22.04.2005

Porcupine Tree, Elserhallen München, 21. April 2005

Technokratische Kopfmusik.

So, das musste mal gesagt werden. Ok, ich hab es schon gestern abend jedem, der es nicht hören wollte, vor Ort ins Ohr gebrüllt. Aber schließlich wird mir gerne mal vorgeworfen - ihr wisst, wer ihr seid... - , dass ich ein Kopfhörer sei - natürlich nicht ein Paar Ohrmuschellautsprecher, sondern das Gegenteil von "Bauchhörer".

(Selbstwidersprüchlich gemeinte Zwischenfrage: Wenn es a priori verwerflich ist, beim Musikhören den Kopf zu benutzen, warum wohl hat dann der liebe Gott beim Menschen die Ohren nicht am Bauch angebracht?)

Damit wir uns nicht falsch verstehen: schlecht war das nicht. Das Ganze war überaus raffiniert gemacht, souverän dargeboten, technisch also über jeden Zweifel erhaben. Dabei nur eben gleichermaßen seelenlos, kalkuliert, ohne den Hauch eines Funkens Sponaneität, ergo berührungslos langweilig (da lobe ich mir - fast - die Vorgruppe Anathema: diese waren so stumpfsinnig dumpf, dass man sich wenigstens darüber aufregen konnte). Exemplarisch wurde dies an Schlagzeuger Gavin Harrison deutlich: genauso gut hätte auf der Bühne eine Maschine stehen können. Perfekt, exakt, virtuos: yep. Mechanistisch, ohne Ausbrüche nach oben oder nach unten, emotionslos: eben-auch-yep. Wie bei den zwei vorhergehenden Porcupine Tree Konzerten, die ich besuchte, galt auch gestern: immer dann, wenn eines der Stücke hätte richtig losgehen müssen, wenn es hätte anfangen können sich zu entwickeln, zu schweben und schließlich zu fliegen ... war's rum.

Obendrein habe ich mehr als einmal - jüngst etwa von ThomK in [progrock-dt] - Porcupine Tree-Chef Steven Wilson beeindruckende Bühnenpräsenz zugeschrieben gesehen. Was mich betrifft: ein Vakuum auf der Bühne hätte mehr Ausstrahlung gehabt als Wilson.

Zur Einordnung: Den allermeisten der mehreren hundert Zuhörer in der Elserzusatzhalle dürfte es - dem Applaus nach zu urteilen - sehr gefallen haben. Das sollte mich nicht wundern, und tut es nicht: soweit ich das überblicken konnte, hatte jeder von ihnen seine Ohren am Kopf.

Kommentare

DANKE Udo!,

aber wirklich absolut genau diese Worte hab ich gegenüber den mitleidenden Anwesenden des Karlsruher Konzertes gesagt... nur die stelle mit der Bühnenpräsenz, da verwendete ich den Begriff "wie ein nasses Handtuch".

Rainer

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