08.02.2006

Skizze 2 zu Paraphernalien einer Prog-Mythologie

Vielleicht liegt es am momentanen mehr als bescheidenen Winterwetter, dass ich mich analog dazu auch hier auf verbales, historisches und emotionales Glatteis begebe. Aber weder habe ich mir den Begriff ausgedacht (zum ersten Mal untergekommen ist er mir Ende der Neunziger im Usenet, siehe dazu etwa Google Groups), noch verschwindet er durch Nichtbeachtung, auch wenn er zugegebenermaßen nur informell und nicht allzu häufig verwendet wird (und wer ihn verwendet, läuft sowieso Gefahr, "Godwin's Law" in Kraft treten zu lassen). Es geht - passend zur Überschrift - um eine Art mythologisches Wesen: den Prognazi.

Wobei es, glaube ich, nicht korrekt ist, von "dem Prognazi" zu sprechen. Denn innerhalb des entscheidenden Charakteristikums kann man mehrere Typen unterscheiden. Als "Prognazis" werden in manchen Kreisen Progressive-Rock-Fans bezeichnet, die auf pauschale, geringschätzige, unfaire und diskrimierende Weise bestimmte Musik und deren Fans verdammen. Typische, verschiedene Ausprägungen beschreibende (die im Übrigen u.U. einander widersprechende Positionen vertreten), aber nicht unbedingt das komplette Bestiarium ausmachende Vertreter:

  • Prog-Fans, die glauben, dass alle Pop-/Rock-Musik außerhalb des Prog-Bereichs minderwertig sei.
  • Prog-Fans, die glauben, dass Bands und Alben, die in direkter musikalischer Nachfolge der "Big 4" stehen, als "Progressive Rock" bezeichnet werden dürfen.
  • Prog-Fans, die jeden Prog, der im Gegensatz zu obskuren Kult- und Eingeweihten-Favoriten - innerhalb der Prog-Szene populär ist, als musikalisch minderwertig ansehen.

Aber wie alle mythologischen Wesen kommen reinrassige Prognazis in der freien Wildbahn selten vor. Hoffentlich bleibt es auch dabei, damit dieser Eintrag nicht mehr als eine Fußnote in der Prog-Mythologie bleiben kann.

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