The Church / La Chiesa
Michele Soavis "Dellamorte Dellamore" gehört trotz der bizarren Thematik (Rupert Everett bekämpft Zombies auf einem italienischen Friedhof) zu den schönsten Filmen, die ich kenne. Dementsprechend war ich gespannt auf "The Church", ein früheres Soavi-Werk. Auch hier terrorisieren die Toten die Lebenden, allerdings nicht als Zombies. Im Mittelalter verübt ein Ritterorden Massenmord an einem hexereiverdächigen Dorf. Über dem Ort des Gemetzels wird eine Kathedrale errichtet, um die Geister der Toten davon abzuhalten, zurückzukehren. Klappt natürlich nicht auf Dauer, und als im 20. Jahrhundert der neue Bibliothekar des Doms über ein geheimnisvolles Pergament stolpert, beginnen die Geister der Toten, die Körper der Lebenden zu besetzen.
Zwar beschäftigt sich "The Church" (der Titel kann auch so gelesen werden, dass er nicht nur die spezielle Kathedrale, sondern auch die Institution Kirche bezeichnet) unter der Horroroberfläche mit durchaus ernsthaften Themen: Verbrechen im Namen der Religion und deren Vertuschung sowie dass die Wahrheit und versteckte Verbrechen trotz ausgeklügelter Methoden, sie unten zu halten, mit umso schwereren Konsequenzen ans Licht kommen. Dennoch ist er nicht überzeugend.
Z.B. flirtet das Drehbuch mit esoterischen Kathedralenbaulegenden und alten Schriften, dies bleibt aber großteils eine exotische Zutat, die nicht wirklich ausgiebig genug eingesetzt wird. Schlimmer noch: Die Hauptdarsteller bleiben farblos und unsympathisch; bis auf Asia Argento, die schon im sehr jungen Alter ordentlich Charisma hatte. Die Heimsuchungen durch die Geister scheinen eher willkürlich, mehr dem filmischen Effekt als stringeter Geschichte geschuldet. Auch Soavis Cinematographie ist lange nicht so beeindruckend wie ein paar Jahre später bei "Dellamorte Dellamore". Zwar sind auch hier seine Bilder ungewöhnlich scharf und oft atmosphärisch, aber nicht weder so poetisch organisiert noch so verspielt aufgebaut, sondern in der Kathedrale vor allem düster, obwohl das Umfeld sicher mehr Möglichkeiten für interessante Bilder hergegeben hätte.
Die Wirrheit der Geschichte, die immer wieder die Hauptfigur wechselt, aus deren Perspektive erzählt wird, kann man natürlich als angemessen und die Reaktionen der Beteiligen angesichts der ungeheuerlichen Vorgänge spiegelnd verstehen, aber zusammen mit den anderen Schwächen ergibt sich ein Film, der deutlich mehr filmemacherisches Potential aufzeigt, als hier schon eingelöst wird.
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