18.09.2005

Swamp Room Mania, Kafé Kult, München, 17.9.2005

Klatschen dient nicht nur der Beifallsbekundung, sondern auch dazu, die kümmerlichen Rest von Sauerstoff in den abgestandenen Luft in einem vollbesetzten Veranstaltungsraum aufzuwirbeln und zu verteilen. Selten ließ sich das dermaßen deutlich beobachten, wie bei der diesjährigen - der insgesamt zweiten - Swamp Room Mania in München. So voll habe ich das Kafe Kult noch nie erlebt. Zwar war schon die letztjährige Erstauflage des Festivals gut besucht, aber die gut 300 Besucher von gestern abend waren - so sehr den Veranstalter der Erfolg zu gönnen ist: Gratulation! - einfach zu viel fürs Kult.

Als wir eintrafen, hatten Colour Haze, Veranstalter und Lokalhelden, gerade im großen Kultsaal begonnen. Wie letztes Jahr lieferten sie einen guten, mitreißenden Auftritt mit ihrer Stoner-Heavy-Psychedelik. Die anschließenden Lombego Surfers im Kafé machten ihrem Namen alle Ehre, auch wenn sie damit an mir etwas vorbeispielten: Surfsound mit Punkattitüde und Tito & Tarantula-Anklängen. Die anschließend im Saal auftretenden Rotor schlugen zumindest teilweise in eine ähnliche Kerbe wie Colour Haze, haben aber etwas abwechslungsreichere Kompositionen mit mehr Überraschungen und Wechseln, bei denen auch mal ein 7/8 eingestreut wird, was dem Progger in mir natürlich gefällt. Manches war vielleicht ein bisschen holprig, aber Rotor sind durchaus ein Kandidat für "Hm, davon könnte man auch einmal eine CD antesten." Falls es soweit kommt, gibt es das hier natürlich zu lesen.

Die nächste Band im Kafé (Hainloose? Ich bin nicht sicher) schlugen ebenfalls in die Heavy Psychedelia-Kerbe, wieder gitarrendominiert (überhaupt hatte keine der genannten Bands außer Bass, Gitarre, Schlagzeug und notfalls Gesang andere Instrumentierungen im Angebot) und fett, aber durch das Überangebot an diesem Sound und die wenig - siehe oben - gemütlichen Umstände liefen sie mehr oder weniger an mir - im Flur - vorbei. Ähnliches gilt für On Trial aus Dänemark, wobei die Reste ihres kraftvollen, krachigen Spacerocks, die über den Flur zu mir drangen, durchaus ansprechend wirkten.

Fürs nächste Jahr wäre jedenfalls ein Ortswechsel anzudenken. Zwar bietet das Kult mit seiner urigen Atmosphäre ein sehr angenehmes Umfeld, aber bei solchen Zuschauerspruch sind die Grenzen seiner Kapazität erreicht. Vielleicht wäre ein Umzug ins Feierwerk eine Alternative? Denn mit mehr Platz und Luft hätte ich auch - obwohl es auch so schon 2:30 nachts wurde, bis ich zuhause war - noch mehr Bands und Konzerte noch mehr genießen können. Und darum sollte es ja gehen.

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