Opulenz à la SPIEGEL ONLINE
Die wöchentlichen CD-Kritiken auf SPIEGEL ONLINE, die unter dem bescheidenen Namen "Die wichtigsten CDs der Woche" erscheinen, bieten in den seltensten Fällen für meinen Geschmack passend scheinende Tipps, und wenn, dann nur - analog zu dem einige Zeit zurückliegenden taz-Artikel - auf Umwegen: SPIEGEL ONLINE-Autor Jan Wigger kaut ebenfalls gerne mal die seit inzwischen fast 30 Jahren etablierten Prog-Vorurteile wieder: Anmaßung, Gefühlsleere, Aufgeblasenheit, Angeberei, das ganze Spektrum halt. Das ist dann eher ein Grund aufzuhorchen, was aber meist damit endet, dass beim näheren Hinhören klar wird, dass die Vorurteile nur deshalb aus dem Besenschrank der Geschichte geklaubt werden, weil eine Band entfernt nach Pink Floyd klingt. (Dies lässt sich übrigens auch ansatzweise aus dem taz-Artikel herauslesen: das dort erwähnte Scissor Sisters Album enthält eine nette, witzige Disco-Version von Pink Floyds "Comfortably Numb" und wird damit prompt zum Prog, jedenfalls Beinahe-Prog. Bitte.)
Also, einmal zum Mitschreiben für die Feuilletonisten dieser Welt: Prog aka Progressive Rock in seiner ganzen Ausbildung hat nur absolut am Rande etwas mit Pink Floyd zu tun. Pink Floyd sind sicher eine für das Genre wichtige Band, vor allem als Wegbereiter und Ideengeber, aber an sich nur wenig Prog. Obendrein sind Yes, Genesis, ELP und King Crimson sind nur ein kleiner Teil des Ganzen. Kommt klar damit.
Ganz gelegentlich findet sich in "Die wichtigsten CDs der Woche" trotzdem ein Beitrag, der mich neugierig werden lässt. So auch in der Ausgabe vom 29.11.2004: die Besprechung von Rufus Wainwrights "Want Two". In einem Anfall von Abenteuerlust habe ich mir das Album zum Antesten besorgt. Einen Durchlauf weiter muss ich sagen: neeee.
So witzig es ist, dass die CD mit einem üppig orchestriert "Agnus Dei" beginnt: äh, suchen wir im Wörterbuch nach "prätentiös", so finden wir "siehe Rufus Wainwright, 'Agnus Dei' auf 'Want Two'".
Der Rest der eigentlichen Songs schwankt zwischen Betroffenheitsgenöle und Betroffenheitsgenöle. Das Gejaule und Gejammer ist dabei aber nicht einmal übel genug, um mich in eine Rage heiligen Zorns zu versetzen. Plätscher. Jammer. Plätscher. Skip. Zwischen die konventionelleren Songs sind mehrere mit Orchester arrangierte, teils pseudo-klassische, teils pseudo-barocke Nummern gestreut, die ziemlich an den Haaren herbeigezogen wirken. Hmpf. "Siehe 'Agnus Dei'". Erst gegen Ende, mit den letzten drei Stücken, wirft die Musik wenigstens den Schatten der Lockerheit, die die Platte bräuchte, um überzeugend zu sein. Aber das reicht mir nicht.
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Kommentare
Danke Udo, erspart mir ein paar Euro. Denn mir ging es exakt genauso wie Dir mit dem Artikel. Ich hätte mir die Platte heute abend noch gekauft ...
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