28.03.2007

Pans Labyrinth

Guillermo del Toros ("Blade II", "Hellboy") "Pans Labyrinth" hat viel Kritikerlob und drei Oscars sowie zahlreiche weitere Auszeichnungen bekommen. Es ist nicht schwer, dies nachzuvollziehen: Auf poetische Weise verknüpft der Film eine "ernste" Thematiken (Gräueltaten des faschistischen Regimes im Nachbürgerkriegs Spanien und die Gefahren blinden Gefehlsgehorsams, die Macht von Hoffnung und Phantasie etc.) und deren realistische Darstellung mit surrealen fantastischen und Horror-Elementen. Dies geschieht über die Geschichte der ca. 10jährigen Ofelia, die mit ihrer schwangeren und kranken Mutter zu ihrem Stiefvater Vidal in die Berge zieht.

Vidal ist Hauptmann in Frankos Armee und soll dort mit einer ehemaligen Mühle als Stützpunkt die Partisanen im bäuerlich geprägten Waldgebiet ausschalten. Hinter der Mühle gibt es ein uraltes Labyrinth, in dem Ofelia (ob "wirklich" oder nur in ihrer Phantasie) einem Faun begegnet, der ihr eröffnet, dass sie die wiedergeborene Prinzessin eines Märchenreiches sei. Um in ihr Reich zurückzukehren, müsse sie einige Prüfungen bestehen. Während um sie herum Vidal brutal und sadistisch den Kampf gegen die Partisanen führt.

Die Kinderdarstellerin Ivana Baquero spielt hervorragend und Del Toro inszeniert diese Geschichte sehr stimmungsvoll (mit sehr viel - ruhig - bewegter Kamera) und im Nicht-Fantasy-Teil auch realistisch. Nur ein ständiger Effekt nervte durch die häufige Wiederholung: Die Kamera fährt hinter ein Hindernis (einen Baum, einen Pfeiler, eine Kiste etc.) und wenn sie daran vorbeigezogen ist, hat die Kameraeinstellung gewechselt. Gut, nicht tragisch, eher ein Detail am Rande.

Stärker stört mich eher etwa inhaltliches, etwa dass die beiden Ebenen (Ofelias fantastische Abenteuer und die "reale") sich nur wenig berühren und durchdringen, sondern große Teile des Films eher neben einander ablaufen - auch wenn die Ereignisse sich natürlich teilweise gegenseitig beeinflussen, wenn z.B. Ofelias Alraune von Vidal gefunden wird oder die schwierige Schwangerschaft von Ofelias Mutter sich in einem Abenteuer mit einem bizarren Kinderfressermonster spiegeln.

Außerdem: die implizite Jenseitsverklärung in der Geschichte. Gleich zu Beginn werden durch den Erzähler aus dem Off (dem filmischen Jenseits...) "wirkliche" Welt und das Märchenreich gegenüber gestellt, aber eher so, als ob die wirkliche Welt die weniger reale sei. Später wird dies - Achtung, schwere Spoiler für's Ende der Geschichte folgen! - noch wesentlich expliziter: Ofelia opfert ihr Leben für einen Unschuldigen, und als Belohnung darf sie aus der brutalen trostlosen Realität des Diesseits ins jenseitige Reich übertreten, wo sie als Prinzessin neben ihm Köng-Vater auf einem Thron Platznehmen darf. Das klingt mir doch alles ein wenig zu sehr nach Himmelfahrt und Heilsversprechen.

Kommentare

Huhu,
Ich hoffe ich habe deine Interpretation nicht falsch verstanden oder so, aber ich seh das ganze ein wenig anders.

Vorab am Rande, diese Kamerafahrten fand ich nicht sooo störend, aber ich verstehe trotzdem nicht warum Pans Labyrinth den Kamera-Oscar bekommen hat und nicht Children of Men, der in dieser Hinsicht noch viel mehr zu bieten hatte...

Also, ich habe den ganzen Film so verstanden, als dass jegliche Fantasy-Elemente nur in der Phantasie des Mädchens vorkommen und sie sich quasi in diese flüchtet, um der grausammen realen Welt zu entfliehen.

Einziger Punkt, an dem diese Sichtweise etwas problematisch wird, ist die Geschichte mit der Wurzel unter dem Bett der Mutter, die ja scheinbar wirklich helfende Kräfte hatte.

Das Ende ist dann auch wieder Interpretationssache. Es könnte wieder nur Einbildung sein, die ihr die Angst vor dem Tod nimmt und ihre eigene Opferung rechtfertigt... aber vielleicht hast du das ja auch genau so gesehen und ich habs nicht gerafft :).

Grüße
Schuli

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