26.04.2006

Nicht nur ein Brüller


There are motherfucking snakes on the motherfucking plane.

What else do you need to know? How the snakes get on the plane, what the snakes do once they're on the plane, who puts the snakes on the plane, who is trying to get the snakes off the plane...This is not for you to ponder. There are snakes on the plane. End of fucking story.

Letztens las ich - sinngemäß - in einer Reportage, dass der/die/das oft bemühte "man" Dave Brubeck für den besten zeitgenössischen amerikanischen Jazzpianisten hält (zugegebenermaßen ist diese Reportage bereits einige Jahre alt). Abgesehen von den grundsätzlichen Schwierigkeiten, die ich mit "der/die/das beste"-Aussagen habe, erscheint es mir mehr als zweifelhaft, dass auch in den 80er Jahren eine solche Meinung für vorherrschend hätte empfunden werden können, angesichts der Tatsache, dass der Ruhm Brubecks im wesentlichen auf einer Platte aus den 60ern beruht, ebenso wie angesichts der Tatsache dass es schon immer mehr als genug Pianisten-Konkurrenz mit klangvollen Namen gab.

Ein weiteres Beispiel dafür, dass die journalistische Wahrnehmung (von der ich jetzt mal ganz bösartig vermute, dass sie öfter, als vielleicht sogar den Journalisten selbst lieb wäre, einfach zu oberflächlicher Recherche entstammt) der Welt nicht unbedingt mit der des Rests der Welt zu tun haben muss, liefert ein aktueller Beitrag auf SPIEGEL Online zum Internet-Hype, der seit einiger Zeit in der amerikanischen Online-Welt den Film "Snakes On A Plane" umgibt, obwohl dieser erst im August in den USA anläuft.

In diesem Artikel wird so getan, als ob die Blogosphäre sich über "Snakes On A Plane" lustig machen würde. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall. Vor allem wegen des no-nonsense, auf-den-Punkt, you-get-what-you-see graphischen Titels, der ohne irgendwelche Umschweife klassisches, hirnloses, aber spaßiges Exploitation- / Action- / -B-Movie-Vergnügen verspricht, und wegen der Tatsache das Samuel L. "fuckin' Jules fuckin' Winnfield" Jackson die Hauptrolle spielen (diese Kombination schreit unüberhörbar "unbeschreibliche Coolness im Anflug" in die Welt hinaus) wird, ist die Vorfreude auf den Film echt und ungekünstelt in die Höhe gestiegen und der Film jetzt schon Kult - was durch den ersten offiziellen Pseudo-Trailer und das offizielle Filmlogo nur noch verstärkt wurde. Klar ist bei den Reaktionen Ironie im Spiel, aber was der SPIEGEL-Autor nicht zu erkennen scheint, ist, dass es auch liebevolle, erwartungs- und hoffnungsfrohe Ironie gibt, die hier mit kindlicher Freude gepaart ist. Mann, es sind verdammtnochmal verdammte Schlangen in dem verdammten Flugzeug. Großer Sport steht an.

Dass der Titel "Snakes on a plane" "etwas hat", wird alleine dadurch illustriert, dass Sam Jackson höchstselbst die Mitwirkung am Film alleine nach dem Lesen des Titels zugesagt hat, ohne auch nur das Drehbuch zu kennen. Etwas ausführlicher und außerdem amüsant beschreibt der Hollywood-Drehbuch-Autor Josh Friedman seine Begegnung mit den Schlangen im Flugzeug in seinem Blog (daher stammt auch das Zitat oben).

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