10.07.2006

This is Spinal Tap

Letztens strolchte ich durch den Musik Müller meines Vertrauens und hatte das neue "Paper Chase"-Album schon in der Hand, als mein Blick auf eine günstige DVD fiel. Wegen montärer Überlegungen ergab dies eine Entweder-oder-Situation, die der Film für sich entscheiden konnte. Also muss die nächste Anmerkung zu einem "Die wichtigsten CDs der Woche"-Hype noch ein Weilchen warten. Immerhin: zwar kommt es selten vor, dass ein Filmfilm auf einer "ProgBlog" betitelten Seite nicht themenfremd ist - wenn man einmal das Klischee ausklammert, dass ein Progger automatisch auch Science-Fiction- und Fantasy-Fan ist. Bei "This Is Spinal Tap" - darum handelte es sich nämlich - muss man sich darüber keine Gedanken machen.

Dieser Pseudo-Rockumentarfilm nimmt zwar hauptsächlich die Hard'n'Heavy-Welle der frühen 80er Jahre auf's Korn, aber etliche der satirischen Momente lassen sich ohne Anpassung auch auf 70er-Jahre-Prog-Bands beziehen. Etwa der haarige Basszwerg, der einen Double-Neck-Bass spielt, der etwa so groß ist wie er selbst - einen Double-Neck-Bass mit zwei viersaitigen Bass-Hälsen... Solche wortlosen Details am Rande, die wahrscheinlich den meisten "normalen" Kinogängern gar nicht als die ironischen Kommentare aufgefallen sein dürften, die sie doch darstellen, machen auch heute noch viel vom Spaß an "Spinal Tap" aus, wie die schlecht gespielte Klassik-Adaptation im Mittelteil einer Nummer (auch progrelevant), ein Gitarrist inmitten von dutzenden seiner Gitarren (Steve Howe läßt grüßen, auch Mike Oldfield) etc.

Anderes ist weniger subtil, von den gelegentlich - wenn auch sanften - Slapstick-Einlagen ganz abgesehen: Etwa das tapsche Konzeptalbum "The Gospel according to Spinal Tap", das von Kritikern mit den dem Prog-Fan allzu gut bekannten Worten "pretentious" und "ponderous" verrissen wird. Oder auch der Gitarrenverstärker, dessen sämtliche Regler nicht nur bis "10", sondern bis "11" gehen, das 18 Zoll statt 18 Fuß große "Stonehenge"-Bühnenbild, weil sich niemand - insbesondere verpeilte Gitarristen nicht - merken kann, ob jetzt " oder ' für Zoll bzw. Fuß steht. Auch das ewige Besetzungs-Bäumchen-Wechsel-Dich wird hier vom "exit" der Bandmitglieder zum "exitus" umgedeutet; Schlagzeuger leben anscheinend gefährlich.

Jedenfalls bezieht der als Pseudo-Dokumentation (dieser Stil wird netterweise auch bei den DVD-Extras beibehalten) aufgebaute Film große Teile seines Charmes daraus, wie nah an der Realität viele Momente gehalten sind, dass nur ein winzig kleiner Schupser genügt, um das Musikgeschäft endgültig ins Lächerliche kippen zu lassen. Die DVD wird mit einem Zitat beworben, das "This is Spinal Tap" als den witzigsten Musikfilm aller Zeiten bezeichnet; manche meiner Bekannten würden dies eher von "Still Crazy" sagen, ich persönlich finde "Spinal Tap" aber deutlich hysterischer, und nicht nur, weil ich selbst schon mit einer vollkommen deplatzierten Band auf einem Dorffest gespielt habe...

Kommentare

Absoluter Kultfilm und besonders im Originalton zum kaputtlachen. Übrigens findet sich irgendwo im Netz eine Website mit dem Soundtrack bzw. der im Film gespielten Songs. Einfach mal googeln.

Rock'n'Roll!

Die Credits sind fast das beste am Film, da wird nochmal richtig reingehauen.

Das mit den zwei Vier-Saiter-Hälsen ist mir nicht aufgefallen. Muss ich mir nochmal anschauen...

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