Picore & Pit Er Pat, Kafé Kult, München, 22.3.2007
"Post-Rock" ist ein schwammiges Stichwort, das sich schlecht definieren lässt. Trotzdem: Wenn es fällt, vor allem in einem Live-Kontext, bin ich interessiert. Also auch, als solcher "Pit Er Pat" für's Kafße Kult, angekündigt wurden, eine Gruppe aus Chicago, der Heimstatt der Postrock-Heroen "Tortoise", deren elegisch-unterkühlte Scheiben mit durchaus Freude machen und deren Bandchef John McEntire das "Pit Er Pat"-Album "Pyramids" produziert hat.
Um die erste Band des Abends, "Picore" aus Saragossa, hatte ich mich im Vorhinein nicht arg gekümmert. Umso besser. Von diesen wurde ich sehr positiv überrascht. Von "Pit Er Pat" nicht so sehr. Die Musik des spanischen Quartetts (Gesang, Bass/Stick, Gitarre, Schlagzeug) ist schwer beschreibbar: Durchaus komplexe und schräge, aber nicht abgefahrene Kompositionen, zwar knackig und mit Kraft vorgetragen, aber ohne Muskelspiele, gleichzeitig apathischer und engagierter Gesang, staubtrockenes, fast holpriges, aber dafür doch zu kontrollierte Schlagzeugspiel. Seltsam. Aber gut. Und als es die beiden CDs von "Picore" für zusammen 12,- Euro zu erwerben gab, musste ich nicht darüber nachdenken, dass ich sie mitnahm. Hat sich auch gelohnt. "La Postura Perfecta" (2005) ist etwas verspielter produziert (inkl. gelegentlichen Keyboards, Bläsern und Effekten), als die Band live herüberkam und gefällt mir von daher sogar noch besser. Das Folgealbum "Lista Completa de Heridos" ist deutlich näher dran am Live-Sound des Kult-Auftrittes.
"Pit Er Pat" schließlich waren auch nett. Aber nicht viel mehr. Recht interessant wurde es fast immer, wenn eingespielte Sample- und Band-Teile vorkamen, aber bei den restlichen Nummern wirkte der wirklich sehr gute, gleichermaßen wirbelige wie kraftvolle Schlagzeuger von seinen deutlich weniger virtuosen und tragenden, sondern eher lethargischen Bandkollegen (Bass und Keyboards, davon vor allem seltsam quäkige wurlitzer-artige E-Piano-Sounds) etwas alleine gelassen und nur gelegentlich schwang sich die Gruppe zu dichteren Sound-Wänden auf. Zusammen mit dem zurückhalten Frauengesang mit sanften Kleinmädchen-Charme wurden eher Erinnerungen an die Kafé-Kult-Veteranen "The Good Good" wach, allerdings ohne deren quirligen Charme.
Den restlichen Zuschauern (die in für's Kafé Kult ordentlicher Menge erschienen waren) scheint's aber ausnehmend gut gefallen zu haben, immerhin wurden sogar eine dritte Zugabe gefordert, was ich im Kult - glaube ich - noch nie erlebt habe.
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