12.06.2006

Shaolin Soccer / Football / Kickers

Es gibt kein Entrinnen. Fußball, Fußball, Fußball, überall. Da macht man es sich vor dem heimischen DVD-Spieler mit Kampfkunst-Kontrast-Programm gemütlich - und irgendwo auf dem Weg zwischen dem Einlegen der DVD und dem Starten des Films mutiert dieser zu Stephen Chows "Shaolin Kickers", einem - was sonst? - Fußball-Film. Das hätte mich nicht wundern sollen. Unlogisch ist die Verbindung "Martial Arts" und Fußball nicht, schließlich versteht der ein oder andere das aktuell allgegenwärtige Ballspiel als Fortführung des Kriegs mit anderen Mitteln. Wenigstens ist "Shaolin Soccer / Football / Kickers" nicht nur Sportfilm, sondern auch Komödie, was Fußball-Spiele ja auch sein können, wobei dort wohl häufiger Schmierenkomödien gegeben werden.

"Shaolin Kickers" greift inhaltlich ähnliche Motive wie Chows anschließender Film Kung Fu Hustle auf: Eine Reihe ehemaliger Shaolin-Schüler im modernen China / Hong Kong müssen sich ihrer im grauen Alltag verloren gegangener Kenntnisse und Fähigkeiten erst wieder gewiss werden, quasi ihr Chi wieder zum Fließen bringen. Dazu kommt in einer Nebenhandlung eine kleine "Liebesgeschichte mit Umwegen" zwischen der Hauptfigur und einem benachteiligen Working-Class-Mädchen (in "Kung Fu Hustle" eine Stumme Straßenverkäuferin, hier eine entstellte Bäckerin).

Die ehemaligen Shaolin-Schüler ("Erster Bruder" bis "Fünfter Bruder") formen eine Fussball-Mannschaft, um Werbung für Kung Fu zu machen. Diese wird von einem ehemaligen Starspieler trainiert, dessen Karriere durch ein absichtliches brutales Foul und die dadurch verursacht Behinderung zerstört wurde, was diesem die Möglichkeit gibt, es seiner schleimigen Nemesis, heutzutage seinerseits Erfolgstrainer, mit Hilfe des Kung-Fußball seiner Schützlinge heimzuzahlen. Letzteres ist natürlich ein typischer Sportfilm-Handlungsbogen: Underdog-Mannschaft, trainiert von Außenseiter, mischt das Establishment auf.

Diese Verbindung aus Martial-Arts- und Sportfilm-Motiven wird mit dem typischen etwas albernen, aber charmanten Chow-Humor vollzogen: Überzogener comic-hafter Slapstick mit Hilfe von hier noch etwas groben (d.h. als solche deutlich erkennbaren) Computer-Effekten, urplötzliche Musical-Einlagen, Genre-Sprünge innerhalb einer Szene etc. Manchmal wirken diese Elemente etwas forciert, manchmal durch ihre unvorbereitete Unmittelbarkeit hysterisch komisch, manchmal nur albern. Aber von kleinen Längen zwischendrin und dem mehr als vorhersehbaren Ende abgesehen sorgen sie für einen unterhaltsam und ungewöhnlichen kleinen Film der anderen Art, der intimer als Kung Fu Hustle daher kommt, aber eben auch nicht ganz so spektakulär.

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