07.06.2007

Tiefere Wahrheiten?

Folgendes gefunden in Jonathan Bignells "Media semiotics: An Introduction":

The discourse of science presupposes, for instance, that what we see on the surface is less true than what we see beneath the surface.

Schrecklich schlüpfrige Postmodernistensprache mal wieder, "the discourse of science", wogegen mangels greifbarer Daten schwer zu argumentieren ist, wenn mit "discourse" auch "Außenwirkung" gemeint ist.

Davon abgesehen glaube ich, dass die meisten Wissenschaftler sich dessen bewusst sind, dass im Gegenteil die Wahrheit sich an der Oberfläche befindet, in der konkreten Beobachtung, und dass mit der Modellbildung und der damit verbundenen unvermeidlichen Abstraktion eine Vereinfachung und damit ein Verlust an "Wahrheit" einher geht. Dieser kann nur durch erneute experimentelle Bestätigung und damit die Rückkehr zur "Oberfläche" aufgefangen werden.

Trotzdem ist "Media semiotics" ein anregendes Buch, nicht zuletzt, weil es immer wieder zwischen strukturalistisch bestimmter semiotischer Analyse und "postmodernem" Relativismus schwankt, was zumindest dazu auffordert, sich seine eigenen Gedanken zu machen, wenn man nicht dem zustimmen will, dass alle Sicht- und Interpretationsweisen nahezu gleichberechtigt sind. "A writer who says that there are no truths, or that all truth is 'merely relative', is asking you not to believe him. So don't." (Roger Scruton in "Modern Philosophy")

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