02.09.2006

Schreibschrift

Das P-Wort rührt nach wie vor verstärkt sein Haupt. Wie Harald in [progrock-dt] berichtet, sogar im Feuilleton der altehrwürdigen FAZ, wo die Rede von der "Prog-Rock-Band ' Cursive'" gewesen sei. Fein, fein. Mit dem kleinen Problem, dass Cursive keine "Prog-Rock-Band" sind. Nicht dass wir uns falsch verstehen: Proggige Elemente haben Cursive auf ihrem aktuellen Album "Happy Hollow" einige zu bieten, etwa etliche ziemlich schräge Momente in den Gitarrenriffs oder viele unerwartete Brüche in den Kompositionen. Dazu kommen verspielte Arrangements mit Bläsern und verschiedenen Effekten.

Trotzdem bleiben Cursive im Großen und Ganzen eher dem Indie-Rock-Sound verpflichtet und geraten sie gelegentlich etwa in die Nähe der ausnehmend guten "Firewater". Und durch die immer wieder auftauchenden fetzigen Ska-Rhythmen sind auch die altbekannten Pogo-Punker von den Cardiacs nicht weit weg, und somit ist der Zürcher Tages-Anzeiger ist schon näher dran: "Fast scheint es bei Cursive, als könnten sich die Intimfeinde Progressive Rock und Punkrock ganz gut vertragen."

Ob es jetzt als Fortschritt zu sehen ist, dass im herkömmlichen Kritikerlager nicht mehr nur historisch vorbelastete und dadurch kaum faire "Bösewichte" sitzen, sondern anscheinend inzwischen junge Vertreter, die vom Begriff "Prog" nur noch eine unscharfe Vorstellung haben, bleibt wohl abzuwarten. Die krasse Ablehnung ersterer hat den Vorteil, dass dadurch auch das eigene Profil geschärft bleibt, was im bei zweiteren eben genau nicht mehr der Fall ist. Aber vielleicht ist diese teils aufgenötigte, teils freiwillige Mutation und Adaption ja genau das, was das Genre braucht, um im 21. Jahrhundert überleben zu können.

Kommentare

Was ist das für ein grässliches cover: Wollen die einen erschrecken ?!?

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