nach der thailändischen "Tom yum"-Suppe zu benennen, auch wenn ein gleichnamiges Restaurant im Film als Tarnung des Hauptquartiers der Bösen eine gewisse Rolle spielt. Jedenfalls hatten die westlichen Filmverleihe keine Lust, den Titel zu übersetzen und "Scharf-saure Suppe" in die Kinos zu bringen. Also wird aus "Tom Yum Goong" in Frankreich "L'Honneur du Dragon" ("Drachen" seit Bruce Lee selig gern genommen), in Großbritannien "Warrior King" (warum auch immer) und in den USA "The Protector" (angesichts der Story noch am passendsten). Der natürlich urdeutsche Titel hierzulande ist "Revenge of the Warrior".
Nicht nur der Titel hat sich geändert. Gegenüber dem thailändischen Original ist die internationale Version - ähnlich wie Ong-Bak - um etliche Minuten geschnitten. Was dem Film gut tut: Der wirre Plot rund um asiatische Einwanderer in Australien, illegalen Tierhandel für bizarre Feinschmecker-Lokale, Drogen-Mafia, korrupte Polizisten, Zwangs-Prostitution etc. scheint viele gute Absichten zu haben, verzettelt sich schon so in Längen und inkonsequent durchgeführten Nebensträngen. Und machen wir uns nichts vor: In diesen Film geht man vor allem deshalb, um Tony Jaa, vormals Phanum Yeerum (siehste, es geht doch mit den obskuren Namen), dabei zuzusehen, wie er auf phänomenale, nahezu unglaublich akrobatische, aber gleichzeitig brutal-kompromisslose Weise mit perfektem Muay Thai Ganoven-Hintern versohlt. Wen interessiert dabei die Geschichte? Im Grunde ist diese sowieso ein Aufguss von Ong-Bak, der ja selbst in dieser Hinsicht genügend Vorbilder hat: Statt eines von Ganoven gestohlenen Buddha-Kopfes sucht der Junge vom Land hier zwei von Ganoven gestohlene Elephanten in der großen Stadt.
Ein solcher Film sollte sowieso eher als eine Mischung aus akrobatischer Varieté-/Zirkus-Schau und Ballett angesehen werden (dazu passt, dass Tony Jaa höchstselbt für seinen nächsten Film, "Ong Bak 2"..., laut tonyjaa.org eine neue Kampftechnik entwickelt habe, die eine Mischung aus dem klassischen Thai-Tanz Khon und Muay Thai sei), wenn auch mit dem Bonus, dass es ordentlich zur Sache geht. Zu dieser Sichtweise passen dann auch die stark stilisierten, unwirklich wirkenden Kulissen der Hauptkämpfe, allen voran die Konfrontation in einem gleichzeitig gefluteten und brennenden Tempel, aber auch in einer der zentralen Szenen in einem vierstöckigen Hotel/Bordell/Restaurant, die dadurch Furore macht, dass es sich um eine ca. vierminütige ununterbrochene Einstellung komplett ohne Schnitt handelt, in der sich Jaa über alle Stockwerke durch Heerscharen von Handlangern prügelt. Vor allem die logistische und koordinatorische Leistung ist dabei zu würdigen, denn klarerweise kann man in einer solchen Szene nicht die schwierigsten und damit fehleranfälligsten Kampf-Bewegungen unterbringen (körperlich war der Dreh laut Aussage des Regisseurs übrigens wohl für den die Steady-Cam schleppenden Kameramann wesentlich anstrengender als für Jaa).
Und spektakuläre Akrobatik, Körperbeherrschung und Kampfkunst gibt es in anderen Momente zur genüge, etwa in der Konfrontation mit dem Capoeira-Kämpfer in der oben erwähnten Tempelszene, die atemberaubend choreographiert ist. Oder der Kampf in einer Lagerhalle mit BMX-Fahrern und Skateboardern, der in der Zurschaustellung von Jaas Beweglichkeit ungefähr das Gegenstück zur Markt-Verfolgungsjagd in "Ong-Bak" ist (so wie die anschliessende Verfolgungsjagd mit Flussbooten der Nachfolger der Tuk-Tuk(-Motorrikscha)-Szene ist).
Trotzdem des sichtbaren Bemühens der Produzenten, noch einen auf Ong-Bak draufzusetzen, finde ich den Vorgänger insgesamt gelungener. Denn dieser wirkte dreckiger und vor allem realistischer. Nicht nur, dass dort die Kulissen trotz geringeren Budgets deutlich realistischer wirkten, vor allem: Die Schläge und Tritte in "Ong-Bak" taten weh, wirkten hart und brutal; in "Tom Yum Goong" wirkt alles einstudierter und weniger unmittelbar heftig. Aber trotzdem ist der Kinobesuch für Kampfkunst-Fans natürlich ein Muss. Ein Talent wie Tony Jaa darf man sich nicht entgehen lassen, solange es aktiv ist.
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Kommentare
Geiler Text!! :D
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