21.06.2006

Special Kick, Unterfahrt, München, 20.6.2006

Dinge, von denen ich nicht wusste, dass ich sie schon immer mal sehen wollte: Einen Schlagzeuger, der während seines Solos drei Hihats gleichzeitig bedient. Ja, das geht, wenn man nur hinreichend flinke Füße hat - wie Marco Minnemann ("Seriously folks -- Marco is completely beyond belief"; Mike Keneally) gestern während des ersten Abends der knapp einwöchigen "Special Kick"-Residenz in der münchener Unterfahrt eindrucksvoll demonstrierte.

Gegenüber der Special-Kick-Jam-Session an gleicher Stelle letztes Jahr gab es eine Besetzungsveränderung: Saxophonist Libor Shima war in seiner Eigenschaft als Fagottist beim Radio-Sinfonieorchester bei einem Open-Air-Konzert eingespannt. So rückte ein junger Keyboarder für seinen ersten Auftritt mit der Band nach, dessen wegen seiner armenischen Abstammung nicht leicht zu merkenden Namen ich leider prompt vergessen habe und der laut Wolfgang Schmids Ansage zu den Schülern von "Special Kick"-Gitarrist Peter Wölpl an der Mannheimer Popakademie zählt.

Dies hatte natürlich Auswirkungen auf den Sound, nicht nur durch das fehlende Sax und zusätzliche Tastenklänge. Peter Wölpl etwa spielte - wenn ich mich recht ans letzte Mal erinnere - weniger mit Effekten und weniger flächig, vielleicht um nicht mit seinen Sounds den begleitenden Keyboardpassagen (hauptsächlich Hammond und E-Piano) in die Quere zu kommen. Solistisch überzeugt der neue Mann vor allem bei seinen stark perkussiven, aber mitreissenden Orgel-Soli; die Soli am Rhodes wirkten eher zögerlich und stellenweise ein wenig richtungslos. Aber auf jeden Fall Respekt: Sich mit Mitmusikern solchen Kalibers auf die Bühne zu begeben und dabei auch noch eine im Großen und Ganzen gute Figur abzugeben ist bereits aller Ehren wert.

Ansonsten gab's wie beim letzten Mal ein mitreissendes Konzert mit funkigem Jazzrock mit einer herausragendem, groovenden Rhythmus-Gruppe und einem sichtlich spaßig aufgelegten Wölpl. Bemerkenswert aber, dass es gerade während der ersten beiden Drittel des Konzertes viele ruhige Momente gab (gegen Ende ging dann erwartungsgemäß eher die Post ab), man sogar oft den Eindruck haben konnte, dass die Band bei mehreren möglichen Wegen eher den hin zur Reduzierung ging - ohne dass es aber langweilig wurde, was auch für die musikalische Klasse der Gruppe spricht.

Dies ist nicht zuletzt deshalb bemerkenswert, da es sich bei allen Beteiligten um ausgesprochene Virtuosen handelt, die problemlos einen ganzen Auftritt mit Extrem-Gefrickel füllen könnten. Aber natürlich gab's auch einen ordentlichen Anteil an kinnladenstrapazierenden Soli, darunter das oben schon erwähnte von "the stupefyingly amazing Marco Minnemann" (Bryan Beller), der atemberaubende Unabhängigkeit seiner Gliedmaßen und Koordination demonstrierte, dabei aber die ganze Zeit "wie ein Kind im Spielzeugladen" (Zitat der andere Uli) wirkte.

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