04.02.2008

The King of Kong

Normalerweise bin ich nicht sonderlich erpicht auf Dokumentationen. Aber ab und an kommt ein Film daher, der mich durch eine Kombination aus Thema und Kritikerlob neugierig macht, etwa die feine "Jumble in the Jungle"-Doku "When We Were Kings", der gleichermaßen komische wie interessante "The Aristocrats" und eben vor kurzem "The King of Kong - A Fistful of Quarters":

Ein Film, der den Kampf eines Außenseiters in der Welt des "Competitive Gaming" um den "Donkey Kong"-Weltrekord (!) beschreibt.

Dass sich aus diesem Thema ein gleichermaßen spannender, rührender, informativer und natürlich auch lustiger Film drehen lässt, hätte ich nicht gedacht. Tatsächlich hat "The King of Kong" diese Qualitäten aber in höherem Maße als sehr viele Spielfilme.

Dies liegt natürlich auch an der günstigen Figuren-Konstellation: Mit Steve Wiebe gibt es einen sympathischen Helden, der als nah am Wasser gebauter Underdog gezeichnet wird, mit dem es das Leben vor seiner Zeit als Donkey-Kong-Gigant nicht sonderlich gut gemeint hat. Ihm gegenüber steht als Bösewicht die bis zur Grenze der Arroganz und darüber hinaus selbstsichere Gaming-Ikone Billy Mitchell, die jahrzehntelang den Donkey-Kong-Rekort inne hatte. Dazwischen bewegt sich ein Vielzahl von Nebenfiguren aus dem familiären und Hobby-Umfeld der Protagonisten (speziell aus dem der Schiedsorganisation "Twin Galaxies"), die als Adjutanten der Antagonisten fungieren, dabei aber durchaus teilweise eigene Entwicklungen durchmachen.

Vor allem aber ist die Wirkung von "The King of Kong" ein Triumph der Regie des Films, die aber gleichzeitig ihre Schattenseiten hat. Denn dass der Film so spannend und mitreißend geraten ist, geht auf Kosten der "Wahrhaftigkeit". Zwar kann keine Dokumentation ein wie auch immer getreues Abbild einer unabhängigen Wirklichkeit vermitteln: Dem stehen die Beeinflussung der Ereignisse durch das Filmen, die Materialauswahl, der Schnitt und die weitere Bearbeitung unumgehbar entgegen. Jede Dokumentation kann nur eine gefärbte und tendenziöse Version von Wirklichkeit liefern. Bei "The King of Kong" scheint dies aber in besonderem Maße der Fall zu sein: Die Abfolge der Präsentation bestimmter Ereignisse suggeriert eine andere Reihenfolge, als die Ereignisse "tatsächlich" abliefen, relevante Informationen werden dem Zuschauer mitgegeben, Zeiträume werden so gestrafft dargestellt, ohne diese Straffung zu erwähnen, dass die tatsächlichen Zeitdimensionen nicht erkenntlich sind, was die Interpretation der tatsächlich stattgefundenen Begebenheiten beim Zuschauer beeinflusst undundund.

Aber nochmal: Trotzdem - eher: gerade deshalb - ist "The King of Kong" ein wunderbarer Film, aber eben mehr ein "wunderbarer Film-Film", den ich als solchen herzlich empfehle. Wer sich den Film angeschaut hat (er ist als US-DVD erhältlich), sollte aber anschließend der Fairness halber auch einen Blick auf die Darstellung der gleichen Ereignisse in Reaktion auf den Film auf der "Twin Galaxies"-Website werfen.

Trailer von "The King of Kong - A Fistful of Quarters" via YouTube:


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