The Wizard of Mars a.k.a. Horrors of the Red Planet
Anfangs habe ich mich über "The Wizard of Mars" (Video-Titel. "Horrors of the Red Planet") geärgert. Welch ein unglaublich statischer Film!
Nachdem vier Astronauten auf Erkundungsmission auf dem Mars bruchgelandet sind, machen sie sich auf den Weg über und durch den Planeten in Richtung eines Signals, von dem sie glauben, dass es von der Hauptantriebsstufe ihrer Rakete stammt. Nur, dass diese Reise in starren Tableaus inszeniert wird, die keinerlei Gefühl von tatsächlichen Vorankommens aufkommen lassen. Die Bilder wechseln zwar, aber eben nur das: Bewegung soll vielleicht impliziert werden, findet aber nicht statt. Die Raumfahrer stehen, bestenfalls staksen in wechselnden Landschaften herum, mal einer Wüste, mal einer Tropfsteinhöhle, mal in knallgelben Gummibooten auf einem See oder Fluss. Während letzterer Szenen wird die wird die Bewegungslosigkeit geradezu absurd auf die Spitze getrieben: Die Astronauten paddeln zwar sichtlich, ihre Boote bewegen sich aber keinen Millimeter.
Dies alles erzeugt ein Gefühl von Langatmigkeit und Langeweile, dass ich nach einer halben Stunde regelrecht Angst davor bekam, dass der Film noch weitere 50 Minuten dauern würde, so sehr, dass mit jeder verstreichenden (oder eben scheinbar nicht verstreichenden) Minute die restliche Laufzeit länger statt kürzer zu werden scheint.
Der Clou aber: Es könnte sein, dass dies auf einer bewussten künstlerischen Entscheidung beruht. Denn: Endlich an der Quelle des Signals angekommen, finden die Sternfahrer John Carradines Kopf, der als Manifestations marsianischen Kollektivbewusstseins im Weltall schwebt und in kaum zu parsendem Kauderwelsch erklärt, das die uralte Rasse der Marsbewohner es irgendwie geschafft hat, die Zeit zu überwinden und sich und ihre Stadt in eine Art zeitlosen Raum versetzt hat, yaddayadda. Insofern würde die zeitdehnende Statik der ersten 45 Minuten von "The Wizard of Mars" konzeptionell diesem Zustand der Marsianer entsprechen.
Dazu passt ebenfalls, dass, nachdem die Menschen den Marsianern geholfen haben, die Zeit für sie wieder in Gang zu setzen, indem sie eine Art Schneekugel in einer überdimensionierte Uhr einsetzen (klitzekleines bisschen optische Holzhammer-Metaphorik hier), die folgende Fluchtszene überraschenderweise sehr dynmamisch inszeniert ist, inklusive hektischer subjektiver Kamera beim Lauf durch außerirdische Flure. Denn eine Moral hat die Geschicht' auch: Ohne Zeit kein Werden und Sterben, und ohne Werden und Sterben kein Leben - und die Marsianer haben keine Lust mehr, so in der Zeitlosigkeit dahinzuvegetieren.
Nicht, dass jetzt dadurch der Eindruck entsteht, "The Wizard of Mars" sei ein guter Film. Erstens: Langeweile bleibt Langeweile bleibt Langeweile, selbst wenn sie künstlerisch gerechtfertigt sein sollte. Zweitens werden die Charaktere weder vom Drehbuch noch von den Schauspielern zu irgendetwas erweckt, das nach Leben aussieht. Auch das Mitwirken der B-Movie-Ikone John Carradine ändert daran nicht: Sein Kopf schwebt entkörpert und statisch im Bild, wird teilweise von darüber geblendeten Weltraumbildern überdeckt und schwafelt kaum verständliches Zeug. Obendrein dauert dieser Pseudo-Auftritt netto nur wenige Minuten, jedenfalls deutlich zu wenig, als dass - wie natürlich getan wird - mit ihm als "Star" des Films geworben werden könnte (dies erinnert an andere Filme mit gleicher Taktik, siehe etwa "Shock Waves", ebenfalls mit Carradine und außerdem Peter Cushing mit Kurz-Auftritten). Drittens sind auch die Tricks bis auf ein paar ansatzweise atmosphärischen Matte-Aufnahmen miserabel: Teilweise scheint der Antriebsrauch der Rakete vor dieser zu sein.
Übrigens wird Science-Fiction-Doyen Forrest J. Ackerman in den Credits als "Technical Advisor" geführt. Ob sich das auf die Filmtechnik oder die gezeigte Raumfahrttechnik bezieht, ist mir nicht klar. A propos: Wissenschaftliche Genauigkeit in der Mars-Beschreibung darf man natürlich nicht erwarten: Es gibt flüssiges Wasser auf dem Mars, und Atmosphäre des Planeten hat im Film hat einen zumindest nicht vernachlässigbaren Anteil an Sauerstoff. Zugegebenermaßen war zur Entstehungszeit des Films das Wissen über den Gegebenheiten auf Mars noch lange nicht so groß wie heute, was man auch Produktionen anmerkt, die sich zumindest nominell um mehr Exaktheit bemühen, etwa dem von der Geschichte her zumindest teilweise vergleichbaren "Robinson Crusoe auf dem Mars".
Der Titel "The Wizard of Mars" spielt natürlich auf "The Wizard of Oz" an. Tatsächlich: Wie Dorothy landen die Entdeckungsreisenden unwillentlich in einer fremden Welt, sie finden sogar eine "goldene Straße", die in die tote Marsstadt führt, und Carradines Figur soll wohl das Analogon des Zauberers sein, aber da hören die Ähnlichkeiten auch schon soweit auf. Wenn wenigstens ein Roboter als Tinman-Entsprechung dabei wäre...
Weitere aktuelle Beiträge
- 08.02.2009 - 13:36
- 04.02.2009 - 10:11
- 20.01.2009 - 16:49
- 14.01.2009 - 14:21
- 11.01.2009 - 16:42
Audio-Beiträge
- 24.11.2008
- 24.10.2008
- 23.07.2008
- 01.06.2008
- 08.04.2008
Bildergalerien
- 11.01.2009
- 12.11.2008
- 16.10.2008
- 30.09.2008
- 15.09.2008
Kommentare
Kommentar hinzufügen