Rocketship X-M
"Rocketship X-M" (dt. "Rakete Mond startet") von 1950 stammt aus einer Zeit, als Science Fiction im Kino noch nicht zu einer Mode geworden war, zu einem Genre, das ein Stammpublikum hatte, dem man mit billigen B-Produktionen in Drive-In-Kinos das Geld aus der Tasche ziehen konnte. Auch wenn es sich um eine ziemlich Low-Budget-Produktion handelt, ist "Rocketship X-M" doch ein ernsthafter Film mit einer Botschaft (die dem Zuschauer sehr explizit auf's Auge gedrückt wird und deren Inhalt später selber zum Klischee wurde). Obendrein hat er kein Happy End, was aber teilweise daran liegen mag, dass es sich um eine Art Autorenfilm handelt: geschrieben, produziert und Regie geführt hat Kurt Neumann, sonst eher eine Art solider Auftragsregisseur.
Die titelgebende Rakete startet als erstes irdisches Raumschiff zum Mond, gerät unterwegs aber in Kalamitäten und landet schließlich auf dem Mars. Dort entdeckt die Besatzung eine zerstörte Zivilisation, die offensichtlich einem hausgemachten Atomkrieg zum Opfer gefallen ist. Zwar schafft es Rakete X-M nicht heil zurück zur Erde, die Restcrew kann aber per Funk noch von ihrer Entdeckung berichten und die Menschheit davor warnen, dass ihr ein ähnliches Schicksal bevorstehen könnte.
Bis dahin werden etliche typische Elemente des klassischen Science-Fiction-Films abgeklappert, was man "Rocketship X-M" aber kaum zum Vorwurf machen kann: Er entstand so früh, dass durch Filme wie ihn bestimmte Vorkommnisse überhaupt erst zu den Klischees wurden, die spätere Machwerke so 0815 wirken lassen, etwa den unvermeidlichen Meteoriten-Hagel im Weltraum, agressive glatzköpfige, entstellte Strahlungsopfer-Mutanten, die zivilisatorisch auf Höhlenmenschen-Stufe zurück gefallen sind, klapprige horizontale Pritschen statt vernünftiger Raumfahrersessel, die aufkeimende Romanze zwischen dem anfangs burschikosen einzigen weiblichen Besatzungsmitglied und dem romantischen Piloten oder der bemüht humorige Bordingenieur.
Eher schon kann man die fehlende wissenschaftliche Genauigkeit thematisieren, schließlich hatte Destination Moon im gleichen Jahr es deutlich realistischer zugehen lassen. Hier ist die Gravitation im Raumschiff ziemlich erratisch, die Klimaverhältnisse auf dem Mars sind bei weitem nicht so höllisch, wie sie sein müssten, die unvermeidlichen Geräusche aus dem Weltraum etc.
Trotz des geringen Budgets und der daraus resultierend durchschnittlichen Trickaufnahmen hat "Rocketship X-M" gelegentlich auch filmisch etwas zu bieten. Wenn etwa in einer Unterhaltung zwischen Pilot und Wissenschaftlerin, die deren beginnende Romanze einläutet, der Mond als romantischer Schutzpatron thematisiert wird, steht die zurückhaltende, bodenständige Frau und links am Fenster, in dem die entschwindende Erde zu sehen ist, während er rechts am Fenster mit dem näher kommenden Mond darin platziert ist: die Optik spiegelt symbolisch die Geschehnisse und Entwicklungen zwischen den Charakteren.
Und - wie erwähnt - der Romanze ist keine Happy End vergönnt: Statt des geplanten Flugs zum Mond gibt es eine Notlandung auf dem unwirtlichen, nach dem Kriegsgott benannten Mars, wo prompt eine Konfrontation mit den überlebenden Eingeborenen ansteht. Die Mars-Szenen wurden anscheinend irgendwo in einer wüstenartigen Landschaft gedreht und sind im Gegensatz zum pseudo-dokumentarischen Schwarzweiss-Look des restlichen Films in einem rotbraunen Sepia-Ton gehalten und wirken durchaus stimmungsvoll und so mit einfachen Mitteln eindrucksvoller, als es aufwändige Studiolandschaften wahrscheinlich gewesen wären.
Also: Ein hübscher kleiner früher Science-Fiction-Film, sicher mit Längen und Schwächen, aber dennoch besser als sehr vieles, was in den Jahren im gleichen Genre produziert wurde.
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