Saw II
Die Reaktionen, die ich zu "Saw II" im Nachhinein gelesen habe, scheinen sich großteils in zwei Fraktionen aufzuteilen: diejenigen, die den ersten Teil mochten und den zweiten nicht, und umgekehrt. Von der Symmetrie her passt meine eigene in dieses Bild: Saw ließ mich - im positiven wie im negativen Sinne - eher kalt, und auch der Nachfolger hat mich weder begeistert noch enttäuscht: ein halbwegs spannender, vergleichsweise grausamer Thriller mit dem heutzutage (spätestens seit "The Sixth Sense", siehe auch "Haute Tension") obligatorischen End-Twist. Streng genommen gibt es sogar zwei solche Wendungen, wobei die eine nicht sehr überraschend und die andere inhaltlich problematisch ist.
Erstmal, bevor es in spoiler-vermintes Gelände geht: "Saw II" ist wegen der aufgebauten, wenn auch nicht nervenzerfetzenden Spannung und des zügigen Erzähltempos unterhaltsam, ergibt also trotz vieler mehr oder weniger kleiner Probleme einen nicht verschwendeten Kinoabend. Der sogenannte "Jigsaw"-Mörder aus dem ersten Teil hat diesmal gleich 7 oder 8 Personen eingesperrt, die einen qualvollen Giftgastod sterben werden, wenn sie nicht bei seinem "Spiel" mitmachen und seine Rätsel lösen, die zu den Spritzen mit dem Gegengift führen. Einer davon ist der Sohn des Polizisten Eric Mathews, der schließlich von Jigsaw selbst zu einem Spiel aufgefordert wird.
Soweit so gut. Aber ein Anzeichen dafür, dass ein Drehbuch nicht so gut ist, wie es sein könnte, ist, dass wesentliche Elemente der Geschichte von idiotischen Handlungen der Protagonisten abhängen. Dass die von Jigsaw gequälten sich unter den Umständen und ihren großteils verkorksten Naturen zufolge nicht immer vernünftig verhalten, darüber könnte man evtl. hinweg sehen. Aber dass geschulte Einsatzpolizisten das Versteck eines Meisterkriminellen stürmen und nicht sofort mit der Untersuchung der Räume und der Spurensicherung beginnen, benötigt ein bisschen zu viel suspension of disbelieve. Auch kein gutes Zeichen, wenn auch möglicherweise Erbsenzählerei: eine für den restlichen Handlungsverlauf vollkommen überflüssige romantische Vorgeschichte zwischen Mathews und seiner Kollegin einzuführen, im Übrigen eine Figur, die auch sonst nicht unbedingt nötig gewesen wäre. Ähnliches gilt für den ein oder anderen der Gefangenen, etwa die von Beverly Mitchell ("Eine himmlische Familie") gleichermaßen wenig überzeugend wie nervig gespielte Heulsuse. Die gleiche Geschichte hätte man auch mit vier oder fünf der Personen erzählen können.
Dann die Twists. Der eine betrifft den Helfershelfer Jigsaws unter den Gefangenen. Wer ein bißchen aufpasst, kann recht schnell rausfinden, wer der Komplize/die Komplizin ist, nachdem sich der Rauch der ersten Nebelkerze zu diesem Thema ein wenig verzogen hat. Der zweite, größere Twist passt einfach nicht in die Motivation Jigsaws, wie sie im Film dargestellt wird (den Überlebenswillen seiner Opfer zu testen).
Überhaupt: was ist ein Twist wert, von dem man schon weiß, dass er da sein muss (auch wenn nicht weiß, wie genau er ausfällt)? Es wäre eher der ultimative ironische Twist, wenn in einem Film, in dem jeder von vorneherein die "überraschende Wendung" erwartet und weiß, dass sie kommen muss, diese einfach ausfallen würde, in dem alles so ist, wie es scheint. Aber ich fürchte, "Saw III", den erstens das Ende von "Saw II" nahezu aufdringlich ankündigt, und der auch schon in Produktion ist, wird wieder einen schrecklich originellen "Twist" haben. Von mir aus - wenn denn der Rest des Films dann auch originell ist. Aber bei der zweiten Fortsetzung eines "Franchise" ist eine solche Hoffnung wohl eher vergebens.
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