29.06.2004

Schlechter Geschmack vom Herrn der Ringe

Am Wochenende hab ich's endlich geschafft, mir Peter Jacksons "Bad Taste" anzusehen, sein erster wirklich veröffentlichter Film (vor Bad Taste hatte Jackson seit seiner Jugend schon eine Reihe kurzer Filme mit der Kamera seiner Eltern gedreht). Und, man höre und staune, dieser billig gemachte Amateurstreifen macht mir wesentlich mehr Spass als (Asbestanzug an) die weitgehend missratene Herr Der Ringe Verfilmung. "Bad Taste" ist ein Horror-Komödien-Splatter-Film, der mit geringsten Mitteln über mehrere Jahre in Peter Jacksons neuseeländischer Heimat entstand.

Die Story ist schnell erzählt: Aliens sind auf der Erde gelandet und haben die Bewohner eines neuseeländischen Kaffs gemeuchelt, um Menschenfleisch als neue Attraktion für eine Weltraum-Fastfood-Kette zu entwickeln. Eine geheime Regierungseinheit riecht den Braten. Jede Menge Gemetzel folgt.

Die Regierungseinheit sieht verdächtig aus wie neuseeländische Slacker. Die Aliens in menschlicher Verkleidung sehen verdächtig aus wie neuseeländische Slacker (in Alien-Gestalt sehen sie verdächtig aus wie Jacksons Orks 15 Jahre später...). In der Tat: fast alle Darsteller waren Freunde und Bekannte Jacksons und arbeiteten parallel auch als Bühnenbildner, Techniker und Co. Für eine Heimarbeit, wie "Bad Taste" sie ist, ist der Film hervorragend gemacht: selbstgebaute Kamerakräne, eine Steady Cam und verblüffend viele Special Effects und Latex-Aliens. Die rasanten Kamerafahrten lassen zum einen Jacksons späteren Stil schon erahnen, entstanden zum anderen wohl auch daraus, dass Jacksons Kamera maximal 30 Sekunden Film am Stück aufnehmen konnte...

Natürlich gibt es jede Menge spritzendes Blut, tropfende Hirnmasse und quellende Eingeweide, aber die ganzen Splatter-Momente sind offensichtlich bewusst auf Lacher getrimmt, nicht auf Ekel. Überaus zartbesaitete Naturen sollten sich den Film besser nicht geben, aber im grossen und ganzen ist das alles so grotesk, dass es niemandem weh tun sollte.

Ähnlich wie Kevin Smiths "Clerks" (den Smith mit keinem seiner bisherigen späten Filme mehr toppen konnte) hat "Bad Taste" unbestreitbaren Do-it-yourself Charme, durch den die technischen Mängel wie die - auch im Original - reichlich holprige Synchronisation und das billige Ambiente mehr als ausgeglichen werden.

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