08.06.2006

Shock Waves

Dass es ein eigenes kleines Untergebiet des Zombie-Film-Genres namens "Nazi Zombie Movies" gibt, ist wenig erstaunlich. Immerhin gehören Nazi-Figuren seit ewig und drei Tagen zu den beliebtesten Bösewichten im Filmgeschäft, sei es in Action-Film, Horror oder Komödie. Obendrein gibt es schon seit dem Ende des Dritten Reichs nicht verstummen wollende Spekulationen rund um die angeblichen okkulten Verstrickungen von des NS-Regimes, etwa Theorien um Nazi-UFOs, die NS-Wissenschaftler angeblich entwickelten, oder Hitlers Interesse an der Heiligen Lanze etc. Gefundenes Fressen für Filmemacher, natürlich - siehe nicht nur obskure Zombie-Streifen, sondern etwa "Indiana Jones – Jäger des verlorenen Schatzes" oder "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug".

"Shock Waves" (deutscher Beititel: "Die Schreckensmacht der Zombies"...) kombiniert solcherlei Ideen (namentlich, dass das Dritte Reich aus getöteten Verbrechern und gefallenen SSlern eine Rasse von nahezu unbesiegbaren Super-Kriegern erschaffen ließ) mit einem weiteren obskuren Genre: Unterwasser-Zombie-Filme, ihrerseits eine Abart der Meeres-Zombie-/(Geister)Schiff-Zombie-Filme (vergl. auch den Familienfilm-Hit "Fluch der Karibik"!)... Also: Ein Unterwasser-Nazi-Zombie-Film. OK, das klingt wie das Rezept für einen unvorstellbar üblen Schund-Cocktail. So schlimm kommt's aber gar nicht.

"Shock Waves" ist nämlich eher ein kleiner, traditioneller Low-Budget-Horrorfilm, der seine Wirkung weder aus blutigen Gewaltorgien noch aus billigen Schockeffekten bezieht, sondern aus der generell düster-unheimlichen (wenn auch nicht unerträglich spannenden) Atmosphäre und der Beklemmung, die durch die nach einer halben Stunde der Omen und Vorahnungen stets präsenten stummen, sonnenbrillenbewehrten Zombie-SS-Leute erzeugt wird, die nach 30 Jahren des Eingeschlossenseins unter Wasser befreit und wieder zum Unleben erweckt werden und die schiffbrüchige Besatzung und Gäste eines kleinen Ausflugsbootes auf einer Insel dezimieren. Ihr ehemaliger Kommandant wird übrigens gespielt von der Horror-Legende Peter Cushing, der auch im Vorspann und in der Werbung vom Film in den Vordergrund gestellt wird. Tatsächlich betrug seine Mitwirkung nur vier Drehtage (und 5000$ Gage) und raffiniert verstreute Szenen in der zweiten Hälfte des Films; ähnliches gilt für den zweiten bekannteren Namen, John Carradine, in diesem Fall aber für die erste Hälfte der Geschichte.

Insgesamt ist "Shock Waves" aber leider ein wenig zu unspannend geraten, um trotz nett-düsterer Atmosphäre angesichts der Abwesenheit von Gore oder Schocks auf die gesamte Laufzeit zu fesseln: Gerade in der letzten halben Stunde erheben sich die Nazi-Untoten ein paar Mal zu oft bedeutungsschwanger aus untiefen Wassern, bevor ein weiteres Opfer das Zeitliche segnet.

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