The Descent
Ich gehe nicht gerne alleine in Filme. Ein Kinogang ist - ganz ähnlich wie ein Konzertbesuch - optimalerweise immer ein soziales Ereignis, mit dem Austausch der Erwartungshaltung zuvor, dem gemeinsamen Jammern über schlechte Werbung vor der eigentlichen Vorführung und dem Austausch von Eindrücken nach dem Film. Für einen Horrorfilm gilt das erst recht - wenn man nicht nur Angsthasen als Bekannte hat. Auf dem Fantasy Filmfest 2005 gehörte "The Descent" anscheinend zu den Abräumern - und ich hatte ihn verpasst, weil niemand mit mir rein wollte. Aber das sind die Freuden des digitalen Zeitalters: als britische DVD ist "The Descent" schon seit einiger Zeit erhältlich, obwohl er gerade erst auch regulär im Kino gelaufen ist, wenn auch nur in sehr wenigen Sälen.
Der titelgebende "Abstieg" ist ein Höhlenausflug von sechs jungen britischen Freundinnen. Aber kaum ein Horrorfilm ist komplett, wenn der schließlichen externen Bedrohung nicht auch interne Konflikte entsprechen: bei der Heimfahrt vom letzten Ausflug der Gruppe - Wildwasserfahren - verlor eine der Frauen ihre Tochter, und der Höhlentrip soll eine Art Reintegrationsübung werden. Und geht natürlich tragisch schief. Dies liegt in erster Linie weniger an den mutierten Menschenmonstern, die schließlich über die Gruppe, die in ihr Reich eingebrochen ist herfallen, sondern an den Gefühlen innerhalb der Ausflügler (Verzweiflung, Hybris, Misstrauen, Rache), die erst unter Tage ausbrechen und zu Vorschein kommen können.
In der Tat ist "The Descent" grusliger, solange die "übernatürlichen" Elemente noch nich im Spiel sind. Alleine das Überwinden von Abgründen und vor allem das Klettern und Quetschen durch winzige Felsspalten versprühen für zartbesaitete Naturen bereits mehr als genug klaustrophobische Atmosphäre. Danach verliert der Film leider ein wenig die besondere Atmosphäre, die mit der Enge und Dunkelheit in der Höhle zusammengeht und verwandelt sich in eine eher konventionelle, wenn auch ziemlich gewalttätige und blutige 10-kleine-Negerlein-Geschichte mit zwar einigen spannenden Situationen, aber wenigen echten Schockmomenten, der aber trotzdem meines Erachtens atmosphärischer, mitreissender und spannender als etwa Haute Tension war, mit dem "The Descent" oft in einem Atemzug genannt wird. Und ein DVD-Abend mit einem guten Schocker kann ja - OK, mit den richtigen Leuten... - auch ein nettes soziales Ereignis werden.
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