The Call of Cthulhu
H.P. Lovecraft hat eine relativ große Fangemeinde (auch unter den Proggern, siehe etwa entsprechende das Stück von Univers Zero bzw. das Album von Mekong Delta names "The music of Erich Zann" oder auch den Bandnamen von "Shub Niggurath"). Ich bin bisher nicht so begeistert: Lovecrafts Kurzgeschichten und Novellen haben für meinen Geschmack zu wenig Geschichte; Mythologie ist gut, wenn sie einer ansprechenden Geschichte die Illusion von historischer Tiefe verleiht, aber Mythologie ohne Geschichte kann anstregend werden (siehe etwa die seitenlangen Beschreibungen von Alien-Architektur und -Skulpturen in "At the Mountains of Madness"), auch wenn sie eigentlich zum Aufbau von Atmosphäre gedacht ist.
"The Call of Cthulhu" macht da keine Ausnahme: Wieder einmal handelt es sich um eher eine "journalistische Aufbereitung" von Lovecrafts Cthulhu-Mythos, in der ein gelehrter Autor in drei Teilen Quellen hauptsächlich aus zweiter Hand aufbereitet.
Trotzdem war ich auf die Verfilmung der Geschichte durch die H. P. Lovecraft Historical Society gespannt. Denn dieses Fanprojekt hatte sich dazu entschlossen, Lovecrafts Geschichte im Stil eines 20er-Jahre-Stummfilms umzusetzen, was zum einen den Vorteil hatte, die technische Umsetzung zu erleichtern, da etwa auf den Ton keine Rücksicht genommen werden musste und althergebrachte Tricktechniken verwendet werden konnten, von denen niemand eine "realistische" Austrahlung erwartet (das Team geht sogar so weit, nicht nur das schwarzweisse Bild mit künstlichen Kratzern und Staubfäden zu versehen, sondern auf der DVD den quasi-orchestralen Soundtrack alternativ auch als eine künstlich auf alt getrimmte Tonspur mit reduziertem Frequenzspektrum anzubieten).
Zum anderen bietet sich eine solche Umsetzung auch aus dem Grund an, da Lovecrafts Visionen einer monströsen, vormenschlichen, dem Weltraum entstammenden Rasse, die in den Tiefen der Erde darauf wartet, wieder auferstehen zu können und zu diesem Zwecke ihre Rufe aussendet und Menschen als Kultisten rekrutiert, wegen der unterentwickelten eigentlichen Handlung hauptsächlich von der intendierten albtraumhaften Atmosphäre leben, die so besser zu erzeugen ist. Dabei hat das Filmteam die Erzählung sehr textgetreu umgesetzt, was sich auch in der Recht kurzen Laufzeit von gut 45 Minuten niederschlägt, was zum einen Langeweile vermeidet, zum anderen durch ein relativ ausführliches Making-of und weitere Bonus-Material teilweise aufgefangen wird.
Zwar sieht man die Film an, dass er nicht wirklich aus den 20er Jahren stammt: Dafür sind die offensichtlich mit einer digitalen Kamera geschossenen Bilder teils zu scharf, und auch das Make-Up und die Frisuren der Darsteller wirken zu modern. Aber die archaischen Effekte (viele via Green-Screen integrierte Modellbauten, Perspektiven-Tricks, Stop-Motion etc.) versprühen trotzdem angestaubten Charme, und das gesamte Projekt macht den Eindruck einer durch und durch sympathischen Liebesmüh, die obendrein Lovecrafts Vorlage gleichermaßen respektvoll wie ansprechend umsetzt.
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