Tokyo Drifter
Zugegeben: Manchmal ist der Kult um seltsame, fremdländische Filme, wie auch ich ihn gelegentlich betreibe, etwas suspekt. Klingt schon ein wenig nach dem Elitarismus, der immer wieder auch Proggern vorgeworfen wird (gerne genug auch von ihnen selbst: siehe Punkt 5). Aber es gibt nun einmal quasi unentdeckte filmische und musikalische Schätze aus aller Welt, wenn man nur genug rumschaut. Und dazu muss man auch "Tokyo Drifter" von Regisseur Seijun Suzuki zählen, der zwar letztenendes nur ein B-Movie rund um japanische Gangster-Clans ist, aber visuell unglaublich beeindruckende Szenen bietet, die auch allseits respektierten europäischen Kunstfilmern aus der gleichen Zeit (Mitte der 60er Jahre) zur Ehre gereichen würden.
In poppig-knallig bunten, aber streng, beinahe avantgardistisch komponierten Einstellungen tummeln sich hier die Yakuzas und machen dem Möchtegern-Aussteiger Tetsuya das Leben schwer. Sein Clan-Chef und er haben eigentlich dem Gangsterleben abgeschworen, aber - unvermeidlich - dem Sog des organisierten Verbrechens können beide nicht entkommen, Tetsu wird als "Drifter" ins Exil gezwungen, schließlich doch von allen Seiten angefeindet und betrogen, so dass er nach Tokyo zurückkehren muss, um aufzuräumen.
Zumindest verstehe ich so den eher wirren Plot, der nicht unbedingt verständlicher wird dadurch, dass Regisseur Suzuki die Tendenz hat, Schnitte einen Hauch früher zu setzen, als es normale Kinogänger erwarten würden. Aber wie gesagt: Angesichts der immer wieder überwältigend schönen, beinahe abstrakten Einstellungen (oft in spartanisch eingerichteten, weitläufigen, expressionistischen Kulissen) spielt die eigentliche Geschichte nur eine Nebenrolle und die Freude am schönen Bild überwiegt.
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