03.09.2006

Project Moonbase

Schon in "Destination Moon" wurde der Mond vor allem als militärische Basis für wichtig erachtet. Auch "Project Moonbase" (mit dem bekannten Science-Fiction-Schriftsteller Robert Heinlein als Drehbuch-Co-Autor) schlägt in diese Kerbe: Eine Raumstation als "militärischer Wächter" über die "Sicherheit der freien Welt" soll die Kolonisation des Mondes vorbereiten. Dazu sollen Raumfahrer von der Erde via die Raumstation zum und um den Mond fliegen, um diesen photographisch zu kartieren.

"Project Moonbase" geht aber noch einen Schritt weiter. Die Bedrohung durch den bösen Osten ist hier nicht nur implizit oder angedeutet, sondern ganz konkret und wird gezeigt. Offensichtlich haben osteuropäische Agenten die USA bereits unterwandert: Neben der Militär-Crew ist ebenfalls der Wissenschaftler Dr. Wernher (... wie Wernher von Braun... sehr subtil) für den Flug um den Mond vorgesehen. Allerdings wird er eigentlich nur gezwungenermaßen mitgenommen, da man die Wissenschaftskarte spielen musste, um die an sich militärische Aktion bewilligt und finanziert zu bekommen. Der Film startet nun damit, wie dieser Dr. Werher von einem offensichtlich umfangreichen und mit allen technichen Finessen und Möglichkeiten versehenen Netzwerk russischer Spione durch einen Doppelgänger ersetzt wird, der die Mission sabotieren soll.

Diese Explizierung der Angst vor kommunistischer Unterwanderung der Vereinigten Staaten sollte eigentlich 1953 zur Hochzeit der McCarthy-Ära, während derer auch verschiedene Wissenschaftler "unamerikanischer Umtriebe" beschuldigt wurden, nicht allzu verwundern. Andererseits gerieten auch verschiedene Schauspieler und Regisseure aus Hollywood ins Fadenkreuz der Ermittler. Von daher wäre von einem unabhängigen Film evtl. eine kritischere Haltung zu erwarten. Oder auch nicht, schließlich handelt es sich bei "Project Moonbase" nicht um ein reines Hollywood-Produkt, sondern wohl um eine zum Kinofilm umgedeuteten Pilotepisode für eine nie realisierte Fernsehserie. Wie auch immer: Die Angst vor feindlichen Agenten und Saboteuren im eigenen Land und deren Umtriebe ist jedenfalls nichts neues.

Angesichts dieser paranoiden, konservativen Untertöne erstaunlich ist dann, dass sowohl der Kommandeur der Mission, Colonel Briteis, eine Frau ist, als auch die USA laut "Project Moonbase" 1970 eine Präsidentin haben. Wie wir wissen, ging es so schnell damit dann doch nicht. Das motzige Kleinmädchen-Verhalten von Colonel Briteis ("Sonst schreie ich den Laden zusammen". Ja, heul doch.) wirkt allerdings nicht so, als ob sie ein Vorbild für die Emanzipation sein könnte. Andererseits benehmen sich auch die männlichen Astronauten eher wie pubertierende Teenager als wie Militärs und Profis ("The Major doesn't like for someone else to play with his toys"). Nun gut, wenn ich wie diese meinen Dienst in ohrenfreien, ansonsten eng an der Kopfhaut anliegen Kappen sowie in Strumpfhosen unter Shorts antreten müsste, wäre ich zugegebenermaßen wohl auch nicht sehr rational gestimmt.

Auch drahtloses Telefon und Kopfhörer gab es in dieser Form in den 70ern noch nicht - dennoch immerhin eine etwas realistischere Zukunftsvorstellung. Weniger naturgetreu geht es bei der Darstellung des Raumflugs zu. Das Raumschiff für die Mondumrundung ("Magellan" genannt; eigentlich wäre wohl der Name eines der Schiffe aus Magellans Flotte passender) ist vom Aussehen her zwar bereits recht nah an dem tatsächlichen Apollo Lunar Module dran, aber was etwa die Darstellung der Schwerelosigkeit angeht, ist die Wirklichkeit weiter weg.

Cool ist zwar die Andeutung der räumlichen Verwirrung ohne oben und unten auf der Raumstation durch schräge Kameraperspektiven, aber alle Bewegungen der Raumfahrer beim Gang durch die Station sehen viel zu selbstverständlich und mühelos aus, eben genauso, wie auf der Erde - nur, dass es eben keine Decke und Boden gibt, sondern beides begangen wird (aber "Please don't walk on walls"). Diese Einstellungen und Tricks, auch im Besprechungszimmer, dessen sich "gegenüber" stehende Stühle auf "Boden" und "Wand" aufgeteilt sind, ergeben einen durchaus originellen optischen Eindruck, der manches aus Kubricks "2001" vorwegzunehmen scheint, werden aber viel zu wenig eingesetzt.

Dafür gibt es einen weiteren Eintrag in der Liste der SciFi-Film-Klischees, den wir hier abhaken können: Wild blinkende Batterien von Lichtern ohne Beschriftung und erkennbaren Sinn an Raumschiffwänden.

Durch die Sabotage muss das Raumschiff übrigens ungeplant auf dem Mond notlanden. Immerhin verhalten sich die Raumfahrer angesichts dieser Situation erstaunlich locker und ungestresst. Aber dann verwundert es doch ein wenig, dass niemand diesen historischen Moment zu schätzen zu wissen scheint. Wie auch die ersten Schritte eines Menschen auf dem Mond - OK, diese macht ein Saboteur, auf den eine Pistole gerichtet ist: Vielleicht kein Grund zum Feiern.

Gefeiert wird erst später, wenn den beiden gestrandeten Astronauten Colonel Briteis und Major Moore nahegelegt wird, angesichts der zu erwartenden langen Verweildauer zu heiraten - wegen der öffentlichen Meinung (auch nicht schrecklich fortschrittlich...). Da trifft sich's gut, dass die beiden sich trotz aller Kabbeleien und Eifersüchteleien schon immer gut leiden konnten. Ende gut, alles gut.

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