Shatner spricht
1968 veröffentlichte William Shatner aka Captain Kirk aus unerfindlichen Gründen ein Soloalbum. Naja, in guter Gesellschaft befand er sich damit wenigstens: Leonard Nimoy sang schliesslich auch, ebenso wie Radi Radenkovic. Die ebenso dramatischen Orchesterarrangements wie nahezu hysterisch deklamierten Texte (teils klassische Literatur, teils bizarre Cover bekannter Songs wie "Mr. Tambourine Man" oder "Lucy In The Sky With Diamonds"...) sicherten der LP "The transformed man" den unvermeidlichen Kultstatus.
Die CD-Auflage von 1995 war lange Jahre vergriffen und wurde bei eBay zu Preisen von dutzenden von Dollar gehandelt. Als nur mäßig erfolgreiche Ersatzdroge bot sich nur die Zusammenstellung "Spaced Out" an, auf der hauptsächlich Solo-Material von Nimoy zu finden war, der leider Gottes sogar ein bisschen singen kann, vor allem auf seinen späteren Platten (ja, es gibt mehrere...), was daher grösstenteils nicht annähernd so amüsant war wie die wenigen eingetreuten Bildungsbürger-Proto-Raps Shatners.
Aber die Rettung für Komplettisten-Trekkies naht: im Dezember wagt sich Geffen endlich an die lange fällige CD-Neuauflage, obendrein zum absoluten NicePrice von weniger als 10$. Das Ganze dürfte ausgelöst sein durch Shatners, an dieser Stelle schon erwähntes vor kurzem erschienenes neues Album, "Has Been", das ihm der unvergleichliche Ben Folds auf die Sprechstimme geschneidert hat. Shatner hatte mit Folds schon für dessen erstes Solo-Projekt "Fear Of Pop Vol.1" zusammengearbeitet. Dabei kam der beste Song des Albums raus, "In love", eine bittere Abrechnung mit einer Ex-Geliebten, die in zuckersüsse Streichersoße getaucht war, was den bösen Sarkasmus des Texts umso stärker hervortreten liess.
"Has Been" ist natürlich nicht so kultverdächtig wie "Transformed man": dafür ist es einfach zu gut. Zwar wird die Tradition aberwitziger Coverversionen mit Pulps "Common People" weitergeführt, mit dem Titelstück gibt's ein selbstironisch überladenes Spaghetti-Wester-Epos, und Shatners Duell mit Henry Rollins auf "I can't get behind that" beweist, dass er mit den Besten mitkeifen kann. Aber andere der Songs sind einfach einen Tick zu gewöhnlich, auch wenn Folds wiederholt sein bekanntes Geschick für anrührende Arrangements und schöne Melodien unter Beweis stellen kann.
Zum vollständigen Trekkieglück fehlt jetzt nur noch eine Wiederveröffentlichung, die allerdings äußerst unwahrscheinlich scheint: "William Shatner live!", eine Doppel-LP(!) von 1977, die dokumentiert - kurz bevor Shatner mit den Star Trek Kinofilmen wieder eine Brücke unter den Füssen gewann - , wie er auf einer Convention über sich und Captain Kirk schwadroniert sowie obskure Gedichte und Krieg der Welten rezitiert...
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