the monks - the transatlantic feedback, Atomic Café, 4.11.2004
Groovy. Gestern war ich zum ersten Mal im Fernsehen. Nicht im Fernsehen zu sehen. Im Fernsehen: Etablissements, die eine dicke Stahltür ihr eigen nennen, bei der man erst einmal klingeln muss, um vom Türsteher argwöhnig beäugt werden zu dürfen, kannte ich bis dato nur aus schlechten Filmen und Doku-Soaps auf RTL II. Gottseidank stand Peter auf der Gästeliste, sonst wären wir wahrscheinlich erst gar nicht reingelassen worden, denn so "hip" wie das Atomic Café sich gibt, war ich nie und werde ich nicht mehr werden können.
Das Interieur ist richtig dufte retro, muss ich zugeben: Orange-Ekelfarben und Plastikstühle direkt per Zeitreise aus den frühen Siebzigern importiert. Allerdings dermassen dufte und vollständig, dass es schon wieder gequält wirkte: der DJ trug einen Pilzkopf, wie er zuletzt ca. 1965 modisch war, dazu einen zeittypischen Anzug mit hohem Kragen plus spitz zulaufende weisse Schuhe.
Nach ein paar tastenden Blicken in die überschaubare Runde trauten wir uns an die Bar, wo wir uns ein Bier gönnten, an dem wir in der Folgezeit sparsam nippten: ein 0.3er Flaschen-Becks für 3 Euro 50 das Stück muss einfach eine Weile vorhalten.
Nicht ganz so "pünktlich!", wie auf der Atomic-Website eingefordert, begann nach kurzen einführenden Worten der Veranstalter und eines der Regisseure die Vorführung der Dokumentation "the monks - the transatlantic feedback" vor ca. 40 Zuschauern. Es handelte sich um einen Rohschnitt. Aber ausser hier und da einem Timecode im Bild sowie gelegentlichen Schwankungen der Tonspur-Lautstärke wirkte der Film soweit fertiggestellt. Mit 105 Minuten Laufzeit zwar für einen Dokumentarfilm recht lang, war er aber nicht langweilig, wenn man sich für die Materie interessiert.
Interessant war für mich vor allem, dass die Anti-Beatles - ähnlich wie ihr Gegenpol stark durch zum einen Astrid Kirchherr und die Hamburger Szene, zum anderen durch Brian Epstein geprägt bzw. im Image aufgebaut wurde - von zwei deutschen studierten Designern und Werbetätigen, W. Niemann und K.-H. Remy, von der 08/15-Beatband "The Torquays" in die anarchisch-archaischen "Monks" umgemodelt wurden. Dies betraf Outfit, musikalische Vorgaben und sogar einen 10-Punkte-Verhaltenskodex zu Imagewahrung in der Öffentlichkeit. Nur, dass das entstandene Produkt zu avant für seine Zeit war und nie der grossen Durchbruch gelang.
Es gab jede Menge Interviews mit Beteiligten aus der damaligen Zeit (der Band und dem Tonmeister sowie dem Produzenten von Polydor), über die - ergänzt durch zeitgeschichtliches und privates Bild- und Filmmaterial, aktuelle Bilder und einen Soundtrack sowohl mit passenden Fremd-Songs als auch Torquays- und Monks-Stücken - der Werdegang der Band von ihren Anfängen in der US Army bis hin zur Reunion vor ein paar Jahren nachgezeichnet wurde. Mir persönlich fehlte bei alledem hauptsächlich der Blick auf die Aussenwirkung der Band: ausser einem kurzen Segment mit Joachim Irmler (Faust), der von dem Eindruck berichtete, den die Monks 1966 im Beatclub beim ihm hinterliessen, fehlte solches Material völlig. Das Selbstverständnis und die Selbstdarstellung der Band sind aber nur eine Seite der Medaille. Davon abgesehen war's aber ein kurzweiliger Abend.
Nach Ende der Vorführung wurden die bis dato draussen wartenden regulären Gäste eingelassen, was mir mal wieder bewusst machte, dass ich nicht nur nicht hip, sondern inzwischen auch nicht mehr jung bin. Peter ging's ähnlich, also verabschiedeten wir uns recht zügig zu den Klängen von 60s-Beat und -Soul. Groovy.
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