19.04.2007

Priestbird, Rote Sonne, München, 18.4.2007

Angekündigt hatten sie es damals: Tarantula A.D. waren kein Jahr nach ihrem letzten Tourbesuch in Europa wieder in Deutschland unterwegs - nur, dass sie neuerdings Priestbird heißen. Leider erinnerten auch die Umstände ihres gestrigen Auftritts in München an den Namenswechsel: Das gleiche in grün.

Wie der damalige Auftrittsort "Monofaktur" in der Sonnenstraße liegt die "Rote Sonne" im teuren Herzen Münchens, nämlich am Maximiliansplatz, leicht versteckt in einem Keller, aber mit ähnlichem Charme zwischen hip und schummrig versifft. Wir trafen zu dritt 10 Minuten nach Einlasszeit vor Ort ein - und waren anscheinend die ersten regulären Gäste. Leider wurden es - auch das eine unschöne Erinnerung an letztes Jahr - bis zum Beginn des Konzerte kaum mehr; zehn zahlende Zuschauer glaube ich gezählt zu haben - schade. Ebenfalls ähnlich: die ziemlich verschleppte Anfangszeit - 22:30 statt 21:30.

Immerhin waren ein paar Leute mehr im Club, denn seltsamerweise war auch ein von Arte bzw. dem BR beauftragtes Fernsehteam anwesend, das das komplette Priestbird-Konzert mit zwei Kameras aufzeichnete. Bizarrerweise für einen kommenden (Ausstrahlung soll in ca. sechs Wochen sein) Tracks-Beitrag zu "40 Jahre Summer of Love". Was Priestbird mit dem Summer of Love zu tun haben, höre ich jemanden fragen. Das fragten wir uns auch, aber nicht nur uns, sondern auch den anwesenden verantwortlichen Autor der Aufzeichnung. Antwort: "Weil sie auch nach Pink Floyd klingen", oder so.

Womit wir bei der Musik wären. Denn leider stimmt dieser Aussage inzwischen sogar teilweise: Manche Passagen in der zweiten Hälfte des Konzertes klangen tatsächlich nach etwas rotzigeren (durch den Indie- vielleicht sogar Grunge-Wolf gedrehten) Pink Floyd - symptomatisch wohl für die im Vergleich zum "Tarantula A.D."-Material merklich weniger schräg-verspielte Ausrichtung von Priestbird.

Allerdings näherte sich auch die Priestbird-Stücke im Live-Gewand dem Tarantula-Klang im Vergleich zum gerade erschienenen Studioalbum "In Your Time" an, sind aber alles in allem deutlich geradliniger gehalten. Dies machte sich u.A. auch daran bemerkbar, dass die Gruppe z.B. wesentlich weniger mit Live-Loops arbeitete und den Sound dadurch viel schlanker hielt, als es die faszinierend fetten, teilweise kakophonen Exzesse des "Tarantula A.D."-Gigs waren. Gewonnen haben Priestbird durch die Umfirmierung nur in einem Bereich: Der Gesang aller drei Bandmitglieder wirkte diesesmal wesentlich souveräner als zuvor, was aber großteils daran liegen dürfte, dass eben die neuen Kompositionen stärker auf diesen ihren Gesang zugeschnitten und auch insofern weniger kompromisslos "reine Musik" sind.

Schlecht war das Konzert trotzdem nicht, sondern durchaus in Ordnung, so lange man von der kurzen Spielzeit (gut 45 Minuten plus Zugabe) absieht. Eines gilt auf jeden Fall: Mit der Umbenennung haben sich Priestbird zwar unmittelbar keinen Gefallen getan, da dadurch am ein oder anderen, der mit dem Namen "Tarantula A.D." etwas verbunden hätte (auch wenn letztes Jahr nicht wesentlich mehr Zuhörer da waren), ihr Konzert sicher vorbei gelaufen ist. Mit der veränderten musikalischen Ausrichtung besteht aber trotzdem die Chance, dass Priestbird in den Augen und Ohren der eher alternativ ausgerichteten Musikpresse Gnade und also Publicity finden und bei ihrem nächsten Deutschland-Besuch nach dem nächsten Album vielleicht nicht mehr nur 10, sondern einige mehr Zuhörer anwesend sind. Ob darunter aber noch viele Freunde aus der Prog-Ecke sein werden, ist m.E. momentan eher zweifelhaft.

Kommentare

Was über die Platte wohl auch einiges aussagt ;-)

Bis morgen, Gruss,
Udo

Immerhin sind Priestbird mit ihrem aktuellen Album Platte des Monats im eclipsed und nicht etwa die neue Porcupine Tree.

ThomK

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