Run Home Slow
Dass Frank Zappa vor den "Mothers of Invention" neben Versuchen, als Komponist und Interpret von R'n'B-, Novelty- und Lounge-Jazz-Nummern Fuß zu fassen, auch die Musik für zwei Low-Budget-Filme geschrieben hat, wissen die meisten Zappa-Aficionados, die sich ein wenig näher mit Leben und Werk des Meisters beschäftigt haben. Allerdings sind beide Filme schwer zu bekommen. Dies macht die Frage umso drängender, ob es sich überhaupt lohnt, auf die Suche zu gehen. Hören wir erst, was Zappa selbst zu dem Western "Run Home Slow" zu sagen hat, dessen Drehbuch von seinem ehemaligen Englisch-Lehrer Don Cerveris verfasst wurde, was Zappa auch den Auftrag einbrachte:
"A bad ranch lady, a nymphomaniac cowgirl, and a hunchbacked handyman named Kirby who eventually ends up pooching the nympho in the barn, next to the rotting carcass of the family donkey."
Jo, stimmt, und das war's auch soweit. Denn viel mehr passiert nicht:
In einem kleinen Ort im Wilden Westen lyncht ein Mob den örtlichen Tyrannen. Einen Monat später nehmen dessen drei Kinder, die taffe Älteste, Nell, der etwas langsame Revolverschwinger Ritt, der geistig minderbemittelte Bucklige Kirby sowie die inzwischen Ritt zur Erhaltung der Hagen-Familie angetraute blonde, mehr als ein bisschen dumme Cousine Julie Ann, tödliche Rache am Hauptaufwiegler und fliehen anschließend zu Fuß in die Wüste. Dies waren ca. die ersten 15 Minuten des Films.
Dort finden die Hagens eine verlassene Farm, in der sie vorläufig unterkommen (und der Bucklige und Julie Ann tatsächlich im Schuppen neben dem verottenden Kadaver des geschlachteten Esels Sex haben). Dies waren die nächsten 60 Minuten des Films.
Julie Ann will abhauen, Kirby erwürgt sie, fällt dabei in seine eigene Axt, Ritt erhängt sich und Nell stolpert halb irre in die Wüste. Dies waren die letzten 5 Minuten des Films.
Tja.
Wie sich Mercedes McCambridge, immerhin eine Oscar-Preisträgerin (allerdings später auch die Stimme des Dämons im "Exorzist"), in diesen nicht nur billig gemachten, sondern auch so aussehenden Schwarzweiss-Film verirrt hat, kann ich auch nicht sagen. Zappa bekam immerhin 2000$ Honorar für seine Arbeit, wenn auch mit Verspätung: Ursprünglich wurden die Arbeiten am Film 1959 begonnen, 1963 wurde er fertiggestellt und erst 1965 kam er ins Kino.
Immerhin: Es gibt recht viel orchestralen Zappa im Soundtrack zu hören, und es ist schon ein kleiner Kick, zu den über galoppierende Pferdebeine gelegten Anfangstiteln das von "Mystery Disc" und "The Lost Episodes" bekannte "Run Home Slow Theme" zu hören. Nach wie vor erstaunlich finde ich, wie sehr Zappa schon Anfang der 60er als Komponist geformt war und einen eigenen Stil gefunden hatte, der sich in vielen der Cues im Film unüberhörbar äußert, etwa der Frühform von "Duke of Prunes", die mehrere Male auftaucht. Aber auch die schrägeren, freieren Passagen in der nur selten an klassischen Westernmotiven orientierten Musik erinnern schon deutlich an etwa den "200 Motels"-Zappa.
Für absolute Zappa-Komplettisten lohnt es sich also einigermaßen, sich im Netz auf die Suche nach "Run Home Slow" zu machen, allerdings ziemlich ausschließlich wegen der Musik; filmisch gibt es keinen Grund.
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