29.05.2007

Sonnenstrand & Nessebar

Sonnenstrand (bulgarisch Slantschew brjag) ist eines der Haupttourismus-Ziele an der bulgarischen Schwarzmeerküste. Dieses "Seebad" ist kein gewachsener Ort, sondern wurde speziell als Ferienziel seit den 60er Jahren hochgezogen. Dementsprechend sieht's auch dort aus: Wenn man einen Reisenden mit verbundenen Augen in ein Flugzeug setzen und ihm erst am Strand von Slantschew brjag die Binde wieder abnehmen würde, müsste er wohl ein Weilchen genauer hinschauen, um festzustellen, dass er sich nicht in einem der Tourismuszentren Mallorcas, der Costa del Sol oder der kanarischen Inseln befindet.

Immerhin: Mitte Mai hat die Schwarzmeer-Saison wohl noch nicht begonnen. So war es zwar nicht menschenleer, aber noch recht entspannt, als wir in Sonnenstrand eintrafen. Und in einem der guten Hotels am Rande des Orts hat man auf jeden Fall mehr Ruhe als im Zentrum, ohne weit weg vom "Geschehen" zu sein, falls man darauf Wert legt. Das Meer war aber bereits erstaunlich warm, warm genug, um beim ebenfalls immer wieder sehr guten Wetter mit angenehmen Außentemperaturen weit über 20 Grad Celsius darin ohne Schockeffekte und Unterkühlung auch längere Zeit zu schwimmen. Der Strand ist wirklich ewig lang, recht breit und gepflegt. Besonders angenehm ist, wie flach abfallend es hier ins Meer geht: Teilweise stand man auch als Nichtriese erst nach 30 Metern hüfttief im sehr klaren und ruhigen Wasser, das außerdem deutlich weniger salzig als normales Mittelmeer- oder Atlantikwasser ist.


Sonnenstrand vom Meer aus


Tja, nicht arg viel los, Mitte Mai

Bei weniger gutem Wetter und/oder Lust auf etwas anderes als Strandabhängen kann man von Sonnenstrand selbst aus locker zu Fuss am Strand entlang nach Nessebar latschen, einem kleinen, idyllisch auf einer Halbinsel gelegenen Städtchen, das auch zum UNESCO Weltkulturerbe gehört. Je nach dem, in welchem Teil Sonnenstrands man los läuft, dauert der Spaziergang ein bis zwei Stunden. Man kann auch hin oder zurück eines der kleinen Boote nehmen, die ständig zwischen Nessebar und Sonnenstrand pendeln, was aber ein wenig teurer kommt als die anderen öffentlichen Alternativen Minibahn oder Linienbus.

Leider ist Nessebar, obschon es den pittoresken lokalen Baustil kleiner Häuser mit überhängenden oberen Stockwerken in hübschen Gassen sowie etliche sehr schöne alte orthodoxe Kirchen bietet, diese teils als Ruinen, teils intakt, ziemlich komplett zur Touristenfalle umgebaut worden, ähnlich wie z.B. große Teile des Kerns von Rhodos-Stadt. Ein etwas beschaulicheres und weniger kommerzialisiertes ähnlich hübsches Städtchen ist das nicht sehr weit entfernte Sosopol, aber dazu später mehr.


Nessebar von Sonnenstrand aus







 

Kommentare

Die Preise in Nessebar sind für bulgarische Verhältnisse wirklich hoch. Wir waren letztes Jahr ein paar Tage in Pomorje, was zwischen Nessebar und Burgas liegt. Dort kann der normale Bulgare so alle zwei Jahre in den zahlreichen Privatunterkünften für ein paar Tage Urlaub machen. In der Innenstadt ist abends dann der Bär los. Deutsche sieht man kaum. Nur mal ein paar Tschechen, Slowaken oder Serben. Die finanziell etwas besser gestellten Sofioten lassen dann die Sau raus und machen sich bei den übrigen Landsleuten sehr „beliebt“. Alles ist nicht so gut gepflegt wie in den westlich orientierten Touristenhochburgen, aber für die Einheimischen halt noch einigermaßen erschwinglich.

An den Ausfallstraßen der Stadt stehen im Sommer Damen und auch Herren mit Schildern in kyrillischer Schrift in den Händen. Wenn man anhält, steigen sie zu den Leuten ins Auto und lotsen diese Leute in ihre Privatunterkünfte. Wir haben in zwei Zimmern gewohnt, welches ein älteres Ehepaar im Sommer geräumt hat, um es an Touristen zu vermieten. War alles sehr einfach, aber sauber.

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