Steve Vai, Ulmer Zelt, Ulm, 4.7.2007
Wenig Glück in letzter Zeit mit den letzten Konzertbesuchen. Nach Regen während Panzerballetts beim TUNIX war's gestern mit Steve Vai im Ulmer Zelt wahrerwortesinneweise auch fast Essig: Auf der Autobahn staut's, also abgefahren - wie fast alle anderen auch, woraufhin es nicht nur auf der A8 staut, sondern auf der B10 auch. Und wie: ca. 5 Kilometer Fortschritt in zweieinhalb Stunden, mitten in der Pampa, ohne Möglichkeit abzubiegen. Umkehren auch sinnlos, da nahezu gleicher Stau in Gegenrichtung. Ergebnis: Viereinhalb Stunden Fahrzeit für die 130 Kilometer nach Ulm, dementsprechend eine gute Dreiviertelstunde Restkonzert. Folgende Bemerkungen also in diesem Lichte gefiltert: Nicht mal halbes Konzert gehört, obendrein während des Schlagzeugsolos angekommen, vermatschter Festplatz, volles Zelt, schwer genervt sowie leicht dehydriert gewesen.
Hat sich die Tort(o)ur gelohnt? Natürlich nicht. Aber wofür würden sich dreieinhalb Stunden Stau bei Dreckswetter schon lohnen? Ich glaube nicht, dass es ein schlechtes Steve-Vai-Konzert war. Das, was ich mitbekommen habe, war etwa das, was ich von einem Steve-Vai-Konzert erwartet hätte: Natürlich stand Vais Gitarrenspiel sehr im Vordergrund, und, ich mein', deshalb kommt man hauptsächlich zu Steve Vai. Aber: Wieder wurde klar, dass bei Vai im Gegensatz zu anderen Shreddern nicht nur Geschwindigkeit Trumpf ist (reichlich flink ist er natürlich), sondern dass die verschiedenen Arten und Weisen, einer E-Gitarre Töne zu entlocken (Tapping, Tremolo, Flageolets, Streicheln, Schlagen etc.) wichtiger als nur Hochgeschwindigkeitsgefrickel sind. Ob der Einsatz diese Techniken immer im Dienst der Musik steht oder auch zum Showeffekt verkommt, darüber kann man debattieren. Kein Showeffekt, sondern wohl wirklich einfach Vais Art sind seine Posen und Grimassen - der sein Haar anblasend platzierte Ventilator hätte aber nicht sein müssen.
Wie gesagt: Gitarren-Stunts waren zu erwarten und habe ich erwartet. Erhofft hatte ich mir aber auch angesichts zweier beteiligter Geiger(innen) und der aktuellen symphonischen Vai-Veröffentlichung "Sound Theories" ein etwas orchestraleres Klangbild. Davon war aber während meines Restbesuchs des Auftritts nicht sehr viel zu hören (in der ersten Hälfte des Konzerts mag es anders gewesen sein). Genauer gesagt waren die Beiträge der Violinisten an meinem Standpunkt direkt links der Bühne schwer zu hören - wie übrigens auch Bryan Bellers Bass.
Cool und sympathisch war auf jeden Fall, dass Vai die 14jährige Ulmerin, Nachwuchsgitarristin und Vai-Fanatikerin Yasmin Hofer für ein gemeinsames Stück auf die Bühne holte und sich beim gemeinsamen/duellierenden Solieren vergleichsweise zurückhielt. Und dafür, dass sie wahrscheinlich zum ersten Mal vor einem so großen Publikum und obendrein gemeinsam mit einem Idol auf der Bühne stand, schlug sich Yasmin nicht nur gut, sondern wirkte auch locker. Respekt.
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Kommentare
Es gab natürlich auch alte Hits bzw., soweit ich das von anderen Besuchern gehört habe (ich hab ja nur knapp die zweite Hälfte, wenn überhaupt so viel, persönlich mitbekommen), wurde bis auf die verschiedenen Solo-Spots großteils bekanntes Material gespielt. Aber kein Wunder, auf Sound Theories sind ja auch ein Haufen neuer Arrangements alter Stücke. Ne Setlist vom Konzert in Luxemburg gibt's hier:
http://zongadude.free.fr/Vai2007setlist.jpg
Die dürfte recht typisch sein.
Das Konzert hätte ich auch gerne gesehen. Hat der gute Mann den ein paar alte "Hits" gespielt? Oder nur den neuen Sound Theories Kram?
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