26.03.2005

Night Watch (Nochnoy dozor)

O...K... Das war seltsam. Es ist kaum zu glauben, dass dieser russische Film dort ein riesiger Kassenerfolg war, der 2003 "Die Rückkehr des Königs" und "Spider Man 2" auf die Plätze verwies.

Die Prämisse des Films ist - wie so oft - der ewige Kampf des Guten gegen das Böse. Irgendwann im Mittelalter kommt es zwischen den Kräften des Lichts und den Kräften des Dunkels (i.e. Vampire) zu einer Konfrontation, die keine der beiden Armeen gewinnen kann. Infolgedessen schließen die beiden Heerführer einen Vertrag: die Kräfte des Lichts bilden die Nachtwache, die des Dunkels die Tagwache, und beide Fraktionen halten sich kontrollieren sich gegenseitig in ihrem Treiben und wahren so die Balance, die die normalen Menschen, die Nicht-"Anderen" in gewissem Rahmen schützt. 1992 in Moskau funktioniert dieser Pakt immer noch, bis durch einen jungen Mann namens Anton, der von seiner Frau verlassen wird und daraufhin eine moderne Hexe aufsucht, eine Reihe von Ereignissen in Gang gesetzt wird (unter anderem seine Aufnahme in die Nachtwache), die dazu führt, dass der entscheidende "Andere", dessen Ankuft prophezeit wurde, derjenige, der die Kraft haben wird, die Wagschale auf die eine oder die andere Seite zu tippen, sich 12 Jahre später für die Seite der Dunkelheit entscheidet.

Diese schnöde und obendrein überaus unvollständige Zusammenfassung wird dem Film nicht näherungsweise gerecht. Aus diesem oder ähnlichen Stoffen ist schon dutzendweise filmische Massenware produziert worden, aber "Nochnoy dozor" ist so bildgewaltig insziniert, mit so vielen bizarren visuellen Einfällen, faszinierenden Einstellungen, surrealen Bildern und geschmackvollen, aber überaus eindrucksvollen Tricks versehen, dass er auch ohne die Story zu verstehen oder zu kennen ungemein faszinierend wäre. Und ist. Etwas wirr wirkt der Film beim ersten Sehen schon, wozu sicher beiträgt, dass die englischen Untertitel wohl nicht der Weisheit letzter Schluss sind.

Jeder, der Spaß an sehr seltsamen Geschichten, an surrealer Gegenwartsfantasy und visuell atemberaubendem, überwältigenden Kino hat, sollte versuchen, den Film bei einer der kommenden Fantasy Filmfest Nights anzuschauen. Da ich zum Münchner Termin gerade ein Konzert in Mexiko gebe, kann ich leider nicht hingehen; gerne würde ich "Night Watch" auch auf der großen Leinwand mit den neuen, in den Film integrierten Untertiteln erleben, aber da mir das aus guten Gründen versagt bleibt, habe ich mir die russische DVD gönnen müssen.

Die Geschichte ist übrigens die Verfilmung des ersten Teils einer Romantrilogie vom Autor Sergei Lukyanenko (hat jemand eine Idee, ob man die Bücher auf Deutsch oder Englisch bekommen kann und wenn ja, wo?). Die Filme zu Teil 2 und Teil 3 sind schon in Vorbereitung, und das Ende von "Night Watch" lässt - obwohl die Geschichte dieses Films zufriedenstellend abgeschlossen wird - hoffen, dass der Spaß jetzt erst richtig losgeht.

Kommentare

der film ist ein meisterwerk!
anders als das buch, aber auf keinen fall schlechter.
der wird in deutschland hypen, da bin ich sicher.
aber nix für schwache gemüter...

Danke für den Hinweis zum Buch! Allerdings erscheint es laut Heyne erst im Oktober 2005:

http://www.randomhouse.de/book/edition.jsp?edi=185191

Werde ich mir aber vormerken :-)

Ich hab den Film angesehen (mit der russischen Sprache habe ich weniger Probleme) und ich bin sehr enttäuscht. Vielleicht sollte ich das Buch erst nach dem Film lesen. Im Film haben die Darsteller die ganze Geschichte einfach durcheinander gebracht.
Das Buch ist aber schon eigentlich auf Deutsch mindestens zu bestellen (ISBN 3-453-53080-2).

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.

Weitere aktuelle Beiträge

Audio-Beiträge

Bildergalerien