The Crow: Wicked Prayer
The Crow: Wicked Prayer ist bereits der vierte Film in der Crow-Reihe. Ich bin kein Crow-Fan. Ich glaube mich düster zu erinnern, am ersten Teil einmal vorbeigezappt zu haben, es kann aber auch sein, dass ich mir das einbilde. Den zweiten und dritten Film habe ich definitiv nicht gesehen. "Wicked Prayer" habe ich mir vor allem deshalb besorgt, weil Regisseur Lance Mungia den vor kurzem hier besprochenen, durchaus viel versprechenden Low-Budget-Film "Six-String Samurai" vorgelegt hatte. Dass David Boreanaz (Angel in "Buffy" und "Angel") als verrückter Sektenführer Luc mit Ambitionen zum Aufstieg zum Satan eine der Hauptrollen spielt, war eher nebensächlich.
Dafür, dass es sich um eine sichtlich billige Direct-to-DVD-Produktion handelt, ist die Besetzung bemerkenswert: neben Boreanaz spielen Tara Reid (als Lucs Freundin Lola), Dennis Hopper und Edward Furlong als Loser Jimmy Cuervo, der schließlich von Luc durch einen Ritualmord umgebracht wird und als "The Crow" wieder aufersteht. Das geringe Budget wird allerdings immer wieder deutlich: die "Massenszenen" sind beileibe keine solchen, und dass Lucs "Sekte" aus gerade mal fünf Personen besteht, auch wenn diese sich als die vier apokalyptischen Reiter stilisieren, macht auch nicht allzu viel her. Dabei ist dies noch einer der besseren Ansätze der Geschichte. Solche überdreht-albernen Ideen hätten ebenso wie Dennis Hoppers Dialogteile voller pseudojugendlichen Slangs den Film wenigstens vollends ins Reich des Absurden katapultieren können. Leider nimmt sich "Wicked Prayer" im Gegensatz zu "Six-String Samurai" insgesamt aber viel zu ernst. So bleibt es bei mittelmäßigem Mystizismus und halbgaren Schockeffekten, ebenso halbherziger Action und einer - leider! - viel zu wenig wirren, eben vorhersehbaren und damit langweiligen und langatmigen Story, die auch nicht durch viel zu seltene schöne Einstellungen, interessante Bühnenbauten oder Ähnliches gerettet wird.
Boreanaz gibt sich zwar Mühe, einen irre-bedrohlichen Psychopathen abzuliefern, erzeugt dabei aber keinerlei Charisma und Faszination, sondern lediglich die überhöhte Empfindung beim Zuschauer, dass hier jemand schauspielert - man nimmt es ihm nicht ab. Hoppers vergleichsweise nonchalante, eher zurückgenommene Spielweise wirkt auf mich eindrucksvoller, nur dass sein kurzer Auftritt den Film nicht prägen, geschweige denn rausreißen kann. Interessant ist immerhin, dass Furlong auch nach der Transformation die Krähe mit lethargischem Slackertum spielt, aber auch dies bleibt halbherzig, denn natürlich muss ein Rachefeldzug durchgezogen werden. Und dies würde wenig motiviert wirken, wenn der dunkle Rächer sich zu nichts aufraffen könnte. Vielleicht wäre aber gerade dieser Kontrast und das Crow-sein-wider-Willen ein Punkt gewesen, der den Film hätte aufpeppen können.
Fazit: verzichtbar. Fraglich ist, ob Lance Mungia nach diesem Film nochmal die Chance bekommt, sein zweifellos vorhandenes Talent auszubauen. Ich fürchte, dass es für ihn höchstens bei weiteren Videoproduktionen bleiben wird. Wenn ja, dann kann man nur hoffen, dass darunter vielleicht noch eine weitere Genreperle zu finden sein wird, die dann den Weg zu Größerem ebnet.
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