Signale - Ein Weltraumabenteuer
Seltsamerweise ist der vorliegende Film, "Signale - Ein Weltraumabenteuer" von 1970 nach Motiven des Romans "Asteroidenjäger" von Carlos Rasch, nicht Teil des "Science Fiction Special Edition"-3-DVD-Boxsets mit DEFA-Filmen. Daran, dass "Signale" "verschollen" sei, kann es kaum liegen, denn er läuft gegelegentlich im Fernsehen, meist im Pay-TV-Kanals Sci Fi, einmal sogar auf VOX im Free-TV. Schlechter als die anderen Filme aus der Box ist er ebenfalls nicht, jedenfalls nicht deutlich schlechter als der darin enthaltene zweite DDR-Science-Fiction-Film von Regisseur Gottfried Kolditz, der eher wirr und billig wirkende "Im Staub der Sterne". À propos: Kolditz inszenierte später auch den ein oder anderen Indianerfilm mit dem Pierre Brice des Ostens, Gojko Mitić. Dieser hat auch eine der Hauptrollen in "Signale".
Ich muss zugegeben: Wenn ich Science-Fiction-Filme aus dem ehemaligen Ostblock anschaue, bin ich fast immer auf der Suche nach ideologischen Untertönen, obwohl ich ehrlich gesagt nicht genau weiß, ob Filmemachern inhaltlich-kommunistische Vorgaben gemacht wurden. Dass andersherum ideologisch unliebsame Filme aus dem Verkehr gezogen wurden bzw. nicht ins Kino kamen, ist mir bekannt - was natürlich auf Autoren und Regisseuren, die ihre Werke vor's Publikum bringen wollten, auch abseits expliziter Vorgaben vorauseilende Wirksamkeit gehabt haben dürfte.
Im Lichte des Wissens um diese evtl. unfaire Belastung durch Vorurteile, folgende Beobachtungen: Schon in der schweigende Stern wurde eine offensichtlich sehr internationale Besatzung zur Venus losgeschickt. Auch in "Signale - Ein Weltraumabenteuer" bestehen die diversen Raumschiff-Crews aus ganz eindeutigen verschiedenen Nationen und Rassen entstammenden Menschen. Dies dürfte schon dem sozialistischen Idealbild der Völkerfreundschaft entsprechen. Außerdem utopisch anmutend: Dass in Zukunft am Strand jeder ein radschlagender, handstandmachender und handlaufender Athlet ist, eine fröhlich-heitere Zukunftsvision, aber gleichermaßen auch eine infantil-nervige.
Jetzt zur Science Fiction selbst: Ich bilde mir ein, in "Signale" deutlich den Einfluss von "2001" festzustellen. Ähnlich wie in Kubricks Film gibt es hier ein Übermaß von Kreisbewegungen, allerdings weniger in den Kulissen, als hier von der Kamera aus. Dazu kommen sehr sorgfältig erstellte Modelle, sichtbares Bemühen, die Szenen im Weltraum halbwegs realistisch zu gestalten, insbesondere was die Auswirkungen der Schwerelosigkeit angeht, sowie tatsächlich ausnahmsweise einmal totale Stille in den All-Aufnahmen.
Leider steht all dies weder im Dienste einer spannend-vereinnahmenden Geschichte noch - wie im Fall von "2001" einer reflexiven filmischen Meditation rund ums Wesen der Menschlichkeit. Aus dem Titelthema "Signale" hätte man im SciFi-Zusammenhang sicher noch mehr herausholen können, aus dem Menschen als unvermeidlich Zeichen produzierendem und Zeichen rezipierenden Wesen, und der speziellen Abhängigkeit von funktionierenden Signalkanälen in der Weite des Weltraums.
Ansatzweise kommt dies vor: Das Raumschiff Ikarus empfängt Signale, die anscheinend von einer fremden Intelligenz stammen, wird aber gleichzeitig von einem Asteroiden-Schwarm schwer beschädigt - und kann anschließend selber keine Nachrichten mehr senden, die signalisieren würden, dass es noch Überlebende gibt. Diese treiben also hilflos, mit sich dem Ende zuneigenden Energie- und Sauerstoff-Reserven im All.
Obwohl die offizielle Untersuchtung des Ikarus-Unfalls bereits abgeschlossen ist, läßt sich Raumschiff-Kommandant Veikko mit einer ausgesuchten Mannschaft auf einen Routine-Auftrag in die Gegend der Katastrophe schicken, da er die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat. Dort stößt er und sein Team sowohl auf die geheimsvollen Signale, als auch auf die Reste der Ikarus, die versuchen muss, deren Besatzung versuchen muss, auf sich aufmerksam zu machen, um gerettet zu werden.
Weder der dramatische noch der spekulative Aspekt dieser Geschichte stehen im Vordergrund, sondern "Signale" plätschert, zugegebenermaßen gut photographiert, unspektakulär vor sich hin - und Frage nach einer möglichen außerirdischen Intelligenz und dem Ursprung der Signal wird schließlich komplett ignoriert oder vergessen.
Deshalb: Was die DEFA-Science-Fiction angeht, rate ich eher zu dem befriedigerenden, wenn auch etwas konventionelleren "Der schweigende Stern" oder zu dem stilistisch und inhaltlich ähnlich gelagerten, aber geschlosseneren "Eolomea".
Weitere aktuelle Beiträge
- 08.02.2009 - 13:36
- 04.02.2009 - 10:11
- 20.01.2009 - 16:49
- 14.01.2009 - 14:21
- 11.01.2009 - 16:42
Audio-Beiträge
- 24.11.2008
- 24.10.2008
- 23.07.2008
- 01.06.2008
- 08.04.2008
Bildergalerien
- 11.01.2009
- 12.11.2008
- 16.10.2008
- 30.09.2008
- 15.09.2008
Kommentare
Kommentar hinzufügen