Terry Pratchett ist einer der wenigen Autoren...
...einer lang laufenden Buchreihe, der mit jedem Buch besser geworden ist.
Naja. Die Behauptung eignet sich vielleicht als guter Aufhänger für für den Smalltalk auf den vielen Cocktail-Parties, die ich nicht besuche, aber in letzter Konsequenz unterschreiben würde ich sie nicht.
Richtig ist aber, dass Pratchett mit fortschreitendem Alter sowie ansteigender Zahl an Discworld-Büchern tendenziell immer besser geworden ist.
"Tendenziell" so verstanden wie die Börsenbildchen (in der Fachsprache anscheindend "Charts" genannt), die dem arglosen Anleger weismachen wollen, dass sich in einem wahllos wirren Zickzack, der einen höchstens den Gesetzen der Statistik folgendem Kursverlauf visualisiert, sich geheimnisvolle Trends, eben Tendenzen, ausmachen lassen. Bis zum nächsten Crash.
Die allerersten beiden Discworld-Bücher waren ziemlich gut, wenn auch noch etwas halbgar. Danach folgten ein paar schlechtere Bände. Aber als Pratchett erstmal seine Welt und seinen Stil gefunden hatte, ging es recht stetig bergauf. Der einzige echte Ausfall in der letzten Zeit war "The Last Continent": der Teil mit dem Unseen University-Kollegium war OK, aber der Rincewind-Strang der Geschichte war ebenso lahm wie arm an Plot.
In der nachfolgenden Reihe von "Carpe Jugulum" bis inklusive "Night Watch" war jedes Buch sehr gelungen. Das neueste (Taschen)Buch "Monstrous Regiment" ist auch gut, hat aber m.E. nicht ganz die Klasse von "Night Watch", "Thief Of Time" oder "The Truth", vor allem, weil die Geschichte als solche etwas zu gerade verläuft und das ach so überraschende Ende überhaupt nicht überraschend, sondern eher platt ist. Auch das neueste (Taschen)Jugendbuch aus der Discworld-Reihe, "The Wee Free Man", hat mich nicht so überzeugt wie "The Amazing Maurice and his Educated Rodents". Der nächste Scheibenwelt-Roman, "Going Postal" ist als gebundene Ausgabe gerade erschienen und einigen Rezensionen zufolge, die ich gelesen habe, wieder hervorragend und vor allem sehr witzig.
Das ist nämlich etwas, was unabhängig von der Qualität der Bücher, bei den letzten Romanen, auch den Jugendromanen, auffällt: Terry Pratchett wird zunehmend ernster. Stellen, die zum lauten Loslachen animieren, sind immer seltener geworden. Die angesprochenen Themen sind ernst, teils sehr ernst. Natürlich ist es immer noch Satire, die Scheibenwelt ist immer noch ein Zerrspiegel der Erde, aber die Bücher sind politischer als früher. "Night Watch" war geradezu düster, "The Wee Free Man" mit seinem Thematisieren des "Tods" (nicht zu verwechseln mit der Figur "Tod"...) war ebenfalls sehr nachdenklich angelegt. Ich bin gespannt, wie "Hat Full Of Sky" die Geschichte der Nachwuchshexe Tiffany Aching weiterspinnt und was Pratchett in "Going Postal" zum Thema Postwesen eingefallen ist. Leider ist mit beiden Büchern als Taschenbuchausgabe wohl nicht vor Herbst nächsten Jahres zu rechnen.
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